Das Richtige tun, wenn es um Leben und Tod geht Irgendwann kommen wir alle in eine Situation, in der wir schwierige Entscheidungen über unsere eigene Gesundheit, die von Angehörigen oder Freunden treffen müssen. Wir müssen dann die richtigen Fragen stellen und Verantwortung übernehmen - ob es sich um den Schlaganfall der Mutter, eine künstliche Befruchtung, den Wunsch eines Kindes nach geschlechtlicher Veränderung, um Organspende oder das Lebensende handelt. Die Medizin heutiger Tage kann unheimlich viel. Sie kann Menschen retten, die früher gestorben wären. Sie kann Pandemien bekämpfen und mit Künstlicher Intelligenz Krankheiten aufspüren, für die es noch nicht einmal Namen gibt. Sie kann uns das Sterben erleichtern und sogar nach dem Tod noch allerhand mit unseren Körpern anfangen. Aber wollen wir das alles? Und vor allem: Sollen wir all das tun, was wir tun könnten?
Dies sind nicht nur gesellschaftliche Fragen. Jede und jeder von uns ist ganz persönlich davon betroffen. Mehrfach im Leben müssen wir schwierige gesundheitliche Entscheidungen treffen - über uns selbst, über unsere Angehörigen. Zuweilen geht es gar um Leben und Tod. Spätestens dann fragen wir uns: Wie kann ich mich bei diesen verwirrenden Fragen orientieren? Und wie kann ich selbst die richtigen Fragen stellen - an die Ärzte und Pflegenden, im Austausch mit dem Partner und mit Angehörigen, an mich selbst? Genau hier setzt dieses Buch an. Es will Ihnen als Leserinnen und Lesern helfen, über diese Fragen nachzudenken, sie zu formulieren und für sich selbst Orientierung zu finden.
Inhalt
Vorwort 11
I. Selbst entscheiden - wieso wir alle
herausgefordert sind 15
Wie wir die Medizin sehen 17 - Wieso braucht es in der Medizin Ethik? 18 - Ärztlicher Paternalismus ist passä 23 -
Selbst bestimmen ist gefragt 24 - Moralismus als Holzweg 26 - Unbehagen, Problem, Dilemma 28 - Wie wir als
klinische Ethiker arbeiten 30 - Zusammenfassung 32
2. Jenseits von Sex - Zeugung und mehr 33
Die Ära der Retortenbabys 34 - Recht auf ein Kind? 35 -
Das Wunschkind 39 - Dr. Mendel 3.0 40 - Letzter Ausweg
Fetozid? 43 - Ausgewählt oder aussortiert? 46 - Embryo:
Zellhaufen oder Mensch? 50 - Zusammenfassung 51
3. Eine schwierige Geburt 52
Geburt und Sterblichkeit 52 - Zwischen Natürlichkeit und
Medikalisierung 53 - Gebären heute und morgen 56 - Ungewissheiten bei Neugeborenen und Säuglingen 58 - Größte
Sorgen um die Kleinsten 61 - Wie Eltern ihre Kinder vertreten 64 -
Zusammenfassung 65
4. Die Sorgen der Sorgeberechtigten 67
Wo endet elterliches Ermessen? 68 - Wenn Kinder allmählich
mitentscheiden können 72 - Was heißt eigentlich einwilli-
gungsfähig? 74 - Sich entwickeln heißt sich verletzlich machen 77 - Unsere Kinder in der Welt der neuen Technologien 78 - Wenn die Sorgeberechtigten selbst zur Sorge werden 82 - Zusammenfassung 84
5. Von Identitäten und Irritationen 86
Was bin ich und wer bin ich? 86 - Identitätssuche und Körper 89 - Identitätssuche und Familienplanung 92 - Familienplanung andersherum: Verhütung und Sterilisierung 94 -
Identität und ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit 100 - Zusammenfassung 102
6. Wenn der Geist verrücktspielt 103
Das 21. Jahrhundert, die Epoche der psychischen Krankheiten? 104 - Psychische Krankheiten: eine Einbahnstraße? 105 -
Wer ist hier eigentlich gestört: Das Individuum oder die Gesellschaft? 107 - Psychiatrie ohne Zwangsjacke? 110 - Psychisch
Kranke: Nur selten Täter, oft Opfer 112 - Auch in der Psychiatrie gibt es Patientenverfügungen 114 - Palliative Psychiatrie 116 - Zusammenfassung 119
7. Wer hat Angst vor künstlicher Intelligenz? 120
Auch die Medizin will künstlich intelligent sein 121 - Kann
sich ein Computer entschuldigen? 125 - Bloß ein Werkzeug
oder ein echtes Gegenüber? 128 - Existenzielle Tiefendimensionen 131 - Und wenn die Ethik selbst künstlich intelligent
wird? 133 - Zusammenfassung 136
8. Corona und mehr - was heißt eigentlich gerecht? 137
Ein neues Zeitalter 140 - Neue Wörter braucht das Land 143 -
Wer nennt mich vulnerabel? 144 - Haarige Haustiere und
nackte Ehemänner 147 - Ideale der Gerechtigkeit 149 - Wir
haben nicht genug für alle 150 - Zusammenfassung 152
9. Die tausend Gesichter des Alters 153
Was heißt heute schon Alter? 153 - Den alten Menschen eine
Stimme geben 155 - Vulnerable Menschen in der Leistungsmedizin 159 - Einen alten Baum verpflanzt man nicht, oder? 160 -
Die schöne neue Welt der Gerontotechnologie 165 - Vielfalt
in der Gemeinschaftseinrichtung: Ein Dilemma? 166 - Das
Schwerste: den mutmaßlichen Willen ergründen 168 - Zusammenfassung 170
10.Wenn der Vorhang fällt 172
Geräte abschalten, auch auf der Intensivstation? 174 - Des Guten zu viel? Übertherapie am Lebensende 176 - Unser Leitfaden
für ethische Gespräche 181 - Das Ende selbst in die Hand nehmen 183 - Schlafen legen, bis Schlafes Bruder kommt? 189 -
Sterbefasten - eine sanftere Form des Suizids? 189 - Zusammenfassung 191
11. Nach dem Tod geht es weiter 192
Ein gutes Herz 193 - Organe verteilen 195 - Zustimmen oder
widersprechen? 197 - Die eigene Identität erzählen 200 -
Von Soldaten und Spermien 203 - Unsterbliche Zellen 204 -
Überleben uns die digitalen Zwillinge? 207 - Zusammenfassung 208
12. Ethikkompetenz für die Medizin von morgen 210
Medizin von morgen? Jedenfalls anders 212 - Klinische Ethik,
ein Beruf mit Zukunft 217 - Gute Entscheidungen treffen 223 -
Eigene Werte bedenken 225 - Nicht zu schnell urteilen 226 -
Eigene Vorurteile erkennen 227 - Zusammenfassung 229
Weiterführende Literatur
Verzeichnis der Fallbeispiele
Verzeichnis der Info-Boxen