Bei zahlreichen psychischen Störungen spielen dysfunktionale verinnerlichte Beziehungserfahrungen eine wichtige Rolle und zeigen sich in der therapeutischen Beziehung. Die Konzepte von Übertragung und Gegenübertragung liefern die Möglichkeit, diese Prozesse genauer zu verstehen und für therapeutische Veränderungsprozesse nutzbar zu machen. Das Buch liefert einen praxisorientierten Überblick über psychotherapeutisches Arbeiten unter Einbezug von Übertragung und Gegenübertragung.
Nach einer Einführung in die Grundgedanken der Konzepte von Übertragung und Gegenübertragung beschreibt der Band, wie sich bei unterschiedlichen psychischen Störungen verinnerlichte Beziehungserfahrungen in der therapeutischen Beziehung zeigen können. Der Band geht darauf ein, wie die Reflexion der Beziehungsmuster erfolgen kann, welche diagnostischen Instrumente für die Erfassung von Beziehungserfahrungen vorliegen, welche behandlungspraktischen Entscheidungen zu treffen sind und wo die Grenzen des beziehungsorientierten Vorgehens liegen. Klinische Entscheidungsprozesse werden zunächst auf drei Ebenen dargestellt – nämlich auf der Ebene des therapeutischen Beziehungsangebots, der Konzeptualisierung sowie der therapeutischen Interventionen –, bevor es um Variationen in der Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung bei unterschiedlichen Störungsbildern, Altersgruppen und psychotherapeutischen Settings sowie um Möglichkeiten der Kombination mit anderen psychotherapeutischen Ansätzen geht. Ein ausführliches Fallbeispiel und Ergebnisse der Psychotherapieforschung schließen den Band ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung......................................................................................................... 9
1.1 Zur Konzeptgeschichte von Übertragung und Gegenübertragung......... 10
1.2 Therapiemethoden jenseits der Verfahrensgrenzen................................ 14
2 Theoretischer Bezugsrahmen....................................................................... 16
2.1 Die drei Ebenen der Beziehung in der Psychotherapie............................. 16
2.2 Beziehungserleben und psychische Gesundheit...................................... 18
2.2.1 Beziehungsvorstellungen als „Bausteine“ der Persönlichkeit................. 18
2.2.2 Merkmale psychischer Gesundheit........................................................... 20
2.2.3 Verinnerlichte Beziehungsmuster und psychische Störungen................ 20
2.3 Übertragung und Gegenübertragung........................................................ 21
2.3.1 Übertragung und „Diagnostik“ impliziten Beziehungserlebens
in der Therapiebeziehung............................................................ 21
2.3.2 Strukturierung versus Offenheit ............................................................... 24
2.3.3 Bereitschaft zur Rollenübernahme........................................................... 25
2.3.4 Ein dreistufiges Modell der Beziehungskompetenz................................. 26
2.3.5 Eigenübertragung und Gegenübertragung............................................... 27
2.4 Beziehungskrisen und Brüche in der Arbeitsbeziehung.......................... 29
2.5 Typische Formen von Übertragung und Gegenübertragung
bei unterschiedlichen psychischen Störungen........................... 30
2.5.1 Übertragung bei narzisstischer Persönlichkeitsstörung.......................... 32
2.5.2 Übertragung bei Borderline-Persönlichkeitsstörung............................... 33
2.5.3 Übertragung bei Depression...................................................................... 34
2.5.4 Übertragung bei Zwangsstörungen und zwanghafter Persönlichkeit ... 35
2.5.5 Übertragung bei Somatischer Belastungsstörung................................... 37
2.5.6 Übertragung bei anderen psychischen Störungen ................................... 38
2.5.7 Besonderheiten in der Übertragung und Gegenübertragung
in der Psychotherapie mit älteren Menschen............................. 39
2.6 Empirische Befunde zu Übertragung und Gegenübertragung................. 40
2.7 Kritische Würdigung der Konzepte........................................................... 46
2.8 Folgerung: Die Therapiebeziehung als Ort der Reflexion
und der Veränderung von internalisierten Beziehungsmustern . 47
3 Indikation und Diagnostik............................................................................ 48
3.1 Zur Indikation für die Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung... 48
3.1.1 Behandlungsmotivation............................................................................ 48
3.1.2 Die Ebene der psychischen Störung......................................................... 50
3.1.3 Folgerung: Arbeit an der Veränderung, wie jemand sich selbst
im Verhältnis zu anderen erlebt............................................................... 52
3.2 Diagnostische Instrumente....................................................................... 52
3.2.1 Zentrales Beziehungskonfliktthema......................................................... 52
3.2.2 Die Beziehungsachse der Operationalisierten Psychodynamischen
Diagnostik........................................................................ 55
3.2.3 Bezüge zu weiteren diagnostischenInstrumenten und Modellen ........... 60
3.2.4 Diagnostische Zugänge zur Gegenübertragung........................................ 61
4 Therapeutisches Vorgehen............................................................................ 63
4.1 Therapeutisches Vorgehen in der Arbeit mit Übertragung
und Gegenübertragung............................................................... 63
4.2 Variationen der Methode.......................................................................... 75
4.2.1 Therapeutisches Vorgehen bei unterschiedlichen psychischen
Störungen.................................................................................... 75
4.2.2 Therapeutisches Vorgehen in der Behandlung von Kindern
und Jugendlichen........................................................................ 78
4.2.3 Übertragung und Gegenübertragung in der stationären
Psychotherapie........................................................................... 79
4.2.4 Übertragung und Gegenübertragung in der Gruppenoder Paartherapie...................................................................... 82
4.3 Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung in manualisierten
Therapien..................................................................................... 84
4.3.1 Übertragungsfokussierte Psychotherapie................................................ 85
4.3.2 Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy......................... 86
4.3.3 Schematherapie......................................................................................... 88
4.4 Umgang mit möglichen Problemen in der Arbeit mit Übertragung
und Gegenübertragung: Kritische Würdigung der Methode..... 88
4.4.1 Differenzialindikation und Transparenz.................................................... 89
4.4.2 Gefahr der Abhängigkeit bzw. Infantilisierung von Patientinnen........... 90
4.4.3 Verknüpfung mit anderen Therapiebausteinen und Bezug
zu unterschiedlichen Veränderungstheorien.......................................... 91
4.4.4 Differenzierbarkeit zwischen Eigenübertragung
und Gegenübertragung............................................................................. 92
4.5 Beendigung der Therapie........................................................................... 93
5 Ergebnisse der Psychotherapieforschung ................................................ 95
5.1 Übertragungsdeutungen........................................................................... 96
5.2 Einbezug der Gegenübertragung............................................................... 99
5.3 Evidenz zur Übertragungsfokussierten Psychotherapie.......................... 101
6 Anwendungsbeispiel...................................................................................... 103
6.1 Vorstellungsanlass und Symptomatik...................................................... 103
6.2 Biografie...................................................................................................... 105
6.3 Diagnostik: Beziehungsdynamische Formulierung................................... 108
6.4 Indikationsstellung für eine Arbeit mit Übertragung
und Gegenübertragung.............................................................................. 110
6.5 Therapieprozess I: Kurzzeittherapie zur Stabilisierung........................... 111
6.6 Therapieprozess II: Durcharbeiten verinnerlichter
Beziehungsmuster in einer Langzeittherapie.......................................... 115
6.7 Therapieprozess III: Das Vorgehen in einer CBASP-Behandlung............. 120
6.7.1 Spezifische diagnostische Informationen................................................. 121
6.7.2 Liste der prägenden Bezugspersonen und Formulierung
von Übertragungshypothesen ................................................................. 121
6.7.3 Interpersonelle Diskriminationsübung...................................................... 124
6.7.4 Kontingente persönliche Reaktion ........................................................... 125
6.8 Fazit............................................................................................................. 127
Literatur............................................................................................................................ 128