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54 von 179
Gewalt und Zivilisation
Erklärungsversuche und Deutungen
Verfasserangabe: Anne-Marie Schlösser; Alf Gerlah (Hg.)
Jahr: 2002
Verlag: Gießen, Psychosozial-Verl.
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Der Band enthält Beiträge zum Phänomen der Gewalt aus psychoanalytischer Sicht: Es geht einmal um die »alte« Gewalt, die schon immer Gegenstand der psychoanalytischen Betrachtung war, nämlich um Gewalt als konstitutivem Bestandteil menschlicher Zivilisation, um offene und verborgene Gewaltaspekte der psychotherapeutischen Beziehung sowie um die sublimierende Verarbeitung von Gewaltimpulsen in der darstellenden Kunst. Die Erfahrung der »neuen« Gewalt im Gewand des Terrors in der jüngsten Vergangenheit wird einer differenzierten Analyse unterzogen. Im öffentlichen Diskurs wird ununterbrochen von Gewalt gesprochen. Sie erscheint als Einbruch in eine eigentlich friedlich-normaleWelt, als Phänomen, das selbst ebenso fasziniert wie seine eigentümliche Unerklärlichkeit. Durch die Terroranschläge am 11. September2001 hat das Thema eine beklemmende Aktualisierung erfahren.Psychoanalytiker haben mit Nachdruck auf die menschliche Aggressivität verwiesen und damit deutlich gemacht, dass Gewaltkonstitutiver Bestandteil menschlicher Zivilisation ist. Nur der kulturell erzwungene Verzicht auf "Inzest, Kannibalismus und Mordlust",wie Freud es 1927 formulierte, scheint in dieser Perspektive Zivilisation zu sichern, führt andererseits aber auch zu einer ständigenunbewussten Rebellion gegen die Unterdrückung dieser Triebwünsche. Gewalt kommt also nicht von außen, als das Fremde undüberraschend Unerklärliche. Eher scheint sie interner, vielleicht sogar unverzichtbarer Bestandteil unserer so sehr auf Fortschrittausgerichteten Zivilisation zu sein. Immer schwieriger wird es, zwischen einem Fortschritt, der von der Lebensnot entlasten könnte,und dessen destruktiven Folgekosten zu unterscheiden. Auch die Frage nach der Eskalation rechtsradikaler Gewalt wirft zugleich dienach einer Zivilisation auf, die dieses Potential hervorbringt und aktualisiert. Unter dem Stichwort "Kultur, Kunst, Sublimierung" finden sich Beiträge zur künstlerischen Verarbeitung von Gewaltphänomenen. Schließlich soll das Augenmerk auf den Berufsstand der Psychoanalytiker selbst gerichtet werden. Hier geht es um offene oderverborgene Manifestationen von Destruktivität in der psychoanalytischen Behandlungssituation und in der psychoanalytischen Ausbildung. / / AUS DEM INHALT: / / / Vorwort 9 / / Die Psychoanalyse im kulturellen Kontext der Gewalt / Winfrid Trimborn / »Ich lasse mich nicht zerstören«. / Zur Dynamik von Gewalt bei narzisstischen Störungen 13 / Benno Winker / Gewalt als Ausdruck missglückter narzisstischer Regulation 33 / Rainer Krause / Affektpsychologische Aspekte menschlicher Destruktivität 47 / Ingrid Baumert / Angst folgt auf Drohungen. Das Unbewusste der Drohungen, / deren Verkleidungen und Auswirkungen 59 / Hildegard Adler / Gewalterfahrung im kollektiv-kulturellen / und im individuellen Gedächtnis 73 / Wulf Hübner / Angst vor Gewalt. Bemerkungen zur Macht der Introjekte 87 / Paul R. Franke / Liegt Sebnitz in Andorra? Gewalt, Spaltung, Projektion / und die kulturelle Macht des Klischees in den Medien 97 / Christoph Biermann / »Das Antlitz des Anderen« (E. Levinas) und das »Wegsehen / dieses Antlitzes des Anderen« als Ursprung von Gewalt. / Klinische Erfahrungen und die Geschichte des Nationalsozialismus 109 / Reimer Hinrichs / Gibt es gesunde Gewalt? 133 / / Sozio-Psychoanalytische Beiträge zu Terrorismus und Krieg / Stavros Mentzos / Die Psychosoziodynamik des Krieges. / Eine Alternativantwort auf die Einstein'sche Frage »Warum Krieg?« 151 / / Vamik D. Volkan / Religiöser Fundamentalismus und Gewalt 165 / Vamik D. Volkan / Nach der Vertreibung. / Eine Flüchtlingsfamilie von innen betrachtet 183 / Micha Hilgers / Das Ringen der Vernunft mit dem totalitären Gewissen. / Die Terroranschläge in den USA als Ausdruck eines durch / massive Affekte radikalisierten Uber-Ichs 213 / / Selbst und Gesellschaft: Explosionen des Kerns / Joachim Küchenhoff / Innere und äußere Gewalt. Der Beitrag der Psychoanalyse / zum Verständnis individueller Gewaltbereitschaft und / Gewaltverarbeitung im gesellschaftlichen Kontext 229 / Sieglinde Eva Tömrnel / Identität und »Deutsch-Sein«. Ein kulturpsychoanalytischer Beitrag / zum Verständnis der neuen rechtsradikalen Gewalt in Deutschland 251 / Jörg Frommer / Ein psychoanalytisches Phasenmodell des Identitätswandels / im vereinten Deutschland 279 / Hans-Dieter König / Zur Faszination rechter Gewalt in den Medien. / Ein psychoanalytischer Beitrag zur qualitativen Erforschung / des Rechtsextremismus 293 / Georg R. Gfaller / Staatliches Gewaltmonopol, Gewaltenteilung, Notwehr und / Unterdrückung der Geschichte von Gewalterfahrungen - / Eine mögliche Ursache für Gewalt gegen »Fremde« durch / marginale Gruppen? 325 / Hans-Jürgen Wirth / Die 68er-Generation und das Problem der Gewalt 355 / Joachim W. Hohl / Zygmunt Bauman und Chnstopher Browning. / Sozio-historische Erklärungsversuche zur nationalsozialistischen / Menschenvernichtung und ihre Konsequenzen / für die Psychoanalyse 383 / / Gudrun Brockhaus / »Kampf-wie eine Erlösung« (Goebbels). / Motive der nationalsozialistischen Erlebmswel 399 / Margit Venner und Uwe Wutzier / Aggressive und kannibalische Triebimpulse im modernen / Gewand der Lebendorgantransplantation 415 / Joachim Grefe / Krankheit - (verleugnete) alltägliche Gewalterfahrung 429 / / Kultur, Kunst, Sublimierung / Ricarda Elgeti / Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los! / Zur Entstehung von Gewalt aus der Kultur 447 / Gerhard Armanski / Der gemeine Unfrieden der Kultur. / Geschichte der Gewalt in Europa 467 / Mathias Hirsch / Die Opferung des Kindes als eine Grundlage / unserer Kultur 481 / Jens Christian / Liebe und (Selbst-)Erkenntms von Gut und Böse als / »Ursünden des Menschen«. Der paranoid-schizoide / Paradies-Mythos der patriarchalen Zivilisation 491 / Niels Beckenbach / Die Stadt Dis / Aspekte einer Topographie der Gewalt / In der okzidentalen Zivilisation 513 / Rudolf Walter / Gewalt und geistige Existenz. / Eine Annäherung an Werk und Lebensgeschichte / des Schriftstellers Thomas Bernhard 539 / / Gewalt in der psychosozialen Entwicklung / Werner Bohleber / Gewalt in der Adoleszenz - Sackgassen in der Entwicklung 557 / Ute Benz / Gewalt in der Pubertät als Konfliktlösung? 573 / / / Inhaltsverzeichnis / / Thomas Auchter / Gewalt als Zeichen von Hoffnung? Zur psychoanalytischen Theorie / der jugendlichen Gewalt bei D. W. Winnicott 595 / / Schlechte Behandlung? Gewalt in der psychoanalytischen Situation / Klaus Grabska / Zur Gewalt der Deutung. / Über Destruktivität in der analytischen Methode 617 / Christoph Klotter / Gewaltimpulse bei Psychoanalytikerinnen / und Psychoanalytikern 637 / / Autorengespräch - Diskussionsforum / Günter Lempa im Gespräch mit Vamik D. Volkan / »Man kann den Menschen nicht befehlen zu trauern, / man muss ihnen helfen, einen Prozess zu beginnen« 657
Details
VerfasserInnenangabe: Anne-Marie Schlösser; Alf Gerlah (Hg.)
Jahr: 2002
Verlag: Gießen, Psychosozial-Verl.
Systematik: PI.HS
ISBN: 3-89806-155-8
Beschreibung: 688 S. : Ill., graph. Darst.
Fußnote: Literaturangaben
Mediengruppe: Buch