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Ein Tod in der Familie Sánchez
VerfasserIn: Lewis, Oscar
Verfasserangabe: Oscar Lewis. Aus d. Engl. von Annemarie Böll
Jahr: 1986
Verlag: Göttingen, Lamuv-Verl.
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Mexico-Stadt. Als Tante Guadelupe stirbt, wird es zum Kampf, sie anständig unter die Erde zu bringen. Lewis beschäftigt sich damit, welches Licht Guadelupes Tod auf ihr Leben wirft, wie beide - ihr Leben und ihr Tod - die "Kultur der Armut" widerspiegeln, in der diese Frau zeitlebens existieren mußte. Kultur der Armut (Englisch: Culture of Poverty) ist ein von Oscar Lewis geprägter Begriff. Nach Lewis ist die Lebensweise der Armen von Denk- und Handlungsmustern geprägt, die von Generation zu Generation innerhalb der kulturellen Einheit weiter vererbt würden. Die Kultur der Armut ist geprägt durch den Wunsch nach sofortiger Bedürfniserfüllung. Langfristige Strategien dagegen werden kaum verfolgt. Lewis selbst beschreibt die Kultur der Armut folgendermaßen: "Die Armen sind gezwungen, in überfüllten Elendsquartieren zu leben; auf jede Möglichkeit des Alleinseins zu verzichten; ein Herdendasein zu fristen; immer wieder beim Alkohol Zuflucht zu suchen und nicht nur beim Schlichten ihrer Streitigkeiten, sondern auch in der Erziehung ihrer Kinder häufig rohe Gewalt anzuwenden. Kennzeichnend für die Lebensweise dieser Volksschichten ist ferner, dass die Frauen oft von ihren Männern geschlagen werden. Das Sexualleben beginnt früh; man heiratet aufgrund mündlicher Übereinkunft und lebt in freien Verbindungen; viele Männer verlassen Frau und Kind, daher gibt es unzählige Familien, deren Mittelpunkt die Mutter mit ihren Verwandten bildet. [... Typisch ist] eine starke auf die unmittelbare Gegenwart gerichtete Orientierung mit nur geringer Bereitschaft, sich einen augenblicklichen Wunsch zu versagen und für die Zukunft zu planen; ein Gefühl der Resignation und des Fatalismus, das in der eigenen schweren Lebenslage seine Begründung hat; der Glaube an die männliche Überlegenheit, der sich bis zum Maskulinintätskult (machismo) steigert; ein diesem Glauben entsprechender Märtyrerkomplex unter den Frauen und ein hoher Grad von Toleranz gegenüber allen Arten psychologischer Pathologie." Weitere Merkmale der Kultur der Armut sind: * Mangelnde Integration in gesellschaftliche Institutionen (mit Ausnahme von der Armee, Gefängnissen und wohlfahrtsstaatlichen Einrichtungen) * ständige Geldknappheit, Leihen von Geld, Verpfänden von Gegenständen * ungenügende Bildung, Analphabetismus * Misstrauen gegenüber der Polizei und der RegierungLewis wandte sich gegen eine Stigmatisierung der Armen. Die Kultur der Armut reflektiere ökonomische Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Materielle Umverteilung reiche jedoch nicht aus, um die Kultur der Armut aufzubrechen. Sie sei fest im Sozialisationsprozess der armen Bevölkerungsschichten verwurzelt. Lewis hoffte auf eine Überwindung durch Reformpolitik, den Ausbau der Sozialarbeit und Therapien für Arme und verhaltensauffällige Mitbürger.
Details
VerfasserIn: Lewis, Oscar
VerfasserInnenangabe: Oscar Lewis. Aus d. Engl. von Annemarie Böll
Jahr: 1986
Verlag: Göttingen, Lamuv-Verl.
Systematik: GS.OI
ISBN: 3-88977-048-7
2. ISBN: 978-3-88977-048-6
Beschreibung: Dt. Erstausg., 1. Aufl., 159 S.
Beteiligte Personen: Böll, Annemarie
Sprache: ger
Originaltitel: A death in the Sánchez family <dt.>
Mediengruppe: Buch