Faszination Bundesliga.Seit nunmehr fünfzig Jahren ist die Fußballbundesliga ein wichtiger Bestandteil der Populärkultur, wobei auch wirtschaftliche Interessen eine immer größere Rolle spielen. Nils Havemann nähert sich ihren großen Figuren an - den strahlenden ebenso wie den mediokren - und stellt die Liga vor dem Hintergrund der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland dar.Durch die Auswertung bislang nicht zugänglicher Dokumente gelingt es Nils Havemann, ein neues Licht auf die Geschichte der Bundesliga zu werfen. So liefert das Buch unter anderem neue Details zum großen Bestechungsskandal 1970/71 und schildert, warum der Streit über die Fernsehrechte bereits ausgebrochen war, lange bevor die Sportschau auf Sendung ging. Zudem kann Havemann erstmals auf der Grundlage belastbarer Quellen Aussagen über die Entwicklung der Spielergehälter treffen.»Samstags um halb vier« bietet tiefe Einblicke in die Entwicklung eines Sports, der für viele zum Religionsersatz wurde und sich häufig auf dem schmalen Grat zwischen Faszination und Fanatismus, zwischen Patriotismus und Rassismus bewegt. Eine spannende Geschichte über die wichtigste Nebensache der Deutschen.Nils Havemann studierte Geschichte, Romanistik und Politische Wissenschaften in Bonn, Paris und Salamanca. Er promovierte 1996 an der Universität Bonn. Heute ist er am Historischen Institut der Universität Stuttgart tätig. Viel Beachtung gefunden hat er für sein 2005 erschienenes Buch »Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz«. (Verlagstext)
Inhalt
Einleitung 7
1. Fußball zwischen Tradition und Moderne - Der lange Weg zur Bundesliga 17
Gemeinschaft, Heimat und Identität 17
1954: Der folgerichtige Triumph deutscher Profis als Wundererzählung 28
Der DFB: Lobbyist des Fußballsports 43
Die späte Gründung der Bundesliga als Ergebnis wirtschaftlicher Erwägungen 53
Bundesligavereine als Kristallisationspunkte lokaler und regionaler Identität 68
2. Die Suche nach gesellschaftlicher Akzeptanz und finanzieller Seriosität - Bürgertum und Bürgerlichkeit in der Bundesliga (1963 -1965) 79
Die Herrschaft der Kaufleute, Unternehmer und Juristen 79
Marode Finanzen und unseriöses Geschäftsgebaren 91
Bildungsbürgerlicher Dünkel gegenüber Geld, Kommerz und doofen Fußballspielern 105
Fritz Walter und Uwe Seeler als idealisierte Gegenentwürfe zum »Spielereigensinn« 112
Die Bundesliga: Ein Abbild der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«? 124
3. Der Aufstieg zu einem Teil der Populärkultur - Die Bundesliga vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels (1965-1971) 139
Politiker und Intellektuelle an der Seitenlinie 139
»Mehr Demokratie wagen«? 151
Rekordmeister und Traditionsvereine in Not 163
Von »konservativen Bayern« und »modernen Fohlen« 177
Auf dem Weg zur Staatsbundesliga 193
4. Die dunklen Seiten des Berufsfußballs - Die Bundesliga zwischen Boom und Krise (1971 -1978) 209
Der Bundesligaskandal: Aufdeckung einer lang geübten Praxis 209
Gewalt in den Stadien 226
Geschichtspolitiker und »Rudel-Journalisten« am Ball 239
Die Sehnsucht nach »Spielerpersönlichkeiten« und dem »schönen Spiel« 265
Entfremdung zwischen Vereinen und Kommunen 275
5. Aufbruch und Verharrung - Reformen und Reformversuche in der Bundesliga (1978 -1985) 291
Unter Veränderungsdruck 291
Gelungene Reformen: Bayern München, VfB Stuttgart und Werder Bremen 305
Gescheiterte Reformversuche: TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg und FC Schalke 04 327
Fußball als Religion? 343
Frauen und Fußball 352
6. Vom bürgerlichen Volksschauspiel zum medialen Massenspektakel - Die Bundesliga unter dem Zwang zur Show (1985 -1989) 363
Im Schatten der »Erlebnisgesellschaft« 363
Subvention und Eigeninitiative 375
Der Kampf des DFB um Einheit und Ruf 390
Krawall und Klassenkampf als Teil der Vermarktungsstrategie 401
Sportjournalismus: Unterhaltung, Hofberichte und kritische Information 412
7. Patriotismus, Globalisierung und offener Kommerz - Die Bundesliga als weltweite Marke (ab 1989) 435
Die Rückkehr des Patriotismus 435
Ausländische Spieler und Rassismus im Fußball 456
Vom versteckten zum offenen Kommerz 478
Der Dauerstreit um die Übertragungsrechte 496
Bosman-Urteil und Spielergehälter 509
Schlussbetrachtung 523
Dank 539
Anhang
Anmerkungen 541
Bibliographie 627
Vereinsregister 663
Personenregister 665
Bildnachweis 672