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Zeitzeugnisse aus Israel

gesammelte Beiträge der Chefredakteurin der "Israel-Nachrichten" ; zum 90. Geburtstag der Autorin
Verfasser*in: Suche nach Verfasser*in Schwarz-Gardos, Alice
Verfasser*innenangabe: Alice Schwarz-Gardos ; heruasgegeben von Erhard Roy Wiehn
Jahr: 2006
Verlag: Konstanz, Hartung-Gorre
Mediengruppe: Buch
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Inhalt

VERLAGSTEXT: / / Aus dem Vorwort des Herausgebers Erhard Roy Wiehn / Hommage für eine außergewöhnliche Journalistin / Zum 90. Geburtstag von Alice Schwarz-Gardos am 31. August 2006 / "Die jüdische Existenz ist seit 2000 Jahren ein großes Trotzdem gewesen - eine der wunderbarsten Errungenschaften im ewigen Kampf des schwachen Menschen gegen ein übermächtiges Schicksal. … der Trotz und der Stolz und das Trotzdem, sie sind geblieben" (20.07.2001, S. 24 im Buch), so beginnt einer der typischen Beiträge von Alice Schwarz-Gardos in den 'Israel Nachrichten', und ihre treffende generelle Feststellung könnte zugleich auch für sie selbst zutreffend sein: / Trotz Verfolgung und Flucht und schwierigen Anfängen im damaligen Erez-Israel / Palästina hat sie sich ein hochspannendes, unglaublich produktives Journalistenleben für andere aufgebaut, redigiert seit 1974 und bis heute in Tel Aviv ihre deutsch-sprachigen 'Israel Nachrichten', und schreibt und schreibt und schreibt… Kein Wunder oder doch: Harry Heinrich Heine war ihr Ur-Ur-Ur-Großcousin (S. 168 im Buch), - Scharfsinn, glasklare Analyse, Einfühlsamkeit und Mitgefühl, Ironie und hintergründiger Witz sind auch ihre Markenzeichen. Wie hinreißend ihre Texte sich lesen, ja fast süchtig machen können, mag am besten der Gang quer durch einige ihrer hier gesammelten Artikel der letzten Jahre aus den 'Israel Nachrichten' im Sinne einer Einstimmung deutlich machen. Aber Vorsicht bitte - bei dieser außergewöhnlichen Journalistin gilt um so mehr die launige Warnung: Lesen gefährdet die Dummheit! / Alice Schwarz-Gardos hatte es selbst als Zeitzeugin erlebt: "Die entscheidende Sitzung des 'Nationalrats' dauerte genau 32 Minuten, und dann war der Judenstaat nach 1878 Jahren wiedergeboren…" (S. 62). Doch "Der 'Unabhängigkeitskrieg' ist mehr als 50 Jahre nach der Staatsgründung noch voll im Gange." (S. 80) Und "Man hätte nicht gedacht, daß viele Jahre nach Kriegsende und dem Untergang des unmenschlichsten aller unmenschlichen judenfeindlichen Regime - auch die Legitimität des jüdischen Staates nochmals zu beweisen sein würde." (S. 25) Wieder einmal. So auch jetzt. Im Sommer 2006. - Denn "Eigentlich hatte sich dieses leidgeprüfte Volk von und in der eigenen Heimat ein Ende des Kampfes erwartet. Es soll anscheinend noch nicht sein." (S. 24) Und "Inzwischen kämpft Israel weiter auf schwerem, aber nicht verlorenem Posten - keineswegs gegen eine Religion, nur gegen Fanatiker mit Exklusiv-Herrscher-Anspruch, die Israel seine Existenz mißgönnen." (30.11. 2001!, S. 45) "Man war schon an Verschiedenes "gewöhnt". Flugzeugentführungen, Überfälle, Intifada, Selbstmordanschläge mit Dutzenden in Stücke gerissener Opfer - eine weitere Steigerung schien schlechthin undenkbar. Doch nichts ist anscheinend so schrecklich, daß es nicht noch schrecklicher - und verwirklicht werden könnte. Man weiß es aus dem Holocaust." (S. 29) / Die ständige Sorge um Israel ist der Rote Faden, der alle wichtigen Artikel der Autorin und Chefredakteurin verbindet: "Im großen und ganzen beginnen sich doch manche Beobachter endlich zu der Erkenntnis durchzuringen, daß Israel nur ein Vorwand für den Terror ist und nicht die Ursache; daß sich der Dschihad auf ganz anderes richtet, nämlich auf die Auslöschung einer Lebensform und Zivilisation, mit der die Terroristen und ihre Hintermänner aus der Dritten Welt nicht zurecht kommen." (S. 36) "Der fundamentalistische Terror bedroht die gesamte Welt." (S. 35) "Was immer weiter geschieht - eines ist klar: Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Auseinandersetzung mit der arabischen, muslimischen Welt sein. Die übrige Welt wünscht sehnlichst, daß dies eine friedliche, kulturbezogene Auseinandersetzung sein möge. Andernfalls wäre die Weltkatastrophe vorprogrammiert." (S. 174) / Also "Daß uns nichts mehr passieren kann? Nichts könnte dümmer und leichtfertiger sein. Es stimmt, daß der Holocaust in dieser Form wie unter Eichmann (Alice Schwarz-Gardos war 1961 Prozeßbeobachterin!) kaum jemals eine Wiederholung erleben wird; aber daß er überhaupt möglich war, ergibt sich aus zwei grundlegenden Voraussetzungen: Daß der Boden für Vorurteile gegen dieses Volk weltweit und jahrtausendelang vorbereitet worden war, weswegen in den meisten Völkern kein ernster Widerstand gegen die Massenvernichtung aufkam, auch wo ein solcher möglich war, und daß eine Massenhetze (Medienhetze) katastrophale Folgen haben kann, die unabsehbar und unaufhaltsam werden können. Ein altes Wort besagt: Nicht jeder, der sich verfolgt fühlt, leidet unter Verfolgungswahn. Hätten mehr Juden in Europa die Gefahr rechtzeitig erkannt, so hätten trotz allen Schwierigkeiten vielleicht Millionen gerettet werden können." (S. 18) / Alice Schwarz-Gardos erinnert als Zeitzeugin zu Recht: "Die Empörung und der Haß sind aber nicht neu, gewiß nicht nur einige Monate alt… Bereits 1929 oder 1936-1938 keimte der gleiche Haß ganz ohne 'israelische Besatzer', Siedler oder Präsident Bush." (S. 37) Und "Immer wieder steht Israel vor dem Dilemma… Wenn auf einen Terrorakt keine Reaktion erfolgt, wird das von den Arabern als Zeichen der Schwäche gedeutet. Erfolgt ein Akt der Notwehr, heißt es, Israel sei kriegslüstern und grausam und provoziere weitere Gewalt. Tut man nichts gegen die Terroristen, so morden sie weiter. Unternimmt die Armee etwas gegen jene Palästinenser, von denen man weiß, daß sie einen großen Überfall planen, dann wird das zum Anlaß für internationalen Tadel und einen neuen palästinensischen Racheakt. Das Begräbnis von toten Terroristen wird zu einer riesigen, beängstigenden Droh-Demonstration in dem betreffenden arabischen Ort. Bis an die Zähne bewaffnete, vermummte Männer marschieren brüllend und Waffen schwenkend durch die Gassen, Haß in den Augen, Schaum auf den Lippen. Nur die Außenwelt, die Israel immer Moral predigt, bekommt es nicht mit." (S. 26) Unglaublich, aber wahr. / "Damit diese Scheininsel der Seligen namens Israel wirklich zu einer solchen wird, muß erst Friede herrschen. Oder wenigstens ein haltbarer Waffenstillstand. Möge das bald der Fall sein! Nach 53 Jahren ist es fürwahr höchste Zeit." (28.04.2003!, S. 64) Denn natürlich: "Man freut sich über kleine Ferien vom Auserwähltsein." (S. 139) Und "Der ungeheure Lebenswille dieses Volkes, die gewaltige Vitalität kommt in der Festfreude zum Ausdruck. Sie hat man sich in allen Zeiten und allen Notlagen irgendwie bewahrt. Niemals ist das schwelende Flämmchen der Hoffnung unter der Asche der Sorgen und Verfolgungen vollständig erstickt." (S. 171) Und "Nichts geht ohne diesen kostbaren Anker, der Israel heißt." (S. 176) Deshalb: "J'accuse! Wir Israelis kämpfen um unser Leben. Unser Staat ist in höchster Gefahr…Und die Welt sieht das nicht! … Wir protestieren! Wir sind verzweifelt, aber wir wehren uns!" (13.08.2001!!!, S. 29) / Auch das ist typisch Alice Schwarz-Gardos: "Die Israelis haben heute so wenig zu lachen und so viel zu schimpfen und zu betrauern. Daher eröffnen wir heute eine neue Rubrik zum nachdenklichen Schmunzeln." (28.05.2004, S. 89) "Israel ist das Land, wo es keine Probleme gibt… Denken Sie etwa, wir leben in einem Land, das so voll ist mit Problemen wie der Schweizerkäse mit Löchern? Irrtum. Hier gibt es keine Probleme. Wenigstens was den Sprachgebrauch betrifft. Auf Schritt und Tritt wird es einem hoch und heilig versichert: Kein Problem! No problem! Ejn Baja!" (S. 102) "Humor ist verdächtig, Witz ist umstürzlerisch, er unterminiert die Selbstgerechtigkeit und das aufgeblasene Selbstbewußtsein der Politiker. Wer sich selbst todernst nimmt, erwartet von den anderen mindestens das gleiche." (S. 170) So im Beitrag über den gar nicht so weit entfernten Großcousin Harry Heinrich Heine. - Was noch? "Die Juden sind ein Volk der Erfinder, daran kann überhaupt kein Zweifel herrschen. Sie sind zwar manchmal unglaublich hilflos, aber dann auch wieder hinreißend genial. Kaum daß der liebe G'tt - gelobt sei Er - sie erfunden hatte, machten sie der obersten Instanz sofort große Konkurrenz. Sie begannen am laufenden Band ihrerseits Sachen zu erfinden. Sie erfanden die Lüge und die Wahrheit, die Untat und die Reue, die Schuld und die Sühne, das Vertrauen und den Verrat, die Ehe und ihren serienmäßigen Bruch, die Frömmigkeit und das Ketzertum. Alles genau im Buch der Bücher nachzulesen." (S. 138) / Somit ist jetzt völlig klar: Humani nihil alienum - Nichts Menschliches ist dieser großen Journalistin fremd, und in ihren ernsten und/oder heiter-hu-morigen Beiträgen geht es um "Aalte Saachen", Deutsch, Hebräisch ("An einigen lief es ab wie Regenwasser am Entengefieder, und davon lebt - neben dem Hang zur Nostalgie - unsere Zeitung" - die 'Israel Nachrichten' (S. 189) und Jiddisch, um Einbrecher und Frauenrechte, um Jerusalem und das Konrad-Adenauer-Zentrum, Kaffeehaus und Kaffeehäuser, Katzen und Hunde, Kibbuzim und Leihbibliotheken, Modeworte und außenpolitische PR-Arbeit, Pünktlichkeit, "Schiputzniks" und Taxifahrer, das Terror-Jahr 2001 und vieles andere mehr, aber nicht zuletzt natürlich auch um die "Jekkes", die Juden aus dem deutschen Sprachraum: / "Wie kaum eine andere Gruppe von Einwanderern haben sie zur Entwicklung des Landes, zur Prägung seines Antlitzes und seiner späteren Gestalt beigetragen. Heute mag vieles von dem, was die Juden aus Deutschland - und später Österreich und der Tschechoslowakei mit ähnlichem Hintergrund und ebenfalls deutscher Muttersprache - ins Land brachten, verwischt und von nachfolgenden Einwanderungswellen überschattet worden sein. Aber vieles ist geblieben." (S. 64) "Es kann gar kein Zweifel daran bestehen, daß diese Jekkes - einst nicht selten verlacht und leise oder sogar laut verspottet - die allerbesten, authentischsten und allernützlichsten Israelis geworden sind." (S. 57) Ejn Baja. / "Wir kommen zu dem Schluß, daß die Zeit und das Alter der Spitzenpersonen es sind, die das Zeitalter bestimmen." (S. 120) Was gewiß auch für Alice Schwarz-Gardos gilt, die ganz zu Recht schreibt: "Wir sind gewohnt, uns als Zeitzeugen zu bezeichnen", denn was sie schreibt und publiziert, sind eben exzellente Zeitzeugnisse von innen: "Wir hoffen, daß Vernunft, Verstand, Einsicht und Witz auch ohne Harry (Heinrich Heine) nicht ganz ausgestorben sind. Wir wissen nur ungefähr, was er schreiben würde, und wir können ihm nicht das Wasser reichen - aber hoffen können wir, daß seine These des Sieges der Vernunft sich eines Tages, wenn schon nicht in seinem Todesjahr, so doch bald bewahrheiten wird." (S. 170) / "Was ist übrigens ein 'Admor'? Das Wort steht als Abkürzung für 'Adonenu, Morenu we-Rabenu', 'unser Herr, Lehrer und Rabbi'. Diesen Titel, der in der Haredi-Welt (Welt der Orthodoxie, ERW) ein ungeheures Prestige mit sich bringt, kann man nicht an einer Universität erwerben. Man wird dazu nicht demokratisch gewählt und kann ihn nicht kaufen. Ein Admor ist im allgemeinen ein Schriftgelehrter, dessen Weisheit von vielen anderen Rabbinern anerkannt wird." (S. 150) Sinngemäß hätte Alice Schwarz-Gardos als Journalistin einen solchen Titel hochverdient. - Anno 1916 in Wien geboren (siehe hier Seite 187/188), lebt Alice Schwarz-Gardos seit 1939 in Erez Israel, hatte 1950 bei der Zeitung "Jediót Hajóm" begonnen, war dann von 1961 bis 1973 bei den "Jediót Chadashót, verantwortet seit 1974 die (1936, also vor 70 Jahren, als "Blumenthals Neueste Nachrichten" gegründeten, später "Jediót Chadashót - Neuste Nachrichten") "Israel Nachrichten", hat mehr als 5.000 Artikel (über 15.000 Seiten) in allen Sparten des Journalismus einschließlich zahlreicher Personenbeschreibungen (Ben Gurion, Heine, Kishon, Ariel Scharon, Stef Wertheimer u.v.a.m.) verfaßt, etwa ein Dutzend Bücher veröffentlicht, ist mit ca. 16.300 (30.07.2006) Eintragungen im Internet (siehe unten) vertreten und hat zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen erhalten und erfahren - eine super-(neudeutsch!)engagierte Journalistin aus Leidenschaft, eine der bedeutendsten Journalistinnen Israels, die älteste Chefredakteurin der Welt: Es ist eine große Ehre und Freude, diese Sammlung ihrer Artikel zum 90. Geburtstag der Autorin herausgeben zu dürfen. Alice Schwarz-Gardos hat sich um Israel, die "Israel Nachrichten", die deutsche Sprache und die deutsch-jüdische Kultur sowie um die israelisch-deutschen Beziehungen hochverdient gemacht: Toda raba, herzlichen Dank, mazal tov und bis 127! / Ihre jüngste, hier dokumentierte dramatische Analyse ist eindeutig und klar genug: "Der Staat der Juden durchlebt derzeit einen der schwersten Kämpfe seit seiner Gründung, obwohl es an solchen nie gefehlt hat. Eigentlich war schon im Unabhängigkeitskrieg seine Existenz bedroht, im Sechs-Tage-Krieg erst recht, vom Jom-Kippur-Krieg ganz zu schweigen. Aber seither hat man doch nicht oft das Gefühl gehabt, daß es ums ganze geht. Bei Israel geht es fast immer darum, aber diesmal merkt man es genau." (28.07.2006, S. 176) / - Was aufgeschrieben, veröffentlicht und in einigen Bibliotheken der Welt aufgehoben ist, wird wohl nicht so schnell vergessen. - 9. Av 5766, 3. August 2006 - zum 31. August 2006

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Verfasser*in: Suche nach Verfasser*in Schwarz-Gardos, Alice
Verfasser*innenangabe: Alice Schwarz-Gardos ; heruasgegeben von Erhard Roy Wiehn
Jahr: 2006
Verlag: Konstanz, Hartung-Gorre
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Systematik: Suche nach dieser Systematik GE.USV
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ISBN: 978-3-86628-096-0
2. ISBN: 3-86628-096-3
Beschreibung: Erste Auflage, 210 Seiten : Illustrationen
Schlagwörter: Geschichte 2001-2006, Israel, Pressestimme, Medinat Jisrael
Beteiligte Personen: Suche nach dieser Beteiligten Person Wiehn, Erhard Roy
Sprache: Deutsch
Mediengruppe: Buch