Es geht um den Versuch einer Erklärung für den „Erfolg“ der Krankheit ADHS. Demnach gerät bei manchen Kindern die Transition von der Familie hin zur Schule zum Problem, wird doch nun eine ungewohnte Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine explizit vorgenommene Wissensvermittlung verlangt. Die Komplexität dieses angesichts der enormen Bedeutung der Schule für den Lebenslauf brisanten psychosozialen Problems wird erfolgreich reduziert durch eine Medikalisierung, zumal diese auch eine handhabbare Problemlösung durch die psychopharmakologische Intervention mit Stimulantien verspricht.
INHALT
1 ADHS - die Kontroverse 9
2 „Der Zappel-Philipp 13
2.1 Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“:
Ein unverwüstlicher Bestseller 15
2.2 Der Autor 21
2.3 „Der Struwwelpeter“: Ein Bestseller 25
2.4 Unartig oder krank? 29
3 Das Erscheinungsbild der
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung 32
3.1 Die DiagnoseADHS 32
3.2 ADHS: Eine „gute“ Diagnose? 35
3.3 Häufigkeit 39
3.4 ADHS im Erwachsenenalter 44
3.5 Komorbidität 46
3.6 Ein Exkurs zur Geschichte der ADHS 48
3.7 Ätiologische Vorstellungen 56
4 Funktionale Analyse und Systemtheorie der Gesellschaft 60
4.1 Die Methode der funktionalen Analyse 60
4.2 Sozialisation und Erziehung 61
4.3 Funktionale Differenzierung 63
5 Die Unaufmerksamkeit des Schulkindes:
Ein komplexes Problem 67
5.1 Bedeutung/Funktion von Aufmerksamkeit 70
5.2 Aufmerksamkeitsprobleme 75
5.3 Unaufmerksamkeit als Problem der modernen Schule 79
5.4 Transition 84
5.5 Fokussierte Aufmerksamkeit als Verzicht 94
5.6 Das Technologiedefizit der Erziehung 95
6 ADHS als Problemlösung 97
6.1 ADHS: Ein komplexes Problemsystem 97
6.2 ADHS und die Gefahr des selbstreferentiellen Zirkels 99
6.3 Psychopharmakologie als Problemlösung 100
6.4 Die Diagnose ADHS als Problemlösung 103
7 Medikalisierung 105
7.1 Die Diagnose ADHS und ihre kommunikativen Folgen 106
7.2 Zum Nutzen der Diagnose ADHS für die vom Problem
Betroffenen 108
7.3 Polykontexturalität 116
Abbildungsverzeichnis 124
Literatur 125