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Totaler Untergang?
VerfasserIn: Daim, Wilfried
Verfasserangabe: Wilfried Daim
Jahr: 1959
Verlag: München, Manz
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Ist der Menschheitsselbstmord unausweichlich? (Essay ) Die Biographie Wilfried Daims aus der Feder von Peter Diem ist im April 2011 in der Edition Steinbauer erschienen. Der folgende Essay ist die ungekürzte Version des Kapitels über die Möglichkeit eines Menschheitsselbstmordes. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch die Möglichkeit zum Menschheitsselbstmord — so sie einmal existiert und mit ihrer Existenz den Planeten nicht mehr verlässt — einmal ergreift, grenzt an hundertprozentige Sicherheit. Kein Tiefenpsychologe von Format kann der Meinung sein, dass dies nicht so wäre… Nun hat sich der Todestrieb innerhalb der Kriegsdrohung und Großapokalypse einen sehr raffinierten Schleichweg gesucht, der die Apokalypse sozusagen in kleinen Dosen, Schritt für Schritt, zu realisieren trachtet: die sogenannte „friedliche Nutzung" der Kernenergie. (Wilfried Daim, Academia, September/Oktober 1978) Buchumschlag Im März 1959 schloss Wilfried Daim eines seiner originellsten Werke ab, das etwas über 100 Seiten umfassende Buch „Totaler Untergang“ (Manz Verlag München). In seinem Vorwort berief er sich auf Karl Jaspers, der in seiner dreibändigen Philosophie (1932) behauptet hatte „der Mensch werde, hätte er einmal dauernd die Möglichkeit, die Grundlagen aller Kultur zu vernichten, diese Möglichkeit zweifellos auch in die Tat umsetzen. Eine weitere wichtige Grundlage der Daim‘schen These vom unausweichlichen Menschheitsselbstmord war neben der Geheimen Offenbarung des Johannes die „Kurze Erzählung vom Antichrist“, verfasst vom russischen Religionsphilosophen Wladimir Sergejewitsch Solowjow (1853-1900) in dessen letztem Lebensjahr. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, der mit der Auslöschung der beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki (mit insgesamt etwa einer Viertelmillion Toten) geendet hatte, und der Kalte Krieg mit dem Rüstungswettlauf zwischen den Supermächten bildeten den Hintergrund für Daims Endzeit-Überlegungen: mit der atomaren Waffentechnik war die von Jaspers ins Auge gefasste Möglichkeit realisierbar geworden. Der Buchumschlag war gut gelungen. Über dem bleiernen Grau des Kupferstichs „Das Ende der Welt" von William Hogarth (1697-1764) hängt in brennendroten Lettern die bange Frage „Totaler Untergang?" Daim versuchte, seine These vom unausweichlichen Selbstmord der Menschheit möglichst nüchtern und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zu formulieren. Er ging dabei von vier Elementen aus: 1. Möglichkeiten zur Vernichtung der Menschheit2. Personenkreis, der die Vernichtungsmöglichkeiten besitzt3. Innere Kräfte, die zum Untergang tendieren4. Vorhandene Gegenkräfte. Gleich bei Behandlung der ersten Frage wird der Grund offenbar, warum sich Daim gerade jetzt in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts dazu gedrängt fühlte, den Untergang der Menschheit von der psychologischen Seite her zu betrachten. Der Grund liegt in den enormen Fortschritt in der Entwicklung von Vernichtungswaffen globaler, wenn nicht kosmischer Wirksamkeit. Hatte die Uranbombe von 1945 sämtliche konventionellen Sprengmittel um das Millionenfache übertroffen, standen bereits 1954 Wasserstoffbomben mit noch größerer Wirkung zur Verfügung. Eine Vernichtung des nordamerikanischen Kontinents wurde von den Atomphysikern bereits für durchführbar erklärt. Die Entwicklung hatte somit jenen Punkt erreicht, der die Möglichkeit, das gesamte Leben auf der Erde auszulöschen, in greifbare Nähe rücken ließ: etwa durch eine Reihenreaktion innerhalb der gesamten Erdrinde. Der Personenkreis, der Zugang zu den Vernichtungswaffen besaß, wurde immer größer. Mit dem im Februar 1960 unternommenen Atombombenversuch war Frankreich vierte Atommacht geworden. Wenn auch nur die Wissenschaftler die unmittelbare Gewalt über Vernichtungswaffen besaßen, so bildeten sie zusammen mit den Militärs und Politikern, die über den allfälligen Einsatz entscheiden konnten, doch eine ansehnliche Personengruppe. Naturgemäß stellen Betrachtungen über die dritte der oben genannten Fragen den Kern des Buches dar, liegt ihr doch das von Wilfried Daim sehr ernst genommene tiefenpsychologische Phänomen des Todestriebs zugrunde. Vom Problem des Opfers ausgehend, betrachtet Daim die Fixierung an ein Triebobjekt, das, '“absolut gesetzt, zwangsläufig Aggressionen erzeugt: Aggressionen gegen Gott, gegen das falsche Absolute (den Götzen) und endlich gegen den Menschen selbst.“ Alle drei Formen seien potentiell im Menschen vorhanden; ihr Kern sei narzisstisch. Ihre letzte Konsequenz ist nach Daim die totale Aggression, die sich gegen die gesamte Realität richtet. Sie fand im Zeitalter unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erstmalig reale Verwirklichungsmöglichkeiten vor. Wissenschaftler und Militärs sind nach Wilfried Daim Menschen mit eher größerem absolutem Todestrieb als normal. Die Politiker, die Daim in der ihm eigenen, oft burschikosen Ausdrucksweise als „Menschen zwar beruhigender Mittelmäßigkeit, fallweise aber besorgniserregender moralischer Fragwürdigkeit und fast immer erfüllt von Geltungsdrang" bezeichnet, steigern nur die Wahrscheinlichkeit des berühmten „Drucks auf den Knopf“. Daim behauptet weiter, dass nicht einmal eine demokratische Staatsform mit ihren Kontrollmöglichkeiten die Gefahr der Auslösung einer Totalvernichtungswaffe ganz bannen kann, eine weitere Voraussetzung für die Möglichkeit des technisch in Szene gesetzten Menschheitsselbstmordes. Sobald die Gewissheit des baldigen Menschheitstodes mit Hilfe der modernen Massenkommunikationsmittel den Menschen zu Bewusstsein gelangt wäre, würde sich die Menschheit in einer Lage befinden, wie sie auf einem Schiff herrscht, auf dem man eine tickende Höllenmaschine entdeckt. Wie würde sich dieses Wissen politisch auswirken? Es ist einer der Hauptverdienste Daims, das Wesen der politischen Anziehungskraft der totalitären ideologischen Systeme der jüngeren Geschichte in ihren pseudoreligiösen Grundlagen erkannt zu haben. Sowohl Nationalsozialismus als auch Marxismus waren ihrer tiefenpsychologischen Struktur nach Zerrbilder der christlichen Erlösungsreligion, wobei die Phasen Paradies – Sündenfall – Erlöser – Weltgericht – Himmel (auf Erden) deutlich in Erscheinung traten. Auf diese Diesseitsreligionen würde nun, so führte Daim aus, das Wissen vom Menschheitssuizid eine unmittelbare Wirkung haben: da sich niemand mehr von ihnen ein irdisches Paradies zu erhoffen vermag, müssten sie zwangsläufig in sich zusammenbrechen. Die endzeitliche Aufgabe Während der Menschheitstod von Menschen gewisser psychologischer Konstitution akzeptiert, ja sogar gefördert werden würde, müsste seine Erkenntnis der übrigen Menschheit eine endzeitliche Aufgabestellen: die Integration der Weltkulturen. Hierbei obliege es dem Christentum, die Initiative zu ergreifen und kraft des für Daim feststehenden Wahrheitsgehalts seiner Lehre die Positiva der anderen Religionen in gewandelter eigener Geisteshaltung emporzuheben. Daim hat also die Möglichkeit des totalen Untergangs der Menschheit mit der Utopie einer auf christliche Werte gründenden Gesellschaftsordnung verbunden. Trotz, oder besser, zufolge der Überzeugung vom baldigen totalen Untergang erginge der Auftrag zu konstruktiver (weil letztlich transzendentaler) Tätigkeit. Theologische Spekulationen Der Verfasser sah sich durch die Veröffentlichung der These vom unausweichlichen Menschheitsselbstmord durch seinen Freund Wilfried Daim dazu veranlasst, in der Zeitschrift des Österreichischen Cartellverbandes Academia (11. Jgg. Nr. 8) einen Vergleich zwischen den im „Totalen Untergang“ geäußerten Ideen und der biblischen Eschatologie anzustellen. Dieser Vergleich wird im Folgenden in aktualisierter Form wiedergegeben, wobei vor allem die sechzehn Jahre nach Veröffentlichung des Buches am 26. April 1986 eingetretene Katastrophe von Tschernobyl neuerlich Anlass für weiterführende Gedanken – Gedanken eines gläubigen Christen – bietet. Die Apokalypse Die hauptsächlichsten Quellen für Überlegungen betreffend die „Letzten Dinge" sind: die eschatologische Rede Christi (Mt. 24, Mk. 13, Lk. 21), die Johannesapokalypse sowie viele Stellen der Paulusbriefe und der sogenannten katholischen Briefe. Die Bedeutung, die die katholische Kirche der Eschatologie (der Lehre von den „Letzten Dingen“) beimisst, geht schon daraus hervor, dass an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen, nämlich am letzten Sonntag im Kirchenjahr und am ersten Adventsonntag, das Evangelium vom Ende Jerusalems und der Welt gelesen wird. Der Inhalt sowohl der eschatologischen Rede als auch jener der gesamten Apokalypse ist deswegen schwerer zu verstehen als andere Schriftstellen, weil sich beide der sogenannten prophetischen Redeweise bedienen. Dies bedeutet, dass zeitlich weit auseinander liegende Geschehnisse von den Verfassern dieser Schriften gleichzeitig behandelt werden, während das dazwischenliegende Geschehen vernachlässigt wird. Dadurch ergibt sich eine eigentümliche Wirkung, die man am besten mit der eines mit starkem Teleobjektiv gemachten Lichtbildes vergleichen kann. Die Heilige Schrift geht davon aus, dass die Geschichte dieser Welt ein Ende haben wird, so wie sie einst einen Anfang genommen hat. Wenn man dieser Überlegung folgt, tauchen zwei grundlegende Fragen auf: wann wird dies geschehen und auf welche Weise. Zum genauen Zeitpunkt des Weltunterganges heißt es ausdrücklich, dass er nur dem Vater bekannt ist (Mt. 24:36). Jesus hatte also keinen Auftrag, direkt zu offenbaren, wann das Weltende eintreten werde. Wohl aber gibt der Nazarener indirekt darüber Auskunft, indem er bestimmte Vorzeichen anführt, die dem Jüngsten Tag vorausgehen werden. Man vermutet an Hand der Paulusbriefe, dass der Völkerapostel anfänglich selbst hoffte, die Wiederkunft Christi zu erleben. Paulus hat dies jedoch nie in die Form einer Lehre gegossen. Wenn uns somit auch das genaue Datum des Weltunterganges unbekannt ist, so ruft uns Jesus Christus mehrfach zur steten Wachsamkeit auf. Denken wir nur an das Gleichnis vom sorglosen Oberknecht (Mt. 24:48) oder an das von den törichten Jungfrauen (Mt. 25:5) – auch Paulus sagt uns: „Der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht." (1 Thess. 5:1.) Aktuell gesprochen, bedeutet dies zweierlei: Erstens: Wachsam zu sein, mit Rücksicht auf unser eigenes Schicksal. Denn für jeden von uns kann der Jüngste Tag bereits heute hereinbrechen; wird doch der Zustand unserer Seele im Augenblick unseres Todes dem Endurteil beim Jüngsten Gericht zugrunde liegen. Ist aber damit nicht das Weltende in seiner höchstpersönlichen Wirkung in unmittelbare Nähe gerückt? Zweitens: Dürfen wir uns Gedanken über das Schicksal des Menschengeschlechts machen? Die Antwort ist ja. Wozu sonst hätte Christus die Behandlung des Weltendes mit dem Gleichnis vom Feigenbaum geschlossen? Freilich wollen wir nicht den Eintritt jener Vorzeichen leichtfertig für unsere Zeit in Anspruch nehmen; untersuchen wir diese Vorzeichen aber einmal nüchtern im Hinblick auf die Möglichkeit ihres Eintritts zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Man könnte die Ereignisse, die dem Weltuntergang vorausgehen werden, in drei Gruppen einteilen: 1. Ereignisse, die Kirche Christi betreffend (Verkündigung des Evangeliums, Verfolgung der Kirche, falsche Propheten und Messias, Bekehrung der Juden).2. Ereignisse unter den Menschen (Kriege, Hungersnöte, Seuchen, Gesetzlosigkeit, Auflösung der Familienbande, Angst). 3. Ereignisse in der Natur (Erdbeben, Brausen des Meeres; Ereignisse bezüglich Sonne, Mond, Sterne, Himmelskräfte). Betrachten wir diese drei Gruppen nun im Einzelnen. 1. Ist das Evangelium bereits allen Völkern verkündet? (vgl. Mt. 24:14.) Die Beantwortung dieser Frage ist nicht leicht. Wenn man unter „Völker" die geschichtstragenden versteht, dann ist sie zu bejahen. Wenn darunter aber z. B. auch alle Eingeborenenstämme des Amazonasbeckens fallen, wäre sie zu verneinen. Da das Nachrichten- und Verkehrsnetz heute bereits sehr dicht sind, ist die Begegnung mit westlichem Kulturgut und damit auf irgendeine Weise mit dem Wort Christi heute fast unvermeidlich. Der oben erwähnte russische Religionsphilosoph Wladimir Sergejewitsch Solowjow (1853-1900) hat diesen Punkt schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert für erreicht angesehen.Die Verfolgung der Kirche – vor allem im kommunistischen Machtbereich – konnte Daim für die Zeit der Abfassung des Buches noch annehmen - heute würde das eher schwer fallen. Falsche Propheten sah Daim in den mächtigsten politischen Systemen, in denen er einen pseudoreligiösen Kern mit ausgeprägtem Diesseits-Messianismus nachzuweisen suchte. Wenn wir bei Markus (13:21) von den falschen Propheten lesen, könnte man an die Argumente von der Überlegenheit seines Systems denken, die etwa ein Chruschtschow in anmaßender Weise an den Abschuss des Sputniks, des „neuen Sterns von Bethlehem", oder an die Mondrakete knüpfte....
Details
VerfasserIn: Daim, Wilfried
VerfasserInnenangabe: Wilfried Daim
Jahr: 1959
Verlag: München, Manz
Systematik: PI.HKA
Beschreibung: 143 S. : Ill.
Sprache: Deutsch
Fußnote: Literaturverz. 137 - 138
Mediengruppe: Buch