Eigenverantwortung, Selbstverwirklichung, Streben nach Glück und Erfolg sind Ansprüche, die in der modernen kapitalistischen Gesellschaft wie selbstverständlich von jedem und jeder übernommen werden. Viele Menschen scheitern daran und reagieren mit innerer Leere, mit Depression, Antriebslosigkeit und Suchtverhalten auf ihr vermeintliches "Versagen". So lautet die Analyse des französischen Soziologen Alain Ehrenberg, dessen Buch - 1998 in Frankreich erschienen, 2004 in deutscher Übersetzung - zu einem Bestseller wurde. Inzwischen ein Klassiker, erscheint das Buch in einer Neuausgabe mit einer aktuellen Einleitung des Autors.
"In einer faszinierenden Zusammenführung von quantitativer Sozialforschung, Psychiatriegeschichte und Sozialpsychologie zeigt Ehrenberg, dass die Ausbreitung depressiver Erkrankungen die Folge einer institutionellen Überforderung der Subjekte ist." Axel Honneth
"Ein brillanter Essay über den Zustand des modernen Menschen." Psychologie Heute
Alain Ehrenberg, geb. 1950 in Paris, ist Soziologe und Leiter der Forschungsgruppe "Psychotropes, Politique, Société" (Psychopharmaka, Politik, Gesellschaft) am Centre National de Recherche Scientifique (CNRS), Paris. Mit "Das erschöpfte Selbst" wurde er international bekannt. 2010 folgte sein Buch "La société du malaise", dt. "Das Unbehagen der Gesellschaft" (2011).
REZENSION:"„Das erschöpfte Selbst“ ist in vielerlei Hinsicht eine wertvolle Studie für die Auseinandersetzung mit Depressionserkrankungen. Es beinhaltet zahlreiche Erzählstränge und vereint dabei unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen, so dass die Leserin nicht nur ihren medizin- bzw. sozialhistorischen und soziologischen Blick auf die psychischen (depressiven) Erkrankungen und deren Zusammenhänge mit den jeweils vorherrschenden gesellschaftlichen Strukturen und Subjektvorstellungen schärfen kann, sondern fernerhin die Depression (und die Wirkung unterschiedlicher Antidepressiva) bspw. auch aus einer pharmakologischen Perspektive kennenlernt.
Weil Ehrenbergs Werk „von Anfang an als eine Baustelle angelegt war,“ (S. 9) bietet es auf den unterschiedlichsten Ebenen Denkanstöße und Anknüpfungspunkte für die wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Thema der Depression. Nicht zuletzt aufgrund seiner analytisch scharfsinnigen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Behandlungsmethoden und dem ihnen jeweils zugrunde liegenden Verständnis von Krankheit und Heilung (oder eher Wohlbefinden?) – hier sei auf Freud und Janet verwiesen – ist das besprochene Buch m.E. auch für die Arbeit und den Umgang mit depressiven (aber auch suchtkranken) Menschen äußerst geeignet." socialnet
Inhalt
Jenseits der Depression: Wovon wir reden,
wenn wir von mentaler Gesundheit reden
Zur Neuausgabe 2015 9
Einleitung: Das souveräne Individuum oder die Rückkehr
der Nervosität 25
I. Ein krankes Subjekt
Welche Geschichte der Depression? 41
1 Die Genese des psychischen Wesens 47
2 Elektroschock: Technik, Gemüt und Depression 79
3 Die Vergesellschaftung einer undefinierbaren Krankheit 109
II. Der Niedergang der Neurose
Die Krise der neurotischen Depression und die Veränderung
in der Darstellung des Subjekts 145
4 Die psychologische Front:
Schuld ohne Gesetz 149
5 Die medizinische Front:
Die neuen Wege der Depression 187
III. Das unzulängliche Individuum
Die pathologische Handlung oder: Die zweite Veränderung
im Bild des Subjekts 223
6 Der depressive Defekt 225
7 Das unbestimmte Subjekt der Depression und die
Individualität am Ende des 20. Jahrhunderts 255
Schluss: Die Last des Möglichen 303
Danksagung 308
Literatur 309
Anhang: Vorwort zur deutschen Erstausgabe 2004
von Axel Honneth 337
Verfasser*innenangabe:
Alain Ehrenberg ; aus dem Französischen von Manuela Lenzen und Martin Klaus ; das Vorwort zur Neuausgabe 2015 wurde aus dem Französischen übersetzt von Thomas Laugstien
Jahr:
2015
Verlag:
Frankfurt, M. ; New York, NY, Campus Verlag
Aufsätze:
Zu diesem Aufsatz wechseln
opens in new tab
Systematik:
Suche nach dieser Systematik
PI.HKD
Suche nach diesem Interessenskreis
ISBN:
978-3-593-50110-9
2. ISBN:
3-593-50110-4
Beschreibung:
2., erweiterte Auflage, Neuausgabe, 340 Seiten
Sprache:
Deutsch
Originaltitel:
La Fatigue d'etre soi <dt.>
Fußnote:
Literaturverzeichnis: Seite 309-335
Mediengruppe:
Buch