Über die Ursprünge des aktuellen Territorialkonflikts auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.
Während in der Ukraine seit dem Frühjahr 2014 um die Region Donbass gekämpft wird und die Krim bereits unter die Kontrolle Russlands geraten ist, existieren 20 Jahre nach dem Zerfall der UdSSR auch in Moldova, Georgien und Aserbaidschan staatsähnliche Gebilde, die international nicht anerkannt sind.
Jan Zofka geht zu den Ursprüngen zweier dieser Konflikte zurück und nimmt die Akteure in den Blick: die pro-russländischen Bewegungen in Transnistrien in Moldova und auf der Krim. In welchen Kontexten entstanden diese Bewegungen? Aus welchen sozialen Gruppen kamen die Beteiligten? Wie funktionierte die Rekrutierung?
Der Vergleich macht trotz gravierender Unterschiede deutlich: Es waren bereits in der Zeit der Sowjetunion bestehende Netzwerke, soziale Machtstrukturen und lokale Institutionen, die die Bewegungen prägten. Das Engagement der Beteiligten hing keineswegs von einer angenommenen kollektiven Zugehörigkeit ab, wie es die verbreitete Deutung der innerstaatlichen Kriege nach 1989 als »ethnische Konflikte« suggeriert.
Ausgezeichnet mit Promotionspreisen der Research Academy Leipzig und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde. (Verlagstext)
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort 9
I. Einleitung 11
1. Ethnische Konflikte? Die Debatte um innerstaatliche Kriege
nach 1989 12
2. Separatistische Bewegungen ? Forschungsgegenstand, Begriffe
und theoretische Zugänge 22
3. Forschungsstand 32
4. Quellen, Auswertung, Darstellung 47
II. Politischer und ökonomischer Kontext 59
1. Soviel Legacies - Sowjetische Verwaltungs- und
Wirtschaftsstrukturen als Voraussetzungen des Separatismus . . 59
2. Ökonomische Bedingungen: Wirtschaftsstrukturen und
postsozialistische Transformation in den Regionen 74
3. Geschichte als Voraussetzung, Geschichte als Argument:
Regionalismus, Geschichtspolitik und konkurrierende
Nationalismen 85
4. Die Politik der neuen Zentren:
Nationalismus und Sprachpolitik in Moldova und Ukraine ... 98
5. Input aus dem Homeland? Unterstützung aus Russland 111
6. Zusammenfassung 137
III. Die Bewegung im Dnjestr-Tal
als konservativer Betriebskorporatismus 139
1. Territorialisierung eines politischen Konflikts -
das moldauische Dnjestr-Tal 1989-1992 139
2. Die Grundzüge der Bewegung:
Mobilisierungsereignisse und Organisationen 146
3. Nationalismus oder konservativer Internationalismus?
Politische Ziele und Mobilisierungsdiskurse zwischen
Sprachpolitik, Wir-Gruppe und Separatismus 156
4. Industriestädte als Hochburgen des Dnjestr-Separatismus:
Rybnica und Tiraspol' 168
5. Umkämpfte Räume: Kleinstädte, Dörfer und die Industriestadt
Bendery 182
6. Die Fabrik als Raum der Mobilisierung: die Bewegung
in den Betrieben 199
7. Zwischen Verflechtung, Bündnis und Rivalität:
Die separatistische Bewegung und die Kommunistische Partei. . 219
8. Kollektivbiographie des Dnjestr-Separatismus:
Bewegungseliten aus Industriebetrieben und Staatsapparat . . . 229
9. Massenbasis aus den Betrieben:
die Kriegsteilnehmer als Gefolgschaft 259
10. Zusammenfassung 278
IV Der pro-russländische Separatismus auf der Krim:
Netzwerke einer politischen Bewegung 281
1. Vom Oblast zur Autonomen Republik:
Aufstieg und Niedergang der pro-russländischen Bewegung ... 281
2. Mobilisierungsereignisse und Bewegungsorganisationen:
von der Unterschriftensammlung zum Wahlsieg 294
3. Ideologie und politische Ziele der Bewegung: zwischen
großrussischem Nationalismus und »Krim-Zentrismus« 302
4. Die Bewegung auf lokaler Ebene: Fehlende Verankerung
in den Machtstrukturen in Stadt, Land und Betrieb 316
5. Sonderfall Sevastopol': Elitenarrangement in der »Stadt
des russischen Ruhms« 337
6. Die Chemie-Industrieregion Krasnoperekopsk
als »Dnjestr-Tal« der Krim 353
7. Kollektivbiographie der Bewegungseliten:
Netzwerke einer politischen Bewegung 362
8. Zusammenfassung 396
V. Fazit 398
1. Ähnlichkeiten in Ideologie und regionalem Kontext 398
2. Soziale Zusammensetzung,
Rekrutierungsorte und Funktionsweise: Ungleiche Akteure . . . 400
3. Geographie der Bewegungen:
Fragmentierte Konfliktlinien und Territorialisierung als Prozess . 405
4. Plädoyer für eine akteurszentrierte Perspektive
auf die innerstaatlichen Territorialkonflikte nach 1989 408
Dank 412
Abkürzungen 414
Quellen- und Literaturverzeichnis 415
Archivmaterial 415
Internetquellen 417
Interviews 418
Zeitungen 419
Literatur 421