Der renommierte israelische Historiker Shlomo Sand gibt einen komprimierten Überblick über die Idee des Binationalismus in der zionistischen Bewegung seit dem späten 19. Jahrhundert. Die frühen binationalen Zionisten traten für ein jüdisches kulturelles und geistiges Zentrum in Abstimmung mit den palästinensischen Araber:innen ein und warnten vor dem Ziel des politischen Zionismus eines Theodor Herzl, einen ausschließlich jüdischen ethnischen Nationalstaat schaffen zu wollen. Obwohl der Binationalismus nie eine politische Kraft von großem Gewicht war, ist er dennoch eine Option, die immer mehr Menschen anspricht, die für Gleichheit und Menschenrechte in Israel/Palästina kämpfen.
Weiterhin untersucht Shlomo Sand, inwieweit die Idee des Binationalismus im Denken einiger arabisch-palästinensischer Intellektueller verfängt und findet dort diskutierenswerte Ansätze. Er ist sich dabei völlig im Klaren, dass er eine Minderheitenposition sowohl in Bezug auf den jüdischen als auch den arabischen Mainstream vertritt. Nichtsdestotrotz argumentiert er angesichts der Alternativen von Vertreibung oder Apartheid ähnlichen Besatzungsverhältnissen dafür, Israel neu zu denken, denn die sog. 'Zweistaatenlösung' hält er für ein vollkommen unrealistisches Feigenblatt der internationalen Politik. Neben den diskutierten Möglichkeiten eines binationalen Bundesstaates oder eines einheitlichen säkularen demokratischen Staates streitet Sand schließlich für die Idee einer Konföderation von zwei oder mehr kulturellen Einheiten, die eine gemeinsame Souveränität und Staatsbürgerschaft haben, aber kulturelle und sprachliche Besonderheiten, autonome Regierungsorgane, gewählte Versammlungen usw. Als Beispiele und Ideengeber dienen ihm dafür Länder wie Belgien, Kanada, die Schweiz, Großbritannien, Spanien, Indien, Bosnien-Herzegowina und andere. (Verlagstext)
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort 7
1. Das »Land der Vorfahren« oder das Land der Einheimischen? 13
Das Land der Vorfahren 16
Zur Nation 22
Ethnozentrismus 26
Binationalismus? 29
2. »Wenn ein Knecht zur Herrschaft kommt«:
Die verborgene Frage 35
Liebhaber der Anderen? 36
Ein spirituelles Zentrum? 39
Den Anderen ignorieren 44
3. Der Friedensbund gegen die »Eiserne Mauer< 51
Die Anfänge der Allianz 53
Die >Extremisten<-Fraktion 59
Hans Kohn und das Ende der Allianz 65
4. Martin Buber, Hannah Arendt und das ungeteilte Land 75
Vom »völkischen Denkern zum »Ich und Du« 77
Auf dem Weg zur binationalen Idee 81
Hannah Arendt und der Antisemitismus 87
Ein jüdischer Nationalstaat? 92
5. Theopolitik und die pazifistische Ihud 97
Der unruhige Amerikaner 98
Der prophetische Kanzler 105
Ihud (Einheit) 109
Der letzte Mohikaner 113
6. Die Linke und die »Brüderlichkeit zwischenden Völkern« 117
Zionistischer Marxismus 118
Kommunistinnen in Palästina 122
Das Ende einer Idee 129
7. Die Semitische Aktion und eine
arabisch-hebräische Föderation 133
Der >kanaanitische< Hintergrund 135
Eine >semitische< Linke? 141
Das Hebräische Manifest 144
8. 1967 - Ein zu teilendes oder ein zu vereinigendes Land? 151
Drei Petitionen 152
Menachem Begin gegen die Apartheid 155
Die Notlage der weißen Sabra 158
Risseaufder linken Seite 161
Die Desillusionierung geht weiter 165
Erhöhte Sensibilität 172
9. »Mit einer Hand kann man nicht klatschen« 179
Neugierde und Versöhnung 181
Die palästinensische Nationalidee 184
Ein einziger demokratischer Staat? 187
Das binationale Paradigma 191
10. Die Alternativen: Apartheid, Umsiedlung
oder eine binationale Lösung? 197
Das Heimatland dehnt sich aus 198
Die neuen Pioniere 203
Hegemonie vor Ort 207
Stychia und Katastrophe 210
Die verborgene Option 212
Denkbare Möglichkeiten 216
Utopien und Kalamitäten 218
Nachwort 223