(I-25/04-C3) (GMK ZWs / PL) Buchpräsentation in der Hauptbücherei.
Lebenskrisen, emotionale Verletzungen und Phasen der Ineffizienz sind seit jeher Teil des Menschseins. Doch im digitalen Zeitalter zeigt sich eine immer größere Entschlossenheit, derartige Zustände krankhaft zu deuten. Social-Media-Plattformen sind voll mit psychiatrischen Diagnosen. Begriffe wie „Trauma“, „triggern“ und „toxisch“ werden inflationär verwendet. Eigen- und Fremddiagnosen gehen leicht von den Lippen. Wo aber liegt die Grenze zwischen Enttabuisierung und Verherrlichung? Präzise analysiert die Soziologin Laura Wiesböck die Ursachen und Folgen des Trends um „Mental Health“. Ein zeitgemäßes Buch und ein Plädoyer für das Aushalten emotionaler Ambivalenzen.
Laura Wiesböck ist promovierte Soziologin und Publizistin in Wien. Sie forscht zu Formen, Ursachen und Auswirkungen von sozialer Ungleichheit, insbesondere im Bereich Arbeit, Armut und Geschlecht. Für ihre akademische Arbeit wurde sie mit dem Theodor-Körner-Preis, dem Bank Austria Forschungspreis, dem Kurt Rothschild Preis und dem Danubius Young Scientist Award ausgezeichnet. Neben wissenschaftlichen Artikeln publiziert sie regelmäßig in Medien wie Die Zeit, Der Standard oder Die Presse. Darüber hinaus engagiert sie sich für ein gewaltfreies und ökonomisch unabhängiges Leben von Frauen.
Inhalt
Einleitung
Online-Diagnosen zwischen Enttabuisierung, Glamourisierung und Kommerzialisierung
»Sad Girl Culture« und Depressionsromantik
ADHS als Deutungsangebot für ineffizientes Verhalten
Die Vermarktung von psychischen Krankheiten
Die Inflation von psychologischen Begriffen
»Toxisch« als endgültiges Urteil und Ausschlussgrund
»Trauma« und die Anerkennung von Verletzungen
»Triggern« und die Verschiebung der Grenze des Zumutbaren
Erfahrungsexpertise und die fachliche Autorität von Betroffenen
Influencer:innen und die Gefahr der Nachahmung
das Kultivieren eines »krankhaften Blicks«
Illness Appropriation: Pathologisierung als Entlastungsstrategie
Die psychiatrische Einordnung von patriarchaler Männlichkeit
Psychisch kranke Täter
Social Media als Katalysator für schnelle Urteile
Mental Health und Selfcare als Wohlstandsphänomen
Frauen zwischen Konsum und Schönheitsarbeit
Der Aufstieg neoliberaler Spiritualität
»Healing« als fortlaufendes Wachstumsversprechen
Die heilende Kraft von Glaube, Hoffnung und Anpassung
Plädoyer für zwischenmenschliche Ambivalenz und Trost
Gesundheit als Konsumgut und Verhaltenserwartung
Social-Media-Plattformen als Geschäftsmodell
Das Prinzip der Eindeutigkeit als Gefahr für die Demokratie
Gegen die Rationalisierung von Menschlichkeit
Danksagung
Anmerkungen