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Die Würde des Schülers ist unantastbar
vom Alltag in unseren Schulen - und wie wir ihn verändern können
VerfasserIn: Singer, Kurt
Verfasserangabe: Kurt Singer
Jahr: 1998
Verlag: Reinbek bei Hamburg, Rowohlt
Reihe: rororo; 60535
Mediengruppe: Buch
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 Vorbestellen Zweigstelle: 07., Urban-Loritz-Pl. 2a Standorte: PN.AT Sing / College 3e - Pädagogik Status: Verfügbar Frist: Vorbestellungen: 0
Inhalt
Gleichgültigkeit und Konkurrenzterror, Schikanen und Willkür: Der Pädagoge und Psychoanalytiker Kurt Singer zeigt, was Schülern in der Schule von Lehrern ungestraft angetan werden darf. Das Buch will Eltern Mut für konstruktive Auseinandersetzungen machen und Lehrer und Lehrerinnen für ihr eigenes, oft distanzloses Verhalten sensibilisieren.Kurt Singer (* 1929 in München; † 16. September 2009 ebenda) war ein deutscher Pädagoge und Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität München.Seine Themen und Arbeitsgebiete waren eine Lehrerausbildung, die Lehrer als Lernhelfer versteht, eine humane Schule, in der die Würde der Schülerinnen und Schüler unantastbar ist, eine demokratische Schule, in der Zivilcourage gelebt und gefördert wird./ AUS DEM INHALT: / / / Prof. Dr. Kurt Singer - Leitgedanken Die Würde des Schülers ist antastbarFür die achtsame Beziehung zu Kindern und Jugendlichen in der Schule Kinder vor seelischer Verletzung schützenDas Tabu des „Macht-Missbrauchs durch Lehrer“ aufhebenIn der Schule mehr Demokratie wagen 1. Menschenrechte sind auch Kinderrechte – Gewaltfreie Erziehung ist Gesetz – Halten wir es ein? In der Erklärung der Vereinten Nationen heißt es: „Kein Kind darf willkürlichen oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Die Disziplin in der Schule muss in einer Weise gewahrt werden, die der Menschenwürde des Kindes entspricht. Es hat das Recht, seine Meinung in allen es berührenden Angelegenheiten frei zu äußern. Die Erwachsenen berücksichtigen die Meinung des Kindes…” Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Seit 2000 ist gewaltfreie Erziehung Kinderrecht. Es verbietet „körperliche Bestrafung, seelische Verletzung und andere entwürdigende Maßnahmen”. 2. Die Würde des Schülers ist antastbar – Wenn Lehrer Kinder seelisch verletzen, und alle es geschehen lassen Zwar sind es „Einzelfälle”, in denen Schüler gedemütigt, überfordert, bloß gestellt, in ihrem Selbstwertgefühl verletzt werden. Aber unpädagogisches Handeln weniger Lehrer stört das Lernen vieler Kinder. Es wirkt als Krankheitserreger in das Schulsystem hinein. Die großen Schrecken kränkenden Lehrerverhaltens setzen sich in kleinen Schrecken des Schulalltags fort: in der Furcht vor Prüfungen, der Angst zu versagen, sich zu blamieren. – Viele Lehrer bemühen sich, unterrichtlich kompetent und mitfühlfähig auf Schüler einzugehen. Aber selbst sie werden von unpädagogischen Verordnungen gezwungen, Kinder unter Druck zu setzen und deren Individualität zu missachten. Es gilt, das Tabu zu brechen, Schulumstände in Schweigen zu hüllen, durch welche die Würde der Schüler verletzt wird. Eltern, Lehrer und Jugendliche sollten mit Zivilcourage für demokratische Verhältnisse eintreten. 3. „Gewalt in der Schule“ – nur von Kindern und Jugendlichen? – Das Tabu des Macht-Missbrauchs durch „Einzelfälle“ von Lehrerinnen und Lehrern Wenn über „Gewalt in der Schule“ gesprochen wird, denkt man in der Regel an Gewalt, die von Schülern ausgeht. Das überrascht; denn Schüler geben an: Sie seien öfter verletzendem Lehrerverhalten ausgesetzt als Angriffen von Mitschülern. Dass Lehrergewalt mindestens so häufig vorkommt wie Schülergewalt, zeigt sich in wissenschaftlichen Untersuchungen. Auch Erwachsene erzählen weniger von gewalttätigen Mitschülern, als von macht-behauptenden Lehrern, unter denen sie litten. Noch nach Jahren oder Jahrzehnten erinnern sie mit Unbehagen, Angst oder Wut kränkende Vorfälle, bei denen sie gedemütigt wurden. Manche fühlen sich durch die Gewalt des Macht-Missbrauchs dauerhaft beschädigt. Viele Erwachsene kennen verletzendes Lehrerverhalten, aber in aktuellen Situationen ihrer Kinder schweigen sie dazu. Das Tabu über dem Macht-Missbrauch von Lehrern scheint unüberwindbar. Das hängt auch damit zusammen, dass in die Schule kaum ein Hauch von Demokratie eingedrungen ist. 4. Verächtlich machende Lehrer-Sprache: Worte können töten – Sie können seelisch und psychosomatisch verletzen Es schädigt Kinder in ihrem Selbstwert, wenn sie beleidigt, gekränkt, entwertet werden. Oft fühlen sie sich bei herabsetzendem Lehrerverhalten selbst schuld; sie dürfen nicht merken, was ihnen angetan wird. In Einzelfällen sind sie Opfer einer Pädagogik der Unterwerfung, die sich in Gewalt durch verächtlich machende Worte und Zensuren-Willkür äußert. Erniedrigende Lehrersprache kann „Gift” sein, das psychisch und psychosomatisch verletzt. Worte können töten: das Selbstwertgefühl, die Lernfreude, die pädagogische Beziehung, den Mut – aber auch in der wirklichen Bedeutung des Wortes. 5. Achtsame Beziehung durch das aufrichtende Wort – Persönliche Anerkennung und Lernerfolg stärken das Selbstvertrauen der Jugendlichen Das ”gute Wort” macht Schülern bewusst: Wir sind im Lernen vorangekommen und werden als Person akzeptiert. Von Lehrern wahr-genommen zu werden, stärkt ihren Glauben an sich selbst: ihr Selbstbild. Das Selbstwertgefühl ist Voraussetzung erfolgreichen Lernens. Lehrer und Lehrerinnen sollten Schüler anerkennen: genau hinsehen, das Kind nicht nur als Schüler, sondern als ganzen Menschen erkennen. Ermutigende Wort beflügeln und machen zuversichtlich; sie wirken oft lange nach. Bei Lehrern, die Mut machen, können Kinder gut lernen. Es ist Aufgabe von Lehrern, den Kindern zu Erfolg zu verhelfen – und zwar allen Schülern, auch den Schwachen, entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten. 6. Klagen der Schüler über entwürdigendes Lehrerverhalten –Verletzung der Persönlichkeitsrechte:Angst machen, demütigen, überfordern Kinder und Jugendliche klagen weniger über die Schule an sich. Sie klagen über Lehrer, die ihnen das Lernen und Leben schwer machen. Diese „Einzelfälle” stellen Kinder bloß, lachen sie aus, lassen sie an Prüfungsfragen hängen, bedrohen und disziplinieren sie mit schlechten Zensuren. Sie lesen ohne Einverständnis der Jugendlichen missglückte Arbeiten vor, blamieren Kinder, erniedrigen sie durch Kritik an ihrem Aussehen, rufen die Schüler auch dann auf, wenn diese sich nicht zu Wort melden. Oft sagen Jugendliche, sie würden „fertig gemacht“. Gefürchtete Lehrer erschrecken Kinder mit unangesagten Proben, kreiden ihnen Fehler an und sehen nicht, was geglückt ist. Sie lassen nicht mit sich reden, verweigern den Schülern mitzubestimmen, stellen überhöhte Leistungsanforderungen ohne individuell Rücksicht zu nehmen. Sie helfen ihnen nicht, wenn sie sich schwer tun. „Angst machen“ ist so weit verbreitet, dass es einen eigenen Begriff dafür gibt: Schulangst. Jemand Angst einjagen ist seelische Gewalt. 7. Würdevoller Umgang mit Schulkindern: Unterrichten, eine ”helfende Beziehung” – Lehrer-Autorität als Vorbild Freundlicher Kontakt zwischen Lehrern und Schülern zählt zu den Grundlagen des Lernens. Der menschliche Bezug festigt in Kindern den Lernwillen und verhilft zu Arbeitszufriedenheit. Unterricht wird nicht nur vom Lerninhalt bestimmt, sondern auch durch die pädagogische Beziehung. Schüler strengen sich mehr an, wenn sie ein persönliches Interesse des Lehrers spüren und wenn sie ihre Lehrer als Autorität anerkennen. Der Respekt der Schüler gegenüber den Lehrenden beruht auf deren menschlichen und intellektuellen Qualitäten. Die Lehrer-Autorität drückt sich darin aus, dass der Lehrer sein Fach überzeugend vertritt, lebendig unterrichtet, als Person beziehungsfähig und moralisches Vorbild ist. 8. Die Schüler achtungsvoll behandeln durch pädagogischen Takt – Lernklima der Rücksichtnahme: Vom Unterrichtsfach „Ethik“ zu „angewandter Ethik“ Taktvoll miteinander umzugehen beruht auf der Achtung vor der Würde des Menschen. Die ungleiche Situation zwischen Kindern und Erwachsenen erfordert, sich in Kinder einzudenken, Rücksicht vorzuleben und die Schüler zu Rücksicht anzuleiten. Bei Lehrern mit pädagogischem Takt können Kinder sicher sein, nie bloßgestellt, nicht unvorhergesehen aufgerufen zu werden, sondern nur, wenn sie sich melden. Schüler werden nicht ausgelacht und beschämt, Zensuren nicht vor anderen bekannt gegeben. Taktvolle Lehrerinnen bemängeln Fehler nicht öffentlich; sie korrigieren behutsam, um die Schülerarbeit nicht zu entwerten. Fehler-Freundlichkeit ist Unterrichtsprinzip: Aus Fehlern lernen, statt Kinder damit zu verurteilen. Taktvolle Lehrer vermeiden es, geistige und körperliche Schwächen von Jugendlichen aufzuzeigen, Kinder durch Ironie oder mit Schimpf- und Spottnamen zu erniedrigen. Durch pädagogischen Takt sind Lehrerinnen und Lehrer Vorbilder für das taktvolle Verhalten, zu dem sie die Schüler erziehen wollen. Schülerinnen und Schüler brauchen nicht nur Ethikunterricht, sondern „angewandte Ethik“ im Schulalltag. 9. Angst mildern durch lernpsychologisch begründetes Prüfen – Die Schüler vor Misserfolg bewahren Besonders verbreitet ist Prüfungsangst. Aber übermäßige Angst macht dumm, krank, unkonzentriert, anpassungsbereit und schweigsam. Es gehört zur helfenden Lehrer-Schüler-Beziehung, Angst zu vermindern. Zum Beispiel durch lernpsychologisch begründetes Prüfen: Die Schüler wissen genau, was drankommt, wirken mit beim Erstellen von Fragen, bekommen ausreichend Zeit, um sich vorzubereiten, üben in Vorversuchen die Leistungsprüfung ein, lernen Methoden geistigen Arbeitens, dürfen Hilfsmittel verwenden. Sie erhalten die Prüfungsarbeiten rasch und taktvoll zurück, werden gut informiert über Erfolg und Misserfolg, bekommen Hilfen für das weitere Lernen. Lernpsychologisch sinnvoll ist es, missglückte Prüfungen wiederholen und nicht die Kinder auf ihrem Misserfolg sitzen zu lassen. 10. Eine humane Schule ist die beste Leistungsschule – Entmutigendes Lehrerverhalten behindert die Lern-Entwicklung Entmutigende Erfahrungen durch Misserfolg, Überforderung, persönliche Herabsetzung, Übersehen-Werden, schränken für Kinder das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ein, manchmal sogar das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Unpädagogisches Lehrerhandeln zerstört in den Schülern Lernfreude, Fragelust und Lernwillen; es raubt ihnen Interesse, Vertrauen und Selbstvertrauen, die Lust am Denken und Erfinden, Spontaneität und Selbstwertgefühl. Es nimmt ihnen Hoffnung auf Erfolg und enttäuscht sie in ihrem Wunsch nach guter Beziehung. Destruktives Lehrerverhalten kann Kinder seelisch und körperlich krank machen. Deshalb sollten wir das Lernen in der Schule daraufhin prüfen, ob es Humanität befördert. Eine humane Schule ist die beste Leistungsschule, mehr Menschlichkeit im Unterricht stärkt die Leistungstüchtigkeit. 11. Eltern und Lehrerkollegen sollten den Kindern bei Angst vor Lehrern beistehen – Sich mit pädagogischer Vernunft und menschlicher Anteilnahme einmischen Eltern und Lehrerkollegen sollten Unrecht benennen und Verantwortung für die Kinder übernehmen. Das ermöglicht es jenen Lehrern, die ihre Macht missbrauchen, ihr Verhalten zu überdenken. Konflikte und Widersprüche sollten öffentlich gemacht und gemeinschaftliche Formen des Umgangs mit Konflikten ermöglicht werden. Mit der Befürchtung ”Wenn wir Lehrer kritisieren, muss es das Kind büßen”, flüchten Eltern in eine Haltung der Ohnmacht. Die Kinder büßen vielmehr, dass Mütter und Väter zu Unrecht schweigen. Eltern sollten Fürsprache für Kinder wagen. Wenn sie pädagogisches Unvermögen offen benennen, tragen sie dazu bei, es zu überwinden. Weil Lehrerschicksale zu Schülerschicksalen werden, gilt es die Kinder vor ungeeigneten Lehrerpersönlichkeiten zu schützen und diese selbst vor ihrem psychisch verletzenden Handeln zu bewahren. Nicht nur der psychisch gestörte Lehrer macht sich schuldig, sondern auch seine Umgebung; denn sie verhindert das schülerfeindliche Verhalten nicht. 12. Gegen kränkendes Lehrerverhalten protestieren – Eltern, Lehrer und Schüler können Wege der Konfliktbearbeitung beschreiten Alle Beteiligten sollten das Tabu brechen, den Macht-Missbrauch in Schweigen zu hüllen, den „Einzelfälle“ gegenüber wehrlosen Kindern ausüben. Genau hinsehen, statt wegzuschauen. Den Kindern zuhören; sie ernst nehmen, wenn sie über entwürdigende Vorkommnisse berichten, diese schriftlich festhalten. Mit anderen Schülereltern über deren Beobachtungen sprechen; sich solidarisieren. Elterngespräche mit dem schwierigen Lehrer. Die Not des Kindes erkennen lassen, Lehrer nicht vorschnell schuldig sprechen. Die Lehrer-Sicht anhören, auf den Rechten des Schülers bestehen. Gespräch der Eltern mit der Klassenlehrerin, dem Vertrauenslehrer, mit aufgeschlossenen Lehrern des Kollegiums. Die verletzende Situation aufzeigen, schul-öffentlich machen, um Mithilfe bitten. Gespräche mit der Schulleitung auf Grundlage genauer Informationen und Notizen über taktloses, demütigendes, überforderndes oder unterdrückendes Lehrerverhalten; Vorschläge formulieren. Gespräche von Lehrerkollegen mit dem unpädagogisch handelnden Lehrer: einzeln oder in kleiner Gruppe den Konflikt klären, Hilfsangebote machen, dem kränkenden Lehrer Grenzen setzen. Gespräche mit Schulpsychologen, Beratungslehrern: Wie können sich diese für die Schüler einsetzen? Gespräch in der Lehrerkonferenz: ein Bündnis anstreben im Interesse von Schule und Schülern. Konflikt-bearbeitende Gespräche der Schüler mit dem schwierigen Lehrer, zusammen mit einem vermittelnden Lehrer. Den Schülern zuhören, Vorschläge erarbeiten, deren Verwirklichung verfolgen. Diskussion im Elternbeirat. Gespräche von Elternvertretern mit dem Lehrer, Klassenlehrer, der Schulleitung. Zusammenarbeit mit Schülern und Schülervertretern. Vom Kinderarzt psychosomatische Störungen bestätigen lassen, ihn um Engagement bitten, ebenso Psychotherapeutinnen für Kinder und Jugendliche. Antrag auf Umschulung: dem durch den gestörten Lehrer gestörten Kind bei einer anderen Lehrerin einen Neu-Anfang ermöglichen. Vorsprache bei Schulrat und Schulbehörden, eine Dokumentation erarbeiten über Vorfälle, die gegen die Würde des Kindes verstoßen. Öffentlichkeit herstellen durch Presse und andere Medien. Dienstaufsichtsbeschwerde, gestützt auf Unterrichtsgesetz, Schulordnung, Beamtenrecht ,Verfassung. Das Petitionsrecht nützen: sich schriftlich mit Bitten und Beschwerden an Abgeordnete wenden. Gerichtliches Vorgehen bei Verstößen gegen das Grundgesetz, gegen die Persönlichkeitsrechte der Schüler und die Kinderkonvention der Vereinten Nationen. ...
Details
VerfasserIn: Singer, Kurt
VerfasserInnenangabe: Kurt Singer
Jahr: 1998
Verlag: Reinbek bei Hamburg, Rowohlt
Systematik: PN.AT
ISBN: 3-499-60535-X
Beschreibung: Orig.-Ausg., 252 S.
Reihe: rororo; 60535
Sprache: Deutsch
Fußnote: Literaturverz. S. 246 - 249
Mediengruppe: Buch