Wer heute nach Originaltexten zu Raoul Schindlers Rangdynamik sucht, wird kaum fündig, obwohl das Modell in der Forschungsliteratur häufig zitiert wird. Die HerausgeberInnen veröffentlichen erstmalig eine Auswahl von Texten Schindlers, die sie um eine Darstellung seiner Person und seines Wirkens sowie um eine Einbettung in den historischen Kontext der Gruppendynamik in Österreich ergänzen. So wird die Theorie der Rangdynamik in ihrer Differenziertheit nachvollziehbar und die LeserInnen werden zur Weiterentwicklung des Modells eingeladen.
Schindler ist sowohl im Feld der Psychiatrie als auch der Gruppendynamik und -therapie international bekannt. Mit seiner Theorie der Rangdynamik ermöglichte er die dynamische Positionierung von Gruppenmitgliedern sowie die Aufdeckung kritischer Störfaktoren, die das Lebendig-Dynamische in Gruppen behindern und zu Ausgrenzung und Erstarrung führen. Die Erkenntnis, dass Gruppen auch negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand von Individuen haben und gesellschaftliche Prozesse beeinflussen, zeigt, wie unerlässlich eine entwicklungsfördernde Interventionspraxis für GruppenleiterInnen ist.
Inhalt
Zur Orientierung 9
/. Zur Person und ihrem Wirken
im historischen Kontext
1.1 Raoul Schindler: Eine Biografie 15
1.2 Entwicklung der Gruppendynamik in Österreich:
Schindler im Feld 29
1.3 Im Zentrum die Gruppe 49
II. Originaltexte
II. 1 Auftrag und Orientierung:
Bifokale Familientherapie (1952-1956) 55
Bifokale Gruppentherapie bei Schizophrenen 57
Übertragungsbildung und Übertragungsführung
in der Psychotherapie mit Schizophrenen 79
Die Psychohygienische Aufgabe
im Heimkehrerproblem 87
J.L. Moreno durchbricht einen depressiven Stupor 99
11.2 Vernetzung und Experiment:
Rangdynamik (1957-1963) 103
Grundprinzipien der Psychodynamik in der Gruppe 105
Soziodynamik der Krankenstation 113
Der soziodynamische Aspekt
in der »Bifokalen Gruppentherapie« 125
Sinn, Zweck und Aufbau des ÖAGG 137
Das psychodynamische Problem
beim sogenannten schizophrenen Defekt 143
Der Gruppentherapeut und
seine Position in der Gruppe 159
Personalisation der Gruppe 169
11.3 Reform und Gesellschaft: Omega (1966-1978) 183
Familientherapie in offener Gruppe im Rahmen
einer Angehörigenberatungsstelle 185
Erfahrungen mit einem Hausparlament
im psychiatrischen Krankenhaus 193
Was lehrt uns die Gruppenerfahrung
für das Verständnis der Psychodynamik
bei schizophrenen Psychosen? 201
Das Verhältnis von Soziometrie und
Rangordnungsdynamik 213
»Pars pro Toto« als Funktion
in Gruppendynamischer Sicht 221
Krise der Gruppe: Beratung durch die Gruppe 231
Störungen der Selbstfindung in der Gruppe:
Behinderungen und Widerstände 241
Gruppenpsychotherapie an
psychiatrisch-klinischen Stationen oder
vom Kurhaus zur Gegenfamilie 249
11.4 Soziale Vision und Institutionalisierung:
Macht (1986-1993) 259
Macht in der Organisation
psychoanalytischen Wissens 261
Wandel des Gruppenverständnisses anhand
20 Jahre Internationale Trainingsseminare
in Alpbach 275
Zur Optimierung des Chaos 285
Wie viel Krankheit braucht die Psychotherapie? 295
Interventionen in kritischen Situationen 305
11.5 Lehren und Weitergeben:
Vermächtnis (2002-2008) 321
Dynamische Gruppenpsychotherapie
im Prozess der Psychiatriereform 323
Ein Gespräch von Bernhard Dolleschka mit Raoul Schindler
Die Wurzeln der Psychiatriereform 335
Ein Gespräch von Peter Pawlowsky mit Raoul Schindler,
dem Gründer von pro mente
»Mit dem Omega sind wir ja auch heut' zutage
noch nicht gut beisammen!« 341
Anhang
Glossar zur Theorie der Rangdynamik 349
Lebenslauf 355
Werkverzeichnis 359
Herausgeberjnnen 369