Sterben gehört zum Leben. Würdevolle Lebensführung braucht Entscheidungen.
Den Mittelpunkt der Hospizarbeit und der Palliative Care bildet das sorgende Dasein um den sterbenden Menschen und seine Angehörigen. Wichtiger als einzelne Care-Strategien erscheint das anthropologische Verstehen der Lebensthemen sterbender Menschen: Wer ist der sterbende Mensch? Wie führt er sein Leben? Welchen Sinn kann er für sein Leben finden? Wie drückt er seine persönliche Würde auch in Krisensituationen aus? Menschsein im Sterben zu verstehen, fördert die angemessene Sorge um die Lebensführung Sterbender. Die Klärung anthropologischer Grundbegriffe wie Würde, Souveränität, Selbstbestimmtheit und Autonomie erleichtern mitfühlende Unterstützung bei Entscheidungsprozessen Sterbender.
Der Autor, Philosoph mit Qualifikationen in Psychotherapie und Palliative Care, reflektiert das Menschsein im Sterben auf den Grundlagen der Logotherapie nach Frankl und der Würdezentrierten Therapie nach Chochinov. So entsteht ein strukturiertes Konzept für die palliative und hospizliche Praxis in der Perspektive einer angewandten Anthropologie, wie sie die Logotherapie ermöglicht. Das erleichtert Fachexpert*innen der Gesundheitsberufe wie auch ehrenamtlich Begleitenden die kommunikative Begegnung mit Sterbenden und die mitfühlende Sicht auf deren existenzielle Themen.
In anschaulichen, kommentierten Fallvignetten, in Merksätzen und Praxistipps erschließen sich in diesem Fachbuch die Grundlagen würdevollen Verhaltens, wertschätzender Kommunikation und mitfühlender Begegnung von Sterbenden und Sorgenden, u.a. im Kontext von Sinnkrisen, Schuldgefühlen und Trauer.
Inhaltsverzeichnis
Danksagung .......................................................................................................... 9
Vorwort................................................................................................................11
1 Einleitende Überlegungen: Grundfragen,
Inhalt und Absicht des Buches .................................................................13
1.1 Leben führen und entscheiden.................................................................... 13
1.2 Menschsein im Sterben verstehen .............................................................17
1.3 Angewandte Anthropologie in der Palliative Care ..................................... 19
2 Viktor Frankl: Logotherapie, Psychotherapie, Philosophie................21
2.1 Ausgangspunkt der Logotherapie Frankls.................................................. 21
2.2 Frankls Leben .............................................................................................22
2.3 Frankls Haltung als Psychiater und Psychotherapeut ...............................23
2.4 Frankl als Philosoph ................................................................................... 23
3 Wer ist der Mensch?...................................................................................25
3.1 Lageorientierung im Leid ......................... 25
3.2 Lebensgestaltung und Selbstgestaltung ...................................................26
3.3 Die Frage nach dem Sinn ........................................................................... 30
3.4 Freiheit und Verantwortlichkeit ................................................................. 32
3.5 Fünf Grundannahmen zum Menschsein.....................................................35
4 Wer will der Einzelne sein?.........................................................................39
4.1 Die individuelle Würde eines Menschen .....................................................40
4.2 Selbstbild und Sterben................................................................................ 41
4.3 Leben in der endlichen Zeit.........................................................................43
4.4 Lebenszeit als Raum für Werte....................................................................47
4.5 Persönliche Entwicklung ............................................................................52
4.6 Wertbild und Selbstbild: die Bedeutung der Liebe...................................... 56
5 Souveränität - Letztes Leben in persönlicher Würde...............................61
5.1 Begriff der Person und die Würde des Menschen ...................................... 62
5.2 Unzerstörbarkeit der Person und der Würde ..............................................64
5.3 Individualität der Würde.............................................................................. 66
5.4 Würde als Lebensmotiv für den sterbenden Menschen ............................ 69
5.5 Souveränes Leben in Würde .......................................................................76
5.6 Würdezentrierte Therapie nach Chochinov ................................................78
6 Sinnkrisen und Würde.................................................................................81
6.1 Der Krisenbegriff der Logotherapie .............................................................81
6.2 Ursachen und Anlässe von Krisen in logotherapeutischer Sicht .... 83
6.3 Souveränität in Sterbekrisen.......................................................................86
6.4 Würdeorientierte Begleitung von Sinnkrisen Sterbender ......................... 87
7 Schuld, Schuldgefühle und Trauer .............................................................91
7.1 Schuld als Entscheidung wider den Sinn einer Lage ................................. 91
7.2 Einstellungsarbeit gegenüber dem schuldhaften Verhalten .....................93
7.3 Schuldgefühle als unklare Stimmungen im letzten Leben..........................95
7.4 Trauer als Einstellung zum Wertverlust .....................................................98
8 Zwischenbetrachtung: Logotherapeutische Anthropologie
und das Menschenbild in der Palliative Care und Hospizarbeit ... 103
8.1 Die Struktur der Menschenbildannahmen in der
logotherapeutischen Anthropologie.................................................104
8.2 Anthropologische Begriffsbestimmungen für die Hospizarbeit...........108
8.3 Wissenschaftstheoretische Bemerkungen zur
logotherapeutischen Anthropologie..........................................................113
9 Anthropologische Dimensionen der Begleitung ....................................117
9.1 Wertschätzende Begegnung als Grundform der
hospizlichen Begleitung........................................................................... 117
9.2 Das „Dichte Gespräch“ - ein Modell wertschätzender
Kommunikation ........................................................................................123
9.3 Mein Leben-ein Denkmal?....................................................................... 128
9.4 Spiritualität-das „metaphysische Herzensbedürfnis“ (Frankl) .... 135
10 Philosophische Schlussbetrachtung ......................................................141
10.1 Das Problem einer philosophischen Anthropologie ..................................142
10.2 Angewandte Anthropologie als Grundlage der Logotherapie ..................144
10.3 Sterblichkeitsbewusstsein ......................................................................145
10.4 Assistierter Suizid und Souveränität des würdevollen Menschen ... 147
10.5 Die Bedeutung von Wissenschaft für die Hospizarbeit............................153
Glossar ..............................................................................................................155
Literatur ........................................................................................................... 161
Über den Autor ................................................................................................. 165
Hinweis zu Zusatzmaterialien ........................................................................ 167
Sachwortverzeichnis ....................................................................................... 169