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An den christlichen Adel deutscher Nation
VerfasserIn: Luther, Martin
Verfasserangabe: Martin Luther. Mit einer kurzen Biographie und einem Nachw. hrsg. von Ernst Kähler
Jahr: 2000
Verlag: Stuttgart, Reclam
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Mit dieser Adelsschrift wendet sich Luther auf Deutsch an die weltlichen Fürsten, denen er die Durchführung der reformatorischen Maßnahmen übertragen will, da die Bischöfe darin nach seiner Meinung versagt haben. Luther argumentiert, dass sich die Romanisten vor der Reformation hinter drei Mauern verstecken: 1. Sie stellen die kirchliche Obrigkeit über die weltliche. 2. Wenn die Reformation mit Hilfe der Bibel begründet wird, verweisen sie darauf, dass nur der Papst das Recht hat, die Bibel endgültig auszulegen. 3. Soll zu Auslegungszwecken oder Reformationsbemühungen ein Konzil einberufen werden, wird darauf verwiesen, dass nur der Papst das Recht dazu besitze. Damit stehe der Papst über dem Konzil.Außerdem schlägt Luther in der Schrift ein politisches Reformprogramm vor. So soll Bildung allen zugänglich sein, nicht nur dem Klerus. Der Zölibat und der Kirchenstaat sollen abgeschafft, das Zinsnehmen eingeschränkt und das Betteln verboten werden. Dafür soll es eine geregelte Armenfürsorge geben.Luthers diesbezügliche Ansichten beendeten den Gegensatz von Staat und Kirche, der das Mittelalter geprägt hatte; die Fürsten wurden zu uneingeschränkten Beherrschern der neuen Staatskirchen. Erst 1918 endete dieser Zustand in Deutschland."Von der Freyheith eines Christenmenschen" ("De libertate christiana") ist der Titel einer aus dreißig Thesen bestehenden Denkschrift von Martin Luther aus dem Jahr 1520. Anlass für die Schrift war die gegen Martin Luther gerichtete Bannbulle. Der päpstliche Kammerherr Karl von Miltitz aus Sachsen versuchte im Streit zwischen Luther und dem Papsttum zu vermitteln indem er einen Sendbrief an Papst Leo X. schrieb und diesem die in Latein verfasste Freiheitsschrift hinzufügte. Die von Luther verfasste Urfassung in deutscher Sprache widmete er seinem Freund Hieronymus Mehlpfort (Hermann Mühlpfordt), dem Bürgermeister der Stadt Zwickau/Sachsen. Das Werk Luthers gehört zu seinen bedeutendsten Schriften zur Reformationszeit. In den Thesen postulierte er die Summe der christlichen Freiheiten. Diese stehen nicht unabhängig nebeneinander, sondern stellen nach heutigem Verständnis eher eine Argumentationsreihenfolge dar. Von der Freyheith eines Christenmenschen markiert eine geistesgeschichtliche Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit.Der zentrale Gedanke besteht in einer Umkehrung der bis dahin geltenden Grundauffassung der Beziehung zwischen Religion und Freiheit. Im Mittelalter galt das Christentum als "heilige Ordnung", welche jedem Menschen einen festen, von Gott vorbestimmten Platz zuordnete. Die Kirche als ganzes hatte zwar laut dem Evangelium die Freiheit, diese Ordnung im wesentlichen nach eigenem Gutdünken festzulegen (im Gegensatz zur Bindung an ein detailliertes göttliches Gesetz, wie es das Judentum kannte). Der einzelne Mensch aber hatte sich in diese Ordnung einzufügen. Nur durch die Einfügung in die Ordnung und die Erfüllung vielfältiger von der Kirche definierter formaler Pflichten hatte der Christ gemäß der bis dahin verbindlichen Rechtfertigungslehre Teil am Heil Christi. Damit wirkte Religion der individuellen irdischen Freiheit direkt entgegen und verwies lediglich auf ein jenseitiges besseres, gerechtfertigtes Leben bei Gott.Martin Luther setzt dieser Sichtweise radikal die den Schriften des Paulus entnommene Auffassung entgegen, dass der Christenmensch gerade im Hier und Jetzt frei sein müsse. Luther begründet dies damit, dass der Mensch nicht durch Taten, sondern allein durch den Glauben gerechtfertigt sei. Er verlagert die Entscheidung, was als göttlich gewollt angesehen werden könne, von der Amtskirche auf das Individuum und gesteht damit dem Menschen volle Glaubensfreiheit und daraus folgend auch Entscheidungsfreiheit zu.Auf diesem Grundgedanken basiert insbesondere auch die Aufklärung.Die oft zitierte Stelle dieser Luther-Schrift lautet: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."Luthers Text hatte - von ihm selbst ungewollt - bedeutenden Einfluss auf den Deutschen Bauernkrieg, da die aufständischen Bauern den Begriff 'Freiheit' (von Luther in rein theologischem Sinn verwendet) auf ihre weltliche Lebenssituation bezogen und deshalb in den Zwölf Artikeln das Ende der Leibeigenschaft von ihren Grundherren forderten. Luther distanzierte sich 1525 mit seiner Schrift Wider die mörderischen Rotten der Bauern jedoch scharf von dieser Gewalt rechtfertigenden Lesart seines Textes.
Details
VerfasserIn: Luther, Martin
VerfasserInnenangabe: Martin Luther. Mit einer kurzen Biographie und einem Nachw. hrsg. von Ernst Kähler
Jahr: 2000
Verlag: Stuttgart, Reclam
Enthaltene Werke: Von der Freiheit eines Christenmenschen, Sendbrief vom Dolmetschen
Systematik: PR.CT
ISBN: 3-15-001578-2
Beschreibung: [Nachdr.], 174 S.
Beteiligte Personen: Kähler, Ernst [Hrsg.]
Mediengruppe: Buch