Was ist eine demokratisch engagierte Architektur?
Im Stadtraum wird Politik gemacht: durch Gentrifizierung und Abschottung, durch autoritäre Sicherheitsmaßnahmen und Anpassung an Investment-Interessen. Und es wird Gewinn gemacht: mit Wohnungsnot, mit Betongold, mit urbanem Raum als Kapitalanlage. Neoliberales Regieren und rechtsnationale Kampagnen machen die Stadt zum Ort der Angst und der Verknappung.
Vor diesem Hintergrund erörtert die Autorin, wie stattdessen eine Politik in der Stadt aussehen kann, die an Demokratie und Solidarität orientiert ist: als Bau- und Planungspolitik sowie immer auch als Politik der Konfliktaustragung, als Architekturtätigkeit, die sich kritisch positioniert und Allianzen mit sozialen Bewegungen eingeht. Ein radikaldemokratischer Ansatz zur Architektur ist hier formuliert mit einem prüfenden Blick auf realisierte Utopien des Roten Wien der 1920er Jahre sowie anhand der (Selbst-)Kritik der partizipativen Planung, in Bündnissen mit Bewegungen von unten. Zwischen Theoriebegriff und eingreifender Praxis geht es darum, gerade in einer Krise der Demokratie deren Räume und Spielräume nicht nur zu verteidigen, sondern auszubauen. (Verlagstext)
Inhalt
9 Vorwort
Stadtkonflikte, Demokratiekrisen, PPP
18 Einleitung
Radikale Demokratietheorie
20 Konsens, Postpolitik, Rechtspopulismus
25 Agonismus, Hegemonie und PPP bei Chantal Mouffe
32 Demokratie und Dissens bei Jacques Ranciere
38 POLITIK
43 1. Rates Wien: Einschreibungen und Hegemonie
43 Ein heutiger Sieg des Neoliberalismus, ein historischer Sieg des
Proletariats: Zwei Fassaden-Inschriften
47 Aus Steuerhoheit wird Umverteilungs- und Wohnbaupolitik
51 Standort-Politik und Hausarbeits-Ökonomie
60 2. Kritisches Erben
60 Geschichtspolitik und Lost Futures: Derridas und
Fishers Hantologien
65 Ziegel, Vorraum, Superblock: Ästhetische Kritik des Wohnens
79 Paternalismuskritik: Störungen der Top-down-Planung
87 3, Red Rebel: Stadtpolitische Konfliktfelder und
neue Hegemonien
87 Der Fall Siedler*innenbewegung: eine Alternative in der Alternative
92 Stadtfreundschaft 1 Konfliktfelder heute: Masse, Boden, Migration
101 Neuer Munizipalismus: Zum Sca/e Bending durch Sanctuary Cities
108 PLANUNG
110 4. Krise der Planung: Vom Masterplan zur Anwaltsplanung
110 Planung (in) der neoliberalen Stadt
116 Kritik des Masterplans 1 Ende der Fundamente
119 After the Planners: Anwaltsplanung und ihre Selbstkritik
126 s. Postpolitik, Agonismus, Mangel in der Planung
126 Das Postpolitische an kommunikativer Planung
133 Repolitisierung der Partizipation: Agonismus in der Planung 1
Antagonismus in der Stadt
137 Das Paradox der unbesetzten Stadt und die (ideologische) Rede
vom Mangel
146 6. Radikaldemokratische Konsequenzen 1 Strittige Setzungen
146 Gründung als Setzung, postfundamentalistisch
149 Kontingenz 1 Strittigkeit und Bedingtheit von Planung
154 Setzung, Besetzung, Gesetz: Einrichtung von Öffentlichkeit
164 POPULAR AGENCY
166 7. Verlernen-Lernen in Selbstentfremdung
166 Agency und Dezentrierung der Expert*in
174 Demokratie und Ethik
181 Just Architecture und minimale Politik
186 8. Vermessen Fordern
186 Maß-Halten 1 Wohnen im Existenzminimum
194 Maßstabsfragen, Vermessen des Messgeräts, Nonsolution
205 Anmaßungen 1 Riskante Subjektivierung, Äquivalenzkette,
politischer demand
216 9. Solidarische Infrastruktur und Allianzen neuer Akteur*innen
216 Infrastrukturen popularer Handlungsmacht
220 Urbane soziale Bewegungen 1 Selbstermächtigung im Wohnen
234 Nichtbebauungsplan 1 Allianzbildung im öffentlichen Raum
243 Nachwort
Stadtplanung im Zeichen des Rechtsrucks
256 Bibliografie