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Behinderung zwischen Autonomie und Angewiesensein
Verfasserangabe: Bernd Ahrbeck ; Bernhard Rauh (Hrsg.).
Jahr: 2004
Verlag: Stuttgart, Kohlhammer
Mediengruppe: Buch
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 Vorbestellen Zweigstelle: 07., Urban-Loritz-Pl. 2a Standorte: PN.T Behi / College 3e - Pädagogik Status: Verfügbar Frist: Vorbestellungen: 0
Inhalt
VERLAGSTEXT: / / Autonomie und Mündigkeit, größere Handlungsmöglichkeiten statt entmündigender Abhängigkeit, gegen Aussonderung und Isolation, für ein selbstbestimmtes Leben - das sind die Schlagworte, mit denen in den letzten Jahren die Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen mit Behinderung eingefordert wurde. Das Ganze hat seine gravierende Kehrseite: Die autonomen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderungen werden dabei idealisierend überhöht. Dass sie in ganz elementarer Weise auf andere angewiesen sein können, wird nur noch ungern gesehen. Die Sonder-, Heil- oder Rehabilitationspädagogik hat sich mit dieser Thematik - dem Verhältnis von Autonomie und Angewiesensein - bisher nicht hinreichend auseinander gesetzt. Die Beiträge dieses Bandes zielen auf eine aktuelle Positionsbestimmung des Faches in diesem Spannungsfeld und erörtern die zahlreichen praxisrelevanten Folgen im Hinblick auf Menschen mit Behinderungen und psychosozial auffällige Kinder und Jugendliche. / / Die Herausgeber: Professor Dr. Bernd Ahrbeck und Bernhard Rauh lehren am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Schwerpunkt Verhaltensgestörtenpädagogik. / / "Gegenwärtig dominiert, im Alltagsleben wie in der Wissenschaft, ein zeittypisches Bild der nachwachsenden Generation, das sich durch ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit auszeichnet. Der ‚kompetente Säugling' oder das ‚selbstständige Kind' sind prominente Beispiele dafür. Am stärksten zugespitzt tritt diese Entwicklung im Radikalen Konstruktivismus zutage, der seit einiger Zeit in der Pädagogik an Einfluss gewinnt. Kinder konstruieren sich demnach aus sich selbst heraus, sorgen für sich selbst und sind von anderen nur schwerlich zu beeinflussen. Dem gegenüber steht das Wissen um die starke Abhängigkeit des Kindes und seine Angewiesenheit auf andere, die ihm ein anregendes Milieu bereitstellen. Erst die Erziehung eröffnet Perspektiven der Weiterent­wicklung, die dem Kind ansonsten verschlossen blieben. / Damit ist eine grundlegende Polarität menschlicher Entwicklung beschrieben, die zwischen Autonomie und Angewiesensein. Beide Seiten repräsentieren zentrale Kategorien des psychoanalytischen Denkens. Autonomie kann nur vor dem Hintergrund einer gesicherten Bindung entstehen. Die Fähigkeit, in einem reiferen Sinne Bin­dungen zu erleben, setzt eine innerlich gesicherte Autonomie voraus. Diese Thematik betrifft in besonderem Maße behinderte, chronisch Kranke und psychosozial beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. / / Dass Behinderte ein selbstständiges und autonomes Leben führen können, gilt zu Recht als eine historisch bedeutende Errungenschaft. Wichtige Stichworte hierzu sind selbstbestimmtes Leben bei geistig und schwer körperbehinderten Menschen, Anerkennung einer eigenen Sprache der Gehörlosen, Lösung aus autoritären Unterwerfungsritualen bei dissozialen und psychosozial auffälligen Kindern und Jugendlichen. / Was einerseits als emanzipatorischer Fortschritt anerkannt wird, hat aber eine durchaus gravierende Kehrseite. Sie besteht darin, dass die Angewiesenheit auf andere nur noch ungern thematisiert wird. Sie ver­schwin­det, scheinbar folgenlos, hinter einer mitunter euphorischen Überhöhung der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit behinderter Menschen. So dürfte ‚unterstützte' Sexualität bei schwer körperbehinderten und/oder geistig behinderten Menschen vom inneren Erleben her bei weitem nicht so unproblematisch sein, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Unter der Perspektive des selbstbestimmten Lebens kann die Abhängigkeitsproblematik, die für viele geistig und körperlich behinderte Menschen besteht, unzulässig zu einem Nebenthema werden. Dies zeigt sich vielfach auch im Umgang mit dissozialen und psychosozial auffälligen Kindern und Jugendlichen. Nicht selten werden sie viel zu früh in eine sie überfordernde Posi­tion gebracht, in dem man ihnen zutraut, sich aus sich selbst heraus zu ent­wickeln oder gar zu erziehen. Der Schaden, den sie dadurch erleiden, ist beträchtlich. Er resultiert aus einer weitgehenden Verleugnung ihrer Angewiesenheit auf andere, ihrer Bedürftigkeit nach innerer Begleitung und einer Geringschätzung des­sen, was Erziehung zu leisten vermag. / / Gerade im "Europäischen Jahr für Menschen mit Behinderungen" ist es angezeigt, sich mit der Frage von Autonomie und Angewiesensein bei behinderten und chronisch kranken Menschen aus einer psychoanalytisch-pädagogischen Perspektive zu beschäftigen." / Prof. Dr. Bernd Ahrbeck / Bernhard Rauh / / / AUS DEM INHALT: / / Einführung 7 / Bernd Ahrbeck/Bernhard Rauh / Der Traum vom "auto". Ideengeschichtliche Anmerkungen zu einer Vorsilbe 17 / Johannes Bilstein / Autonomie und Minderwertigkeit. Überlegungen zur Polarität von Autonomie / und Angewiesensein aus individualpsychologischer Perspektive 32 / Jochen Schmerfeld / Die Abhängigkeit des behinderten Säuglings von stimulierender Feinfühligkeit. / Einige Anmerkungen über Frühförderung, Beziehungserleben / und "sekundäre Behinderung" 45 / Wilfried Datler / Autonomie vs. Scham und Zweifel? Das Verhältnis von Autonomie und / Abhängigkeit in der Psychoanalyse und in der Bindungstheorie 70 / Rolf Goppel / Akteure der eigenen Entwicklung - mit der Eigenentwicklung in der peergroup / überfordert? 90 / Bernhard Rauh / Alles egal - Autonomie als Abwehr. Fallstudien zur Konfliktgeschichte / nicht beschulbarer Jugendlicher 103 / Thomas von Freyberg und Angelika Wolff / Kümmert euch - mischt euch nicht ein! Autonomiekonflikte in der / Adoleszenz 117 / Regina Konrad / Anerkennung, Missachtung und geistige Behinderung. Sozialphilosophische / Perspektiven auf den so genannten Paradigmawechsel in der Behindertenpädagogik / 127 / Dieter Katzenbach / Wo Heteronomie war, soll Autonomie werden? Geistig Behinderte spiegeln / uns, was es bedeutet, ein verlangendes Subjekt zu sein 145 / Johan de Groef / Unterstützte Sexualität bei geistig behinderten Menschen. Bericht einer / Sexualbegleiterin 156 / Nina de Vries / Selbstbestimmtes Leben und Sexualassistenz - Dienstleistungsangebote / für Erwachsene mit geistiger Behinderung 163 / Karl-Ernst Ackermann / "Unterstützte Sexualität" als autonomer Akt? Kritische Überlegungen / und laienhafte Fragen 175 / Bernd Ahrbeck / Autorenverzeichnis 192
Details
VerfasserInnenangabe: Bernd Ahrbeck ; Bernhard Rauh (Hrsg.).
Jahr: 2004
Verlag: Stuttgart, Kohlhammer
Systematik: PN.T
ISBN: 3-17-018445-8
Beschreibung: 1. Aufl., 192 S. : graph. Darst.
Beteiligte Personen: Ahrbeck, Bernd; Rauh, Bernhard
Sprache: Deutsch
Fußnote: Literaturangaben
Mediengruppe: Buch