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Adultismus

die Macht der Erwachsenen über die Kinder : eine kritische Einführung
Verfasser*in: Suche nach Verfasser*in Liebel, Manfred ; Meade, Philip
Verfasser*innenangabe: Manfred Liebel ; Philip Meade
Jahr: 2023
Verlag: Berlin, Bertz+ Fischer
Mediengruppe: Buch
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Inhalt

Rassismus und Sexismus sind als Herrschaftsverhältnisse und Formen der Diskriminierung ebenso allgegenwärtig wie (formal) geächtet. Wie aber verhält es sich mit der kaum thematisierten Macht, der junge Menschen unterworfen sind? Kinder und Jugendliche erleben Adultismus auf vielfältige Weise: als Geringschätzung, Missachtung, Entwürdigung, Entwertung, Unterstellung, Stigmatisierung, Vereinnahmung, Überwältigung, Fremdbestimmung, Unterwerfung, Benachteiligung oder Bestrafung. Bei manchen führt Adultismus zu Unsicherheit und Selbstentwertung, bei anderen zu Frustration und Widerstand. Wiederum andere resignieren, verstummen oder geben den erlebten Schmerz an Schwächere weiter. Adultismus versteckt sich häufig sogar hinter Handlungen und Maßnahmen, die vorgeben, dem Schutz junger Menschen zu dienen. Er ist in fast allen Gesellschaften so alltäglich, dass er selten als Problem wahrgenommen wird. Auch in den Wissenschaften ist er bisher kaum untersucht worden. Die Autoren blicken auf Adultismus als Diskriminierungsachse, aber auch als strukturelles Machtverhältnis, das sich etwa in Institutionen, Raumgestaltung oder Politik eingebrannt hat. Sie zeigen mit vielen Beispielen, in welchen Formen er auftritt und das Zusammenleben zwischen jungen und älteren Menschen beeinflusst. Sie erklären, wie er zustande kommt und sich immer wieder erneuert. Sie zeigen aber auch Wege auf, wie ihm der Boden entzogen werden kann, durch Erwachsene ebenso wie durch Kinder und Jugendliche selbst, im Privaten und Beruflichen wie im Politischen. Die Autoren verstehen ihr Buch als eine Anregung zum Handeln, für eine Gesellschaft, in der nicht länger Mächtige über Ohnmächtige herrschen, in der junge Menschen und zukünftige Generationen zu ihrem Recht kommen.
 
REZENSION:"Diskussion - Es lohnt sich, dieses Buch in aller Ruhe und mit viel Muße zu lesen. Es fasst zwar viele Aufsätze und Thesen der beiden Autoren zusammen, die über viele Jahre vorgelegt wurden. Es verbindet diese aber in einer nachvollziehbaren und überzeugenden Theorie, die vielfach empirisch unterlegt wird.
Es ist zum einen normativ und legt mitunter moralisierend die Finger in Wunden des Adultismus, über die an vielen Stellen schon beachtliches erörtert wurde. Dennoch wird mit diesem Buch zum ersten Mal Adultismus mit einer klaren und dichten Konsequenz und einem deutlich herausgearbeiteten inneren Zusammenhang, was man sich von einer Theorie erhofft, in seinen Ursachen und Wurzeln, seinen gesellschaftlichen Bedeutungen, Wirkungen und Rückwirkungen, ausgebreitet. Gezeigt wird, wie dieser ein gewichtiger Aspekt intersektionaler Verflechtungen von Machtstrukturen, Abhängigkeiten, Dominanzen, Diskriminierungen und Ausgrenzungen in modernen und vor allem westlichem Gesellschaften ist.
Das Buch ist aber auch euphorisch, da es zeigt bzw. postuliert und fordert, dass Kinder und junge Erwachsene sehr wohl eigenständige Subjekte und Akteur*innen ihres Lebens sein können, die über uneingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe wesentliche und wichtige Mitglieder von Gesellschaften werden können und Kinder den Erwachsenen gleichgestellt werden müssen. Das Erziehungsverhältnis, aber auch die Kontexte von Kinder- und Jugendhilfe, müssen vor diesem Hintergrund völlig neu strukturiert werden.
Dabei orientieren sich die Autoren immer wieder an Kindheitsvorstellungen und Praxen aus anderen Kulturen, insbesondere auch indigenen Kulturen. Das macht Sinn und bringt eine immense Erweiterung der Perspektiven. Doch darin liegt mitunter auch etwas Idealistisches.
Doch das sei den Autoren gestattet, im Gegenteil, es ist sogar erforderlich, da dies aufregende und wichtige Themen, Narrative und Bilder herstellt, die aus der Vergangenheit, von anderen Orten und aus völlig verschiedenen Kontexten kommend in eine Zukunft verweisen, in der wir noch nicht waren, aber hinkommen können. Sie ermöglicht vielleicht so etwas wie ein „gutes Leben“, in der Kinder tatsächlich Protagonisten ihres eigenen Lebens werden, eben Wesen für sich selbst und andere, die somit aber eigenständige Subjekte sind und den Erwachsenen gleichgestellt werden.
Der darin zum Ausdruck gebrachte utopische Charakter hebt das Buch, trotz seiner Wissenschaftlichkeit, über eine sogenannte und fragwürdige Objektivität hinaus und verleiht ihm eine wichtige normative und utopische Komponente. Gegen die hegemoniale Universalität westlichen Denkens wird der Ansatz eines pluriversalen Denkens gesetzt. Dabei gelingt es den Autoren auch, nicht in die Falle der kulturellen Aneignung zu geraten, sondern die Anlehnungen reflexiv in die Realitäten unserer westlichen Gesellschaft eizubinden und somit deren Diskussionen weiter zu entwickeln.
Um die Diskussion, die noch intensiver und länger geführt werden könnte, abzuschließen, sei noch auf zwei Thesen verwiesen, die das Buch zum Ausdruck bringt und die in die Diskurse der Kindheitspädagogik und der Erziehungswissenschaften allmählich Eingang finden und mit diesem Band intensiviert werden können. Diese Thesen sind: Die Auseinandersetzung mit der zu „beschützenden Kindheit“, die sich in westlichen Gesellschaften herausgebildet hat, kann und darf nicht essenzialisiert werden, sie ist nur ein Spezialfall von Kindheitsvorstellungen, die wir in Vergangenheit und Gegenwart menschlicher Kulturen finden. Von entscheidender Bedeutung ist, wer spricht eigentlich für wen. Noch immer sind es Erwachsene, so auch in diesem Buch, die über und für Kinder und junge Menschen sprechen. Es ist an der Zeit, diese stärker als Sprecher*innen für ihre eigenen Belange zu verstehen. Sie tun es, so in Kinderbewegungen, nur müssen wir es endlich hören und verstehen. Letztlich sei noch eine Kritik platziert. Der Rezensent kann vieles nachvollziehen, insbesondere auch die These zum kindlichen Protagonismus. Dennoch sollte auch festgehalten werden, und das kommt im Buch etwas zu kurz, dass es Bereiche gibt, in denen Kinder tatsächlich geschützt werden müssen bzw. Erwachsene Bedingungen und Strukturen aufrichten müssen, damit insbesondere Benachteiligte die gleichen Chancen haben. Die Debatten um die Kindergrundsicherung haben dies gerade erst aufgezeigt. Das Buch macht wach und richtet den Fokus auf das, was in Sonntagsreden immer besungen wird: das gute Leben der Kinder.
Fazit - Die Autoren legen eigentlich ein Grundlagenwerk vor. Es ist nämlich ein für die Beschäftigung mit Kindheiten sehr wichtiges und wegweisendes Buch, das sicherlich eine große Nachhaltigkeit in den weiteren Diskursen erlangen kann. Den Autoren ist eine Arbeit gelungen, die eine „Dichte Beschreibung“ darstellt. Das Buch liefert viele Ansätze bzw. erörtert diese, die im internationalen Diskurs bereits mehr oder weniger fokussiert werden, die aber durch dieses Buch noch einmal eine Verdichtung und eine Intensivierung und vielleicht auch eine Pfadänderung erfahren können."
socialnet - vollstädige Rez siehe Link
 
Inhalt
 
Vorwort 9
 
I. Was ist Adultismus? Eine erste Annäherung 13
Wie Adultismus erlebt wird 13
Die Alltäglichkeit des Adultismus 15
Wie verstehen wir Adultismus? 21
Deutungen des Adultismus 23
Die Vorläufer der Adultismuskritik und ein Überblick zur Forschung 24
Verwandte Begriffe und konzeptionelle Erweiterungen 29
Vorteile und Fallstricke des Etikettierens 34
Intersektionale Perspektive 36
Mangelndes Bewusstsein für Adultismus 37
Der historische Kontext 40
 
II. Adultismus in gesellschaftlichen Praxen 43
Kurze Vorbemerkung 43
Soziale Unterordnung junger Menschen in früheren Epochen und 44
nicht-bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften
Unterdrückung von Kindern in »antiken Hochkulturen« bis zur 47
europäischen Neuzeit
Gewalt und Diskriminierung gegen Kinder im Kolonialisierungsprozess 53
Gewalt und Diskriminierung gegen Kinder in der postkolonialen Epoche 56
Egalitäre Altersordnungen in indigenen Gemeinschaften 59
Institutionelle Grundpfeiler des Adultismus in zeitgenössischen 64
bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften
Familie als Keimzelle des Adultismus 64
Schule als Hort des Adultismus 76
Recht und Politik als Manifestation des Adultismus 86
 
Sechs Bereiche adultistischer Diskriminierung junger Menschen 95
Sanktionierung nichtkonformen Verhaltens 96
Eingrenzender und paternalistischer Kinderschutz 102
Beschränkter Zugang zu Ressourcen 107
Herstellung von Normativität 115
Ausbeutung und Instrumentalisierung 131
Generationale Diskriminierung 140
 
III. Bausteine einer kritischen Theorie des Adultismus 147
Zum Stand der Theorie 147
Adultismus als Diskriminierungsform 148
Macht als Grundlage des Adultismus 154
Wirkungen und Rückwirkungen des Adultismus 162
Voraussetzungen und Entwicklung des Adultismus 169
Adultismus in der rechts- und moralphilosophischen Debatte 177
über Kinderrechte
Adultismus unter Rechtfertigungsdruck 188
Agency junger Menschen als Kritik des Adultismus 199
Elemente einer Theorie des Kinder-Protagonismus 207
 
IV. Dem Adultismus entgegenwirken 221
Einleitung 221
Wer spricht hier für wen? 222
Kritisches Erwachsensein 225
Gibt es eine adultismuskritische (Sozial-)Pädagogik? 230
Das hierarchische Erziehungsverhältnis infrage stellen 231
Zur Geschichte adultismuskritischer pädagogischer Praxis 232
Subjektorientierte Zugänge zum Erwachsenen-Kind-Verhältnis 236
Versuche adultismuskritischer Praxis in der Kinder- und Jugendhilfe 241
Kinderbücher gegen den kulturellen Adultismus 247
 
Gemeinsam gegen Adultismus in der Schule vorgehen 249
Aus dem politischen Schweigen herausfinden 256
Mit Kinderrechten dem Adultismus entgegenwirken 268
Wege zu einem nicht-adultistischen Kinderschutz 275
Politische Partizipation und Wahlrecht von Kindern 284
Für intergenerationale Gerechtigkeit 294
Dem Adultismus im städtischen Raum entgegenwirken 302
Wie junge Menschen den Adultismus infrage stellen 310
Selbstbefreiung und Widerstand 313
Kampf für eine bessere Gesellschaft 316
Überlebensstrategien 330
Fazit 340
 
V. Ausblick: Auf dem Weg zu einer 344
adultismusfreien Gesellschaft
 
Anmerkungen 360
Literatur 380

Details

Verfasser*in: Suche nach Verfasser*in Liebel, Manfred ; Meade, Philip
Verfasser*innenangabe: Manfred Liebel ; Philip Meade
Jahr: 2023
Verlag: Berlin, Bertz+ Fischer
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Systematik: Suche nach dieser Systematik PN.B
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ISBN: 978-3-86505-768-6
2. ISBN: 3-86505-768-3
Beschreibung: 436 Seiten : Illustrationen
Schlagwörter: Diskriminierung, Erwachsener, Heranwachsender, Kind, Kritik, Ungleichheit, Adoleszenz, Child (eng), Childhood (eng), Children (eng), Discrimination (eng), Disparität <Ungleichheit>, Erwachsener <18-21 Jahre>, Heranwachsende, Junger Erwachsener <Heranwachsender>, Kinder, Kindesalter, Kindheit, Kindschaft, Soziale Diskriminierung
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Sprache: Deutsch
Fußnote: Literaturverzeichnis: Seite 380-436
Mediengruppe: Buch