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Der Klang des Dao
Das Phänomen einer "stillen Musik" in der daoistischen Philosophie sowie ihre Korrespondenzen in der abendländischen Musikästhetik
VerfasserIn: Hopfgartner, Herbert
Verfasserangabe: Herbert Hopfgartner
Jahr: 2008
Verlag: Sankt Augustin, Academia-Verl.
Mediengruppe: Buch
nicht verfügbarnicht verfügbar
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 Vorbestellen Zweigstelle: 07., Urban-Loritz-Pl. 2a Standorte: KM.MC3 Hopf / College 5b - Musik Status: Entliehen Frist: 12.11.2021 Vorbestellungen: 0
Inhalt
"Große Musik ist tonlos." Ein daoistischer Künstler spürt in einer absichtslosen Ich-Leere, befreit von jeglicher Konventionalität und Konformität, die Ursprünglichkeit und Unberührtheit der Natur. Die Stille als Essenz ist in allen Tätigkeiten und Künsten als eine Geistigkeit zu verstehen, die in spezifischen Manifestationen (äußere Ruhe, Schweigen, Bewegungslosigkeit, Gedankenleere) eine tiefe Harmonie zwischen einem menschlichen Mikro- und metaphysischen Makrokosmos zum Ausdruck bringt. Da das Sein aus dem Nichts bzw. der Leere begründet wird, sind in der Form- und Farblosigkeit, der Stille alle Formen, Farben und Klänge enthalten.Der Text über "Das Geistige in der abendländischen Musikkultur" lädt ein zu einer interkulturellen Reflexion und Zusammenschau entsprechender ästhetisch-philosophischer Phänomene, wobei mannigfaltige Ausprägungen einer noetischen Kunstauffassung in den verschiedenen Epochen der europäischen Musikgeschichte angesprochen werden. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die der daoistischen Philosophie verhafteten Kultur sowie ihre Korrespondenzen in der abendländischen Musikgeschichte. Das Buch beginnt im ersten Kapitel mit einer historisch-mythologische Spurensuche, die sich der Stellung der Musik in der chinesischen Gesellschaft widmet. Der Daoismus wird dabei, von volksreligiösen und alchemistischen Tendenzen herausgelöst, als philosophische und ästhetische Denkrichtung betrachtet. Wichtige Phänomene der ostasiatischen Ideenwelt werden - bezogen auf die daoistisch inspirierte Lebenswelt - vorgestellt und analysiert. Der eremitistische Lebensstil eines daoistischen Adepten zeichnet sich durch eine die verschiedenen Künste und Wissenschaften integrierende Mußekultur aus, wobei im zweiten Kapitel der Zusammenhang zwischen Philosophie, Musik, Kalligraphie, Malerei, Lyrik, Gebräuchen und Tischsitten, der Bewegungsmeditation T'ai-Ji-Quan und dem chinesischen "Go"-Spiel (wei qi) als Konglomerat dieser der Gesellschaft abgewandten Ästhetik herausgearbeitet wird.Die daoistische Kunstausübung kann aus europäischer Sicht nicht unter den Aspekten des Werkcharakters bzw. Konzeptionellen verstanden werden; sie ist vielmehr ein zufälliges und "natürliches" Produkt einer spontanen Reflexion der eigenen inneren und unbewussten Wirklichkeit, aus der ohne willkürliche Normen und Vorschriften eigene poetische Kraftreserven freigesetzt werden. Wie der Musiker, so bemühen sich Dichter, Maler und Kalligraph um eine reine Spiegelung einer unberührten Ursprünglichkeit der Natur. Die Stille als Essenz ist somit in allen Tätigkeiten und Künsten dieselbe - eine Geistigkeit, die in spezifischen Manifestationen eine tiefe Harmonie zum Ausdruck bringt.Da das Sein aus dem Nichts bzw. der Leere begründet wird, sind in der Formlosigkeit, der Farblosigkeit, der Stille alle Formen, Farben und Klänge enthalten. (Zweites Kapitel) Das dritte Kapitel ist von den wesentlichen Schriften der daoistischen Musikästhetik geprägt: Entsprechende Texte von Laozi, Liezi, Zhunagzi, Lü Buwei, Liu An, Sima Qian, Tao Yuanming, Lü Yen und Shen Kuo werden - in historischer Reihenfolge angeordnet - miteinander verglichen bzw. auf die Thematik hin interpretiert. Das folgende vierte Kapitel konzentriert und subsumiert die essentiellen und zentralen Elemente dieser Musikphilosophie bzw. Mußekultur. Das umfangreiche fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem "Geistigen in der abendländischen Musikkultur", wobei die unterschiedlichen Ausprägungen einer noetischen Musikauffassung zur Reflexion bzw. Zusammenschau ähnlicher ästhetisch-philosophischer Phänomene einladen: #xpm> Der Vergleich von daoistischem Gedankengut mit hellenistischer Philosophie erscheint deshalb spannend und sinnvoll, da die zeitliche Koinzidenz (Laozi, Pythagoras, Heraklit, Platon..) eine Gegenüberstellung, respektive Zusammenschau geradezu herausfordert. #xpm> Mittelalterliche Spekulationen in Bezug auf eine Verbindung irdischer Musik mit der göttlichen Sphärenmusik befassen sich mit den Ideen einer für die Menschen nicht hörbaren musica mundana bzw. musizierender Engelschöre und münden in einen Exkurs über die Beschreibung der Musik in Dantes "Divina Commedia". #xpm> Als typischer Vertreter der Renaissance erscheint Johannes Kepler, der in seinem Werk "De Harmonices Mundi" die Weltharmonie aus Musikgesetzen bzw. Intervallen ableitet und als Übereinstimmung mit diesen Tonverhältnissen eine entsprechende psychische Disposition des Menschen annimmt. #xpm> Neupythagoreische Vorstellungen, wonach die tatsächlich erklingende Musik (lediglich) als Abbild zahlenmäßiger Ideen und damit seelischer Qualitäten verstanden wird, halten sich über viele Jahrhunderte. Daneben wird zunehmend die Auffassung vertreten, dass der Tonkunst eine sprachähnliche Struktur zugrunde liegt, die - im Gegensatz zur tatsächlich existierenden Wortsprache - zunächst die Schönheit (bzw. das Elementare und Ursprüngliche) der Natur und später das Unsagbare und Unendliche auszudrücken vermag. #xpm> Kontemplation als neue Rezeption von Musik entsteht in dem Prozess einer Säkularisierung der Religion und begründet im 19. Jahrhundert eine zunehmende "Sakralisierung" der Kunst. #xpm> Die Betonung der Stille, bzw. reduktionistische Tendenzen in der Musik des 20. Jahrhunderts können ebenfalls als Phänomene einer Vergeistigung in den modernen Künsten gedeutet werden. Gerade die noetische Musikauffassung des 20. Jahrhunderts ist von einer Psychologisierung geprägt, die die polare Entwicklung einer von physikalischer Empirie nicht mehr fasslichen Welt genauso einschließt wie die musikalische Atomisierung und Determinierung (Dodekaphonie, Serielle Musik). In diesem Kontext ist auch der Exkurs "Sprachliche Verknüpfungen musikalischer Resonanzen" zu sehen, wobei versucht wird, musikalische Ereignisse und Formen abseits einer auditiven Rezeption in Worte bzw. in die Syntax zu bringen. (vgl. auch die Beispiele von Georg Trakl, Paul Celan, Hans Arp, Josef Weinheber, Ingeborg Bachmann, Robert Schneider). Die Beschäftigung mit dem koreanischen Komponisten Isang Yun bildet die Synthese und den Abschluss einer interkulturellen Diskussion. Yun, der seine Musik als direkt "aus dem Geist des Dao" kommend bezeichnet, studierte sowohl in Ostasien als auch Europa Musik bzw. hatte als erster asiatischer Komponist in Europa einen großen Erfolg. Das sechste Kapitel ("Astrologie; Kosmologie und Musik") projiziert die vorangegangenen Überlegungen auf die Folie einer musikalisch-, geometrisch-, mathematisch- und astronomisch-astrologischen Ebene. Die quadrivischen Schwesterwissenschaften der "septem artes liberales" stehen dabei in einem engen esoterischen Zusammenhang mit den "himmlischen" Urprinzipien. Die nächsten Überlegungen gehen der Frage einer Urkraft des Universums und der subatomaren Welt nach, wobei wiederum Vertreter der modernen Physik (insbesondere die der Quantenmechanik und der Relativitätstheorie) eine Brücke zu fernöstlichem Gedankengut aufzubauen imstande sind. Der Absatz über "Das Hören als geistige Erfahrung von Raum und Zeit" leitet zum letzten großen und siebten Kapitel "Musikpädagogik und Kontemplation" über, wobei praktische Umsetzungen von Maria Montessori, Klang-Yoga-Erfahrungen von Jochen Kirchhoff, Dorotée Kreusch-Jacob und Wolfgang Roscher vorgestellt und diskutiert werden. Kreative und künstlerische Aktivitäten, das intuitive Erzeugen von Sprache, Bildern, Klängen und stillen Momenten, die Erfahrung gemeinsam erlernter Bewegungsabfolgen, die erstarrte Zeit im nachdenklichen Spiel und vielleicht auch der bewusste und sensible Umgang mit einer naturnahen Mußekultur als Beispiel eines sozialkommunikativen und ästhetischen Erlebnisses werden als meditative Seins- und Bildungsqualitäten in der Schule vorgestellt. Im Anhang (S. 629 bis 698) folgt eine Besprechung charakteristischer chinesische Schriftzeichen und "daoistisch inspirierte" Bilder sowie abendländische Sphärenmodelle.Das Buch beinhaltet zum einen eine umfangreiche Analyse der daoistischen Kultur, insbesondere der daoistischen Musikästhetik. Zum anderen ergibt sich aus der interdisziplinären, interkulturellen wie historisch-deskriptiven Diskussion die spannende These einer ideellen Form von Musik, die in der abstrakten und vergeistigten Form einer kosmischen Entsprechung einen vielleicht weniger erforschten, dessen ungeachtet aber bemerkenswerten und im kulturellen Dialog wichtigen Aspekt anzusprechen versucht. (Verlagstext)
Details
VerfasserIn: Hopfgartner, Herbert
VerfasserInnenangabe: Herbert Hopfgartner
Jahr: 2008
Verlag: Sankt Augustin, Academia-Verl.
Systematik: KM.MC3
ISBN: 978-3-89665-463-2
2. ISBN: 3-89665-463-2
Beschreibung: 1. Aufl., 721 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache: Deutsch
Mediengruppe: Buch