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3 von 242
Psychoanalyse des Feuers
VerfasserIn: Bachelard, Gaston
Verfasserangabe: Gaston Bachelard. Dt. von Simon Werle
Jahr: 2007
Verlag: München, Hanser
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Als sich Bachelard 1938 daran macht zu zeigen, wie sich bestimmte archetypische Bilder, die wir vorwissenschaftlich mit Feuer in Verbindung bringen, als Erkenntnishindernisse darstellen lassen, entdeckt er, gleichsam gegen sein eigenes Vorhaben, dass Feuer nicht nur ein epistemologisches Hindernis darstellt: In den poetischen Bildern, die den Grundelementen entspringen, liegt eine eigenständige, andere „Wahrheit“. Die psychoanalytische „Methode“ Bachelards hat mehr Gemeinsamkeiten mit den Theorien Carl Gustav Jungs, als mit jenen Sigmund Freuds: Im Gegensatz zu Freud betont Bachelard (1) die formative Rolle, die das Verhältnis von Mensch zu Materie spielt (nicht: instinktiv-sexuelle Mitmenschlichkeit), (2) den intellektuellen (nicht: sexuellen) Ursprung dieses affektiven Interesses an der Welt und (3) siedelt den Ursprung poetischer Bilder nicht in den Tiefen des Instinkts, sondern in der „Zwischenzone“ (zone intermédiaire), dem Bereich zwischen Unbewusstem und rationalem Bewusstsein, an. Poetische Bilder gehören zur Zone materieller Träumereien, die jeder Kontemplation vorangehen. Begrifflich unterscheidet Bachelard Traum (rêve) von Träumerei (rêverie) insofern, als letztere die poetische Einbildungskraft (Imagination) ausdrückt, die immer ihren Anstoß durch Objekte erfährt. Traum ist dagegen pure Subjektivität (ohne Differenz durch eine Außenwelt): der Nachttraum, ohne Bewusstsein von der Welt. In der Träumerei hingegen ist immer ein Aspekt des Bewusstseins, aktive Gegenwart des Träumers. Dichtung schafft gleichzeitig den Träumer und seine Welt. Die Vorstellung einer materiellen Imagination beeinflusste Jean Paul Sartres „Psychoanalyse der Sachen“ in L’Être et le néant. Die Philosophie übernimmt eine Art Vermittlerrolle zwischen den beiden Zugangsarten zur Wirklichkeit: „Alles was die Philosophie erhoffen kann, ist, Poesie und Wissenschaft zu zwei komplementären Bereichen zu machen, sie wie zwei gut aufeinander abgestimmte Gegensätze zu verbinden.“ - Bachelard demonstriert seine Intention, Poesie und Wissenschaft zu zwei komplementären Bereichen zu machen, in sieben Kapiteln über das Feuer, das wie kein anderes Phänomen Einbildungskraft und wissenschaftliches Interesse entfacht hat. "Das vom Kamin umrahmte Feuer verleitete die Menschen dazu, in Träumerein zu verfallen. Es war für sie zugleich das Symbol für Entspannung und die Einladung zum Ausruhen. Es fällt in der Tat schwer, sich eine Philosopie der Ruhe vorzustellen, ohne daß diese vor loderndem Kaminholz genossen wird. Außerdem: Wer nicht vor dem Kamin in Träumereien verfällt, verpaßt den echt menschlichen, wichtigsten Zweck des Feuers. Das Feuer wärmt und tröstet. Aber den vollen Komfort des Feuers genießt nur, wer das Kinn in die Hände und die Ellbogen auf die Knie liegt. Diese Stellung reicht bis weit in die Vergangenheit zurück. In der Nähe des Feuers nimmt ein Kind sie ganz natürlich ein. Nicht umsonst ist sie die Stellung des Denkers. Sie definiert eine besondere Art der Aufmerksamkeit, die mit Wachsamkeit oder Beobachtung nicht das Geringste zu tun hat. Sehr selten wird sie für irgendeine andere Art der Betrachtung benutzt." (Gaston Bachelard, Die Psychoanalyse des Feuers) "Feuer und Wärme bieten auf verschiedensten Gebieten Ausdrucksformen an, da sie unvergängliche Erinnerungen und einfache und einschneidende persönliche Erfahrungen möglich machen. In diesem Sinne ist das Feuer eine privilegierte Erscheinung, die alles zu erklären vermag. Wenn sich langsame Wandlungsprozesse über das Leben erklären, so gehen schnelle Wandlungen auf das Feuer zurück. Das Feuer ist ultralebendig. Das Feuer ist intim und universal. Es wohnt in unserem Herzen. Es wohnt im Himmel. Es gelangt zu uns aus den Tiefen der Substanz und bietet sich als Liebe an. Es steigt wieder in die Materie hinab und versteckt sich, latent und schlummernd wie Hass und Rache. Unter allen Erscheinungen kann es als einziges so unzweideutig die beiden widersprüchlichen Werte, das Gute und das Böse, enthalten. Es strahlt im Paradies. Es brennt in der Hölle. Es ist Süße und Qual. Es gehört in die Küche und zur Apokalypse. Es erfreut das Kind, das ruhig neben dem Herdfeuer sitzt, gleichzeitig bestraft es den geringsten Ungehorsam, wenn jemand aus zu großer Nähe mit seinen Flammen spielen will. Es ist Wohlstand und Achtung. Es ist ein schrecklicher Schutzgott, ein guter und böser. Es kann sich widersprechen: es ist also eines der alles erklärenden Prinzipien. Ohne diese erste Zuordnung von Werten verstände man weder die Toleranz des Urteils, das die offensichtlichsten Widersprüche akzeptiert noch den Enthusiasmus, der ohne Verifizierung die schmeichelndsten Schimpfworte duldet." (Gaston Bachelard, Die Psychoanalyse des Feuers).
Details
VerfasserIn: Bachelard, Gaston
VerfasserInnenangabe: Gaston Bachelard. Dt. von Simon Werle
Jahr: 2007
Verlag: München, Hanser
Systematik: PI.T
Interessenkreis: Sammlung Duffek
ISBN: 978-3-446-20951-0
2. ISBN: 3-446-20951-4
Beschreibung: 151 S.
Beteiligte Personen: Werle, Simon
Originaltitel: La psychanalyse du feu <dt.>
Mediengruppe: Buch