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In der Nachfolge des gekreuzigten Nazareners
Aufsätze und Vorträge aus dem Nachlass
VerfasserIn: Käsemann, Ernst
Verfasserangabe: Ernst Käsemann. Hrsg. von Rudolf Landau in Zusammenarbeit mit Wolfgang Kraus
Jahr: 2005
Verlag: Tübingen, Mohr Siebeck
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Ernst Käsemann (* 12. Juli 1906 in Dahlhausen bei Bochum; ¿ 17. Februar 1998 in Tübingen) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe und Neutestamentler. 1925 nahm er sein Studium an der Universität Bonn auf. Die Römerbrief-Vorlesung Erik Petersons hinterließ einen so prägenden Eindruck, dass er 1931 bei Rudolf Bultmann an der Philipps-Universität Marburg über die Kirche als Christusleib promovierte (¿Leib und Leib Christi¿). Schon in der Dissertation war der Ansatz zu seinem besonderen Verständnis der Kirche deutlich, der sich von Bultmann und der dialektischen Theologie deutlich unterschied: Kirche ist etwas anderes als ein religiöser Verein. An der Marburger Universität distanzierte er sich jedoch deutlich von seinen katholisierenden Anfängen und orientierte sich deutlicher an der dialektischen Theologie und den Schriften Luthers. Von 1933 bis 1946 war Käsemann ¿Bergmannspastor¿ der Evangelischen Kirchengemeinde in Gelsenkirchen-Rotthausen. Unter den Schülern Bultmanns war er der einzige, der sich 1933 zunächst den Deutschen Christen anschloss. Er erhoffte sich sozialpolitische Impulse vor allem angesichts der schwierigen Lage der Bergleute, für die er in seiner Pfarrei sorgte. Als er Anfang 1934 gegen die Gleichschaltung der evangelischen Jugendverbände protestierte, wurde er ausgeschlossen und erkannte seinen Irrtum. Das Verhältnis zur Bekennenden Kirche blieb jedoch spannungsreich, aus der westfälischen Bekenntnissynode trat er 1940 aus. Seine Haltung zum Nationalsozialismus wurde immer deutlicher. Am 15. August 1937 predigte er über Jesaja 26, 13: ¿Herr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns denn du, aber wir gedenken doch allein dein und deines Namens.¿ Drei Tage später wurde Käsemann für einige Wochen von der Gestapo in Haft genommen. In der Gefängniszelle schrieb er an seiner Habilitationsschrift ¿Das wandernde Gottesvolk¿ weiter, eine Studie über den Hebräerbrief. 1939 habilitierte sich Käsemann mit dieser Arbeit. Im Juni 1940 wird Käsemann zur Wehrmacht eingezogen und im Februar 1941 wieder entlassen. Ab Februar 1943 kommt er erneut in Griechenland zum Einsatz und nach einer Zeit der Kriegsgefangenschaft kehrt er zu seiner Gemeinde zurück. Zum Sommersemester 1946 berief ihn die von der französischen Militärverwaltung nach über 100 Jahren wiedergegründete Johannes Gutenberg-Universität Mainz an ihre Evangelisch-Theologische Fakultät, wo er ab Oktober des Jahres ordentlicher Professor für Neue Testament wurde. Eine von der westfälischen Kirchenleitung befürwortete Berufung an die Universität Münster schon Ende 1945 war von der britischen Militärverwaltung wegen seiner halbjährigen Zugehörigkeit zu den Deutschen Christen von Juli bis Dezember 1933 nicht bestätigt worden. Bis 1952 blieb er Professor an der Mainzer Universität, danach wechselte er bis 1959 an die Universität Göttingen und wirkte anschließend bis 1971 an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1954 schrieb er den epochalen Aufsatz ¿Das Problem des historischen Jesus¿. Darin hielt er entgegen der Auffassung seines Lehrers Bultmann gesichertes Wissen über Jesus Leben und Botschaft für möglich, wobei er wieder an Ferdinand Christian Baur anschloss (Leben-Jesu-Forschung). Er legte ein doppeltes Differenzkriterium an die synoptische Tradition an: ¿Echt¿ ist ein Jesuslogion, wenn es sich weder aus der jüdischen Umwelt noch aus Leben und Lehre des Urchristentums erklären lässt. Hinzu kamen die Kriterien der Mehrfachbezeugung und der Übereinstimmung (¿Kohärenz¿) mit anderen als echt erwiesenen Jesusworten. Diese Kriterien haben sich in der Jesusforschung durchgesetzt und wurden dreißig Jahre lang ihre dominierende Arbeitsmethode. Darüber hinaus sah Käsemann die jüdische Apokalyptik, in die er Jesu Botschaft einordnete, als prägendes Element der paulinischen Rechtfertigungslehre und ¿Mutter der Theologie des Neuen Testaments¿ an. Insofern war er einer der letzten Neutestamentler, die einen historisch-theologischen Gesamtentwurf präsentieren konnten. 1971 wurde Käsemann emeritiert. 1973 erschien die erste Auflage seines Römerbrief-Kommentars. Käsemanns Tochter Elisabeth Käsemann leistete in den 1970er Jahren Sozialarbeit in mehreren südamerikanischen Ländern. Sie wurde während der Militärdiktatur in Argentinien Anfang März 1977 durch die Militärjunta entführt, in einem konzentrationslagerähnlichen Geheimgefängnis zweieinhalb Monate dauerhaft und schwerstens gefoltert, zigfach vergewaltigt und schließlich am 24. Mai 1977 mit 15 anderen Opfern durch die Militärjunta mit Schüssen aus nächster Nähe ermordet. Käsemann wurde durch die Ignoranz deutscher Behörden, die nichts unternahmen um Haft, Folter und Tod seiner Tochter zu beenden bzw. zu verhindern, in seiner Haltung zur Bundesrepublik schwer erschüttert. Hierzu trug insbesondere das damals von Hans-Dietrich Genscher geleitete Auswärtige Amt bei, welches von Ernst Käsemann selbst und anderen Mitgliedern der evangelischen Kirche mehrfach direkt und mit konkreten Anliegen um Hilfe gebeten wurde. Erst lange nach Ernst Käsemanns Tod wurde der Fall 2011 von der argentinischen Justiz aufgearbeitet und führte zu mehreren Verurteilungen. In der Bundesrepublik erfolgte eine solche Aufarbeitung weder durch die Politik noch durch die Justiz.
Details
VerfasserIn: Käsemann, Ernst
VerfasserInnenangabe: Ernst Käsemann. Hrsg. von Rudolf Landau in Zusammenarbeit mit Wolfgang Kraus
Jahr: 2005
Verlag: Tübingen, Mohr Siebeck
Systematik: PR.CT
ISBN: 3-16-148747-8
Beschreibung: IX, 328 S.
Beteiligte Personen: Landau, Rudolf [Hrsg.]
Mediengruppe: Buch