Emotionen sind ein zentrales Thema in jeder Psychotherapie, doch die gestalttherapeutische Perspektive auf sie wurde bislang nur unzureichend theoretisch ausgearbeitet. Frank-M. Staemmler bietet in diesem Buch eine fundierte Auseinandersetzung mit der Rolle der Emotionen in der Gestalttherapie. Er stellt eine differenzierte Theorie auf, die den Affekt als Ausgangspunkt für die Entstehung von Gefühlen und Handlungen begreift und die Bedeutung des emotionalen Ausdrucks für zwischenmenschliche Resonanz und Verbundenheit hervorhebt. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigt Staemmler die Relevanz dieser Theorie für die therapeutische Arbeit auf und bietet neue Perspektiven auf die emotionale Entwicklung, den emotionalen Ausdruck und die Verantwortung für Emotionen im therapeutischen Kontext. Das Buch richtet sich an Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Pädagog*innen und stellt wertvolle Anregungen für die psychosoziale Arbeit mit Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und -kontexten bereit.
INHALT
1 Einleitung 9
2 Historischer Rückblick 35
2.1 Emotionen bei Perls 36
2.2 Emotionen bei Autorinnen nach Perls 47
2.2.1 Deutschsprachige Bücher 49
2.2.2 Englischsprachige Bücher 56
2.2.3 Bücher in weiteren Sprachen 63
2.2.4 Deutschsprachige Artikel 64
2.2.5 Englischsprachige Artikel 69
2.2.6 Artikel in weiteren Sprachen 73
2.2.7 Resümee 75
3 Die Person und ihre Situation 77
3.1 Organismus und Umwelt bzw. Welt und Person 78
3.2 Welt und Situation 83
3.3 Leben in Portionen 97
3.4 Die räumliche Dimension:
Das Hier und seine Atmosphären 106
3.5 Die zeitliche Dimension: Das Jetzt und seine Horizonte 120
3.6 Die soziale Dimension 135
3.7 Gemeinsame Situationen 146
4 Der affektive Ursprung der Emotionalität 159
4.1 Situation und Selbst im emotionalen Erleben 161
4.2 Psychophysiologie und leibliches Spüren 172
4.2.1 Psychophysiologie: Körperliche Parameter 174
4.2.2 Körperliche bzw. leibliche Unspezifität von Emotionen 183
4.2.3 Zwei-Faktoren-Theorie und »somatische Marker« 203
4.3 Die Dimension der Erregung 209
4.3.1 Erregungsniveau und die >Tiefe< von Gefühlen 214
4.3.2 Situative Bedingungen und Affektprogramme 232
4.4 Die Dimension der Valenz 239
4.4.1 Präreflexive hedonische Qualitäten 241
4.4.2 Valenzen, Stellungnahmen und Werte 249
4.5 Das »Circumplex-Modell«: Kernaffekte 264
4.5.1 Zwei dominante Dimensionen 267
4.5.2 Gemischte Gefühle 275
4.5.3 Das Gefühl von Lebendigkeit 300
4.5.4 Kernaffekte im Alltag 315
4.5.5 Merkmale des Kernaffekts 324
4.5.6 Der pathische Charakter des Kernaffekts bzw. des Feit Sense 340
4.5.7 Kernaffekt bzw. Feit Sense als Rahmen 350
4.6 Temperament und Vitalitätskonturen 360
4.7 Kernaffekt, Stimmungen und »existenzielle Gefühle« 369
4.7.1 Stimmungen 370
4.7.2 Existenzielle Gefühle 389
5 Psychologische Muster
der emotionalen Entwicklung 393
5.1 Vorläuferemotionen und Entwicklungsmodell 395
5.2 Soziale Interaktion und emotionale Entwicklung 407
5.2.1 Die Erfindung von Bedeutung 410
5.2.2 Der Erwerb von Sprache und Emotionen 419
5.2.3 Individualisierung durch Aneignung von Interaktion 430
5.3 Kritik an einigen traditionellen
gestalttherapeutischen Positionen 448
5.4 Social referencing 478
6 Kategoriale (diskrete) Emotionen 489
6.1 Emotionen als erlernte psychosoziale Prototypen 491
6.2 Kategorien, Familienähnlichkeiten
und die emotionale Realität 501
6.3 >Basale Emotionen< 511
6.4 Emotionale Granularität und Emodiversität 521
6.5 Appraisal: Die Konstruktion von Bedeutung 535
6.6 Merkmale des appraisal 562
6.7 Emotionale Schemata 576
6.8 Die Aktualgenese der Emotion: Vom Kernaffekt
und Feit Sense zur Emotion und deren Regulation606
7 Ausdruck und Mitteilung 631
7.1 »Aus-druck« als problematische Metapher 632
7.2 Die Beobachtung »quasi-physischer« Fakten
und ihre Interpretation 651
7.3 Die Idee der Katharsis 675
7.4 Darbietungs- und Gefühlsregeln,
Habitus und emotionale Dialekte 693
7.5 Vom Ausdruck zur Mitteilung 707
7.5.1 Das Phänomen des Weinens 709
7.5.2 Ausdruck, Darbietung und Mitteilung 727
7.5.3 Die Angemessenheit emotionaler Mitteilungen 757
7.5.4 Emotionale Mitteilungen als Einladungen zur Resonanz 771
8 Verantwortung für die eigenen Emotionen 795
8.1 Um welche Art von Verantwortung geht es? 797
8.1.1 Meinigkeit 798
8.1.2 Die Fähigkeit zu antworten 803
8.1.3 Antworten wählen 806
8.2 Verantwortlichkeiten
für die verschiedenen Komponenten einer Emotion 814
8.2.1 Verantwortung für Kernaffekt und Feit Sense 815
8.2.2 Verantwortung für appraisal und Gefühl 821
8.2.3 Verantwortung für Mitteilungen und Handlungen 829
9 Schlusswort 837
Literatur 839
Verzeichnis der Textboxen 911
Verzeichnis der Illustrationen 915
Namenregister 917
Sachregister 935