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Rhizom
Verfasserangabe: Gilles Deleuze ; Félix Guattari
Jahr: 1977
Verlag: Berlin, Merve-Verl.
Mediengruppe: Buch
nicht verfügbarnicht verfügbar
Exemplare
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Inhalt
(I-20/10-C3) (G ZWs / KL)
"Rhizom - Ausser Botanikern dürfte dieser Begriff wohl nur Kennern dieses Buches etwas sagen. Das dicht unter der Erdoberfläche wuchernde Wurzelwerk von Gräsern, Zwiebeln und Knollen avanciert in diesem kleinen Werk mit großer Wirkungsgeschichte zum Paradigma eines neuen Denkens, das nicht hierarchisch ist, nicht tiefsinnig, nicht dialektisch, sondern schnell, vernetzt, heterogen, aparallel, asymmetrisch, mannigfaltig, vielschichtig - und das "nicht" schnell hinter sich lässt. Wem „neues Denken" zu sehr nach Marketing klingt: „Rhizom" ist ein Pamphlet aus alten Tagen, provozierend, positiv und humorvoll, dabei komplex und auf jeden Fall ernst zu nehmen. Deleuze kann wohl als einer der einflussreichsten französischen Denker angesehen werden, Guattari war Psychoanalytiker und Schüler Lacans.
Das Rhizom dient Deleuze/Guattari als Gegenbild zum „Baum-Modell" der Wissenschaften, in dem Ausdifferenzierungen über binäre Verzweigungen laufen, immer teilt sich eins in zwei, jeder Punkt ist hierarchisch genau bestimmt, ultima ratio ist das Eine, der Stamm [auch Gott, absoluter Geist, Doxa etc]. Damit wird die Differenz der Einheit untergeordnet, die Vielheit wird als abgeleitet verstanden. Das typische „Baum-Verfahren" ist daher die Dialektik, und insofern ist Hegel die deutsche Eiche, die das Autorenteam gerne fällen würde [oder von Termiten befallen sähe, auch eine rhizomatisch organisierte Mannigfaltigkeit].
Bemerkenswert an dieser kleinen Schrift ist nun, dass sie sich an dem Punkt der „Baum-Kritik", die wohl einen Großteil der Philosophiegeschichte betrifft, bei weitem nicht erschöpft, sondern erst dort beginnt und ein positives Gegenmodell entwirft. Deleuze/Guattari geben natürlich zu, dass die mit dem Entwurf eines Modells verbundenen Operationen eigentlich nicht mehr die ihren sind, steht doch ein Modell für etwas anderes [Repräsentation] und dient der Vereinfachung von Komplexem - sie nehmens mit Humor: „Uns ist schon klar, dass wir niemanden überzeugen können, wenn wir nicht wenigstens einige ungefähre Merkmale des Rhizoms aufzählen." Merkmale des Rhizoms sind Konnexion, Heterogenität, Mannigfaltigkeit, asignifikanter Bruch, Kartographie und Abziehbild - sie bilden die Eckpunkte einer Theorie der Vielheiten, die weniger Theorie als Arbeitsanweisung sein will.
Was also ist das Rhizom? Eine Ameisenkolonie, schreiben die Autoren, weil man nie mit ihnen fertig wird, Kafkas Hotel in „Amerika", weil es unzählige gleichwertige Eingänge hat, jedes Buch, wenn man eine Möglichkeit findet, sich an es anzuschliessen - wie an eine Maschine - und etwas zu produzieren, das Kurzzeitgedächtnis, weil es diskontinuierlich, mit dem Prozess des Vergessens verbunden ist und ihm die Einfälle zugehören, der rosarote Panther, weil er die Welt in seiner Farbe anmalt um in ihr zu verschwinden, auch „die schändlichen Liebschaften, die dem Altertum und dem Mittelalter so sehr am Herzen lagen", weil sie die Genealogien durcheinander bringen ... Warum wirkt dieses Buch so verrückt, wozu diese Provokationen? Es ist wie Quantenmechanik mit Fingerpuppen zu erklären, ohne sie zu reduzieren, eine lachende Pädagogik, die sich ihre Leser selbst sucht. Und dennoch: ernstzunehmende Philosophie, allemal im weiteren Verlauf des Werkes, dem der Text entstammt [siehe unten]. Franz Kafka, Henri Miller, Jean-Luc Godard, Pierre Boulez, Heinrich Kleist, Paul Virilio, Ernst Jünger, Marcel Schwob, von Sigmund Freud und Melanie Klein analysierte Kinder, Glenn Gould, Friedrich Nietzsche, der rosarote Panther - sie gehören unter anderem zum Ensemble des hier gespielten Theaters.
Vor allem wer sich in der akademischen Philosophie, Psychoanalyse oder Literaturtheorie auskennt, aber zuweilen etwas entnervt von ihrer Methodik und ihrem Pathos ist, oder von dem Bild, das diese sich gelegentlich von der Welt machen, sollte Rhizom lesen. Das Pamphletartige des Textes hängt mit seiner Stellung zusammen, ist er doch die Einleitung zu dem Hauptwerk von Deleuze/Guattari namens „1000 Plateaus - Kapitalismus und Schizophrenie II", in dem ohne wieder auf das Modell zu rekurrieren, aber unter den Prämissen des Rhizoms gearbeitet wird - dort im Gegensatz zur Einleitung weitläufig, intensiv, und in gewisser Weise auch systematisch."
Details
VerfasserInnenangabe: Gilles Deleuze ; Félix Guattari
Jahr: 1977
Verlag: Berlin, Merve-Verl.
Enthaltene Werke: Über Kapitalismus und Schizophrenie: Gespräch mit Félix Guattari und Gilles Deleuze
Systematik: PI.T, I-20/10
ISBN: 3-920986-83-0
2. ISBN: 978-3-920986-83-8
Beschreibung: 63 S.
Mediengruppe: Buch