Pioniere der Traumaforschung wie Hans Keilson oder Boris Cyrulnik haben selbst traumatische Extrembelastungen durch das Naziregime erlitten, aber auch eine beeindruckende Resilienz gezeigt. Ihre Leistungen und Biografien werden einleitend dargestellt. Basierend auf ihren Erkenntnissen widmeten sich verschiedene Wissenschaftsbereiche der Resilienz und präzisierten Phänomene wie das posttraumatische Wachstum und die transgenerationale Traumatransmission. Herbert Csef beschreibt die Errungenschaften verschiedener Forschungszweige, die sich mit Trauma und Resilienz auseinandergesetzt haben – wie Epigenetik, Hirnforschung und Neuropsychoanalyse –, macht diese für die klinisch-psychotherapeutische Praxis fruchtbar und gibt damit wichtige Impulse für Verbindungen von Psychoanalyse und positiver Traumatherapie.
Inhalt
Vorwort 9
1 Einleitung 15
Aktuelle Herausforderungen der Traumatherapie
2 Sieben Pioniere der ersten Traumaforscher-Generation nach Freud 23
Viktor Frankl (1905-1997) 26
Bruno Bettelheim (1903-1990) 27
Ernst Federn (1914-2007) 27
William G. Niederland (1904-1993) 28
Judith Kestenberg (1910-1999) 28
Hans Keilson (1909-2011) 29
3 Boris Cyrulnik - Psychoanalytiker und Pionier
der Resilienzforschung 35
Kurzes biografisches Porträt 35
Am Leid wachsen (2001) - sein erstes Resilienz-Buch 36
Rette dich, das Leben ruft! (2013) - eine Autobiografie 37
Resilienz- und Traumaforschung bis zum 85. Lebensjahr 39
4 Vom Trauma zur Resilienz 41
Die wesentlichen Resilienzfaktoren 42
Fördern Resilienzfaktoren die Traumabewältigung? 42
Resilienzfördernde Interventionen 43
Evaluationsstudien und Meta-Analysen
Zur Wirksamkeit der Resilienzförderung 45
Das Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz 47
5 Resilienz in der Psychoanalyse und der Psychotherapie 49
Rezeption der Resilienzforschung in der Psychoanalyse 49
Resilienz als integraler Beitrag von Psychotherapie-Verfahren 51
Neue Aufgabenfelder für Psychotherapeuten 51
Zusammenfassung 52
6 Posttraumatisches Wachstum 53
Am Trauma wachsen - Wie Phönix aus der Asche 53
Trauma und Persönlichkeitsentwicklung 55
»Überlebenskünstler« - Posttraumatisches Wachstum
bei Holocaust-Verfolgten 57
Posttraumatic Growth und 9/11 63
Posttraumatisches Wachstum im psychoanalytischen
Behandlungsprozess 64
Analyse der drei Fallbeispiele 79
7 Transgenerationale Traumatransmission 83
»... bis ins dritte und vierte Glied« 84
Weitergabe von Traumata an nachfolgende Generationen 84
Transgenerationale Trauma-Weitergabe bei Holocaust-Verfolgten und Kriegsopfern 85
Transgenerationale Trauma-Weitergabe bei Opfern
Politischer Verfolgung in der DDR 91
Transgenerationale Weitergabe von Gewalt 94
Aus Opfern werden Täter - Der circulus vitiosus von
Gewaltspiralen 96
Transgenerationale Weitergabe von Gewalt gegen die
eigenen Kinder 97
Transgenerationale Weitergabe von Gewalt gegen den
Liebes- oder Ehepartner (Partnerschaftsgewalt, Intimizide) 104
Suizid und Transgenerationale Traumatransmission -
»Suizid-Familien« und Suizide in mehreren Generationen 108
Suizide in der Familie von Thomas Mann - die Söhne
Klaus und Michael Mann als Suizidopfer 108
Die Suizidversuche von Tilly Wedekind und Suizide
in ihrer Familie in mehreren Generationen 112
»Frauenschicksale« - Suizidalität bei Mutter, Tochter
und Enkelin -Anatomie eines Suizids von Alice Birch 113
»Männerschicksale« - Suizidalität in drei
Männergenerationen einer Familie -
Der Roman Serpentinen von Bov Bjerg 114
»Scheidungskinder lassen sich häufiger scheiden« -
Transgenerationale Aspekte von Ehe-Scheidungen 116
Wie geschieht Traumatransmission? Was ist der
»Transmissions-Riemen«? 118
8 Trauma-Reaktivierung und Reviktimisierung 121
Trauma-Reaktivierung nach sexueller Traumatisierung 121
Reaktivierung von Kriegstraumata im höheren Lebensalter 125
Reviktimisierung von Gewaltopfern 135
»Einmal Opfer - immer wieder Opfer« - die Wiederholung
der Opfererfahrung als Reviktimisierung 137
Reviktimisierungen bei aufsehenserregenden Missbrauchsskandalen mit mehreren schwerkriminellen Tätern -
Kriminologische Herausforderungen 145
Gemeinsamkeiten der beschriebenen
Reviktimisierungsfälle 152
9 Psychoanalyse, Trauma, Gene, Epigenetik
und frühkindliche Prägung 157
Was ist Epigenetik? 158
Epigenetische Wirkmechanismen 159
Risikoreiche Genvarianten 160
Löwenzahnkinder und Orchideenkinder -
komplexe Interaktionen von Epigenetik und Umwelt 161
Wie Stress, Affekte und Emotionen die Gene verändern 162
»Wir können unsere Gene steuern!« (Isabelle Mansuy) 165
Chronischer Stress -
verkürzte Telomere und reduzierte Lebenszeit 167
Pränataler Stress und Fetale Programmierung 168
Epigenetik während der Schwangerschaft -
vorgeburtliche Resilienz? 170
Epigenetische Veränderungen durch Psychotherapie 171
Neue Anwendungsgebiete der Psychotherapie
in der Geburtsmedizin 173
Erhebliche Präventionspotenziale 174
Interdisziplinäre Kooperationen für Psychotherapeuten
in der prä- und postnatalen Entwicklungsphase 175
Fazit 176
10 Die Neuro-Psychoanalyse 177
Versuch einer Integration von Psychoanalyse und
Neurowissenschaften
Der Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel
als Impulsgeber 178
Die International Neuropsychoanalysis Society 179
Die Fachzeitschrift Neuropsychoanalysis 180
Die Neuro-Psychoanalyse in Deutschland 180
Die Hanse-Neuro-Psychoanalyse-Studie (HNPS) 181
Bedeutung der Neuro-Psychoanalyse für Trauma
und Resilienz 183
11 Bestätigung zentralerTheorien der Psychoanalyse
durch Hirnforschung und Epigenetik 187
Theorie 1: Das Unbewusste existiert, die meisten
Hirnvorgänge sind unbewusst 188
Theorie 2: Die frühe Kindheit prägt wesentlich
die weitere psychische Entwicklung 190
Theorie 3: Epigenetische Prozesse bestimmen die
transgenerationale Weitergabe von Traumata,
Angst und Gewalt 192
Fazit 193
12 Ausblick 195
Literatur 199