Der Historiker Thomas Mang zeichnet eine der spektakulärsten Karrieren der Nazizeit nach:
Von einer Unperson entwickelte sich der Südtiroler Karl Ebner in kürzester Zeit zur grauen Eminenz der größten Gestapozentrale des Deutschen Reiches, mitverantwortlich für die Deportation und Ermordung von nahezu 50.000 Jüdinnen und Juden. Wie Eichmann, mit dem er in Wien kooperierte, von der Todesstrafe bedroht, konnte Ebner in einem der aufsehenerregendsten Prozesse der Nachkriegszeit seinen Kopf aus der Schlinge ziehen: Er hatte zur eigenen „Rückversicherung“ Kleriker, Politiker und Künstler vor der Gestapo, also vor sich selbst, gerettet. Zu 20 Jahren Haft verurteilt, aber bald begnadigt, lebte Ebner – wieder als Unperson – bis zu seinem Tod 1983 als Hausverwalter in Wien. (Verlagstext)
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung
Jugend, Studium und nationalsozialistischer Untergrund
Turbulente Studienjahre in einer turbulenten Zeit
Im Polizeidienst: Ebners langer Marsch in die Illegalität
Die Gestapo: Mythos und Realität
Der Mann im schwarzen Ledermantel
„Nonnenfreie" Institution des Terrors
Hochburg der Bürokratie
V-Männer, Spitzel, Denunzianten
Aufstieg im Berufsalltag des Terrors
Ebner und sein Referat des Todes
Die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung"
Ebners „außerordentliche" Leistung
Josef Löwenherz: „Papier zwischen der Schere"
Die Vugesta: Raubverteilungsagentur der Gestapo
Ebner und die Kirche: „Gutpunkte für den Himmel"
Ebners selbst gefertigter Heiligenschein -
Spuren eines Privatlebens
Die Rückversicherung: Überlebenskapitel und Überlebenskapital
Der „Judenreferent" als Judenretter?
Hoher Klerus, hohe Beamte: Hohes Potenzial der Rückversicherung
Der 20. Juli 1944: Fanal des Untergangs
Die Organisation frisst ihre Kinder: Denunziation und Todesurteil
Ebners Kalender: Flucht und Internierung
Der Prozess 1948: Politischer Skandal und Medienspektakel
Erster Verhandlungstag: Ein Staatsanwalt als Verteidiger
Zweiter Verhandlungstag: „Faktum" Schediwy
Hildegard Rock: Ebners „zweites Gehirn"
Aufmarsch der Entlastungszeugen
Dritter Verhandlungstag: Wechsel des Staatsanwalts
Vierter Verhandlungstag: Ebner, der „Januskopf"
Das Urteil
Die Jahre der Bedeutungslosigkeit
Ein „Justizopfer" klagt an
Die Jahre der „mustergültigen Führung"
Ein Gnadenakt als Staatsaktion
„Herr Dokta, i' häng' Ihna auf!"
Kampf um den Titel
Zwei ältere Herren mit Gedächtnislücken
„Durch Sterben aller Schmach sich zu entwinden"
Betrachtung einer Unperson
Anhang
Ein Kämpfer für die falsche Sache: Ebners Mentor Braitenberg
Otto Begus und das Südtiroler Netzwerk
Die geheimnisvolle Karriere des Majors der Fp. 11796 c.
Quellen und Literatur
Abkürzungen
Anmerkungen
Bildnachweis