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Aus aller Herren Länder?
Wien als Studienort und internationale Bildungsmetropole
Verfasserangabe: Josef Kohlbacher und Ursula Reeger. [Hrsg.: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Stadt- und Regionalforschung]
Jahr: 2005
Verlag: Wien, Verl. der Österr. Akad. der Wiss.
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Die Resultate der Wiener Studentenbefragung - Zusammenfassung:
Laut Hochschulstatistik studierten im Wintersemester 2003/04 insgesamt 113.850 ordentliche Hörer an den Wiener Universitäten. Von diesen stammten 19.769 nicht aus Österreich, was einem Anteil von 17,4% entsprach. Die Entwicklung der ausländischen Studentenzahlen divergiert je nach Universität beträchtlich. Von den 1950er bis in die frühen 1970er Jahre waren niedrige Absolutzahlen ausländischer Studierender an den Wiener Hochschulen zu konstatieren. Besonders seit den 1980er Jahren trat ein jährliches Wachstum der ausländischen Hörerzahlen ein. Die Einführung der Studiengebühren führte zu einem zahlenmäßigen Einbruch. Ein Rückgang der Zahl ausländischer Hörer und Hörerinnen um –7,1% für 2001/02 gegenüber dem Studienjahr 2000/2001 war die Konsequenz, dem allerdings ein neuerlicher Anstieg bei den ausländischen Studenten um 9,6% bereits im nächsten Studienjahr folgte.Abhängig vom Studienfächerkanon an der jeweiligen Universität entwickelte sich auch die Partizipation ausländischer Frauen sehr unterschiedlich. Einem raschen Vordringen von Frauen an den künstlerischen Universitäten steht eine nach wie vor bestehende Männerdominanz an der Technischen Universität gegenüber. An den Kunsthochschulen waren ausländische Studenten während des gesamten Analysezeitraums mit zum Teil erheblich höheren Anteilen vertreten als an den anderen Universitäten.Die Analysen haben ergeben, dass bei der Wahl des Studienortes der Distanzfaktor eine zentrale Rolle spielt. Weiters sind Sprachbarrieren, traditionelle Migrationspfade, ethnische Netzwerke und historische Bindungen zwischen einzelnen Staaten zu berücksichtigen. Bezüglich des Einzugsbereichs Wiens als Studienmetropole manifestiert sich ein deutliches räumliches Muster. Ein Studium in Wien ist in erster Linie für Studenten aus den Ländern der Europäischen Union sowie aus Ostmittel- und Osteuropa attraktiv. Aus den ehemaligen Entsendeländern von Gastarbeitern (Türkei und Exjugoslawien) stammte jeder 5. ausländische Student in der Bundeshauptstadt.In der Gruppe der EU-Staaten sind Deutschland und Italien (vor allem Südtirol) mit den stärksten Studentenkontingenten an den Wiener Universitäten präsent. Unter den MOEL sind Bulgarien und die Slowakei die wichtigsten Entsendestaaten von aus-ländischen Studierenden. 5,3% der studierenden Ausländer stammen aus Ost-, Südost- oder Südasien, wobei Chinesen die Spitzenposition einnehmen und vor allem an den Musikhochschulen stark präsent sind. Nur ein geringer Prozentsatz aller ausländischen Studierenden stammt aus afrikanischen Staaten. Amerikaner, Australier und Neuseeländer sind an Wiener Hochschulen ebenfalls zahlenmäßig nur schwach repräsentiert.Zusammenfassung 2Frauen sind in den unterschiedlichen Herkunftsgruppen in stark divergierendem Ausmaß vertreten. Hierbei spielen konfessionell-kulturelle Normen ebenso eine Rolle wie die Orientierung an spezifischen weiblichen Berufsfeldern. Die Frauenanteile variieren auch in Abhängigkeit von der fachlichen Ausrichtung der jeweiligen Universität. Ein starker Zulauf von Frauen besteht zu den philologisch, historisch und philosophisch ausgerichteten Studien. Deutlich geringer ist ihre Präsenz in den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern.Wien ist hinsichtlich des quantitativen Zulaufs zwar die attraktivste der österreichischen Universitätsstädte, Studenten aus den Nachbarstaaten entscheiden sich aber häufig für ein Studium in jener Hochschulstadt, welche vom eigenen Herkunftsland aus gesehen den geringsten Pendelaufwand erfordert.Im Rahmen des Projekts konnte auch eine umfangreiche Eigenerhebung (n = 136) durchgeführt werden. Die Befragungsergebnisse belegen, dass einer der wichtigsten Gründe für die Wahl Wiens als Studienort im Erwerb spezieller fachlicher Kenntnisse besteht. An zweiter Stelle liegt die Erwartung besserer Berufsperspektiven. Jeweils nicht ganz 60% der ausländischen Studierenden haben sich aufgrund der guten universitären Infrastruktur sowie wegen der hohen Reputation der Universitäten für Wien als Studienort entschieden.Bei den nicht studienbezogenen Gründen für ein Studium in Wien sind vor allem die ausgezeichnete Lebensqualität sowie der Imagefaktor von Bedeutung. Die Lebensqualität wird besonders von den Studenten aus Asien, aus Transformationsländern sowie aus der Türkei und Exjugoslawien geschätzt. 60% der Respondenten gaben an, dass sie durch Empfehlungen zum Studienaufenthalt motiviert worden waren. Gleichrangig rangieren die Sicherheit, die geringe Kriminalität und das kulturelle Angebot. Dass Wien als Stadt per se attraktiv ist, meinen rund 45% der Studierenden. Ein in etwa gleich hoher Anteil hat das Auslandsstudium angetreten, da Verwandte oder Freunde in Wien ansässig sind.Die Befragungsresultate dokumentieren ein innerhalb Europas bestehendes West-Ost-Gefälle hinsichtlich der Beliebtheit von Studienmetropolen. Der EU-Raum (Stand vor dem 1. Mai 2004) genießt eine weit höhere Attraktivität als die postkommunistischen Reformstaaten. Die Spitzenpositionen des europäischen Universitätsstadtrankings nehmen London und Paris ein, gefolgt von Barcelona. Wien liegt an der vierten Stelle. Die Europa- und USA-Zentrierung im Zusammenhang mit der Studienstandortwahl ist stark ausgeprägt. Die US-amerikanischen und britischen Universitätsstädte offerieren nach Meinung der befragten Studierenden beste Universitäten mit hohem Ausbildungsniveau. Die Metropolen Großbritanniens und der USA faszinieren die jungen Menschen aber auch durch ihre Multikulturalität und die internationale Atmosphäre. Wien schneidet im Vergleich zwar positiv ab, hat jedoch mit der Barriere der erforderlichen deutschen Sprachkenntnisse sowie damit zu kämpfen, über keine Eliteuniversitäten zu verfügen.Unter den studienbezogenen Problemen, welche die ausländischen Studiosi kritisieren, bereitet in erster Linie die Orientierung im österreichischen StudiensystemZusammenfassung 3die größten Schwierigkeiten. Weitere Problemfelder sind ein erhebliches Informationsdefizit die rechtlichen Regelungen betreffend, die räumliche Orientierung an der Universität sowie die Überfüllung vieler Pflichtlehrveranstaltungen.Im außeruniversitären Bereich bestehen drei Hauptproblemfelder: die Interaktionen mit der Wiener Bevölkerung sowie deren Einstellungen zu Ausländern, die Finanzierung des Studiums und die Wohnsituation. Die meisten Probleme bereitet den Studierenden das Zurandekommen mit der Mentalität der Wiener. Auch das hohe Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit in der lokalen Bevölkerung sowie die geringe Kontaktbereitschaft werden als problematisch verbalisiert.Die Studenten haben zahlreiche Maßnahmen zur Hebung der Attraktivität der Wiener Universitäten vorgeschlagen und eine Reihe von Kritikpunkten angeführt. Die erste Stelle nimmt der Ruf nach mehr Informationen ein. Es werden nicht nur zahlreichere Informationsstellen, sondern auch reichhaltigeres Informationsmaterial im World Wide Web und eine aktivere Werbetätigkeit für das Studium in Wien eingefordert. Die Information sollte nach Möglichkeit direkt an den Heimatuniversitäten der Studierenden verfügbar sein. Etliche Vorschläge beziehen sich auf eine Verbesserung der Organisation des Studiums sowie eine Ausweitung des Lehrveranstaltungsangebotes. Besonders zahlreich werden auch die Studiengebühren kritisiert.Die Respondenten haben auch zahlreiche Verbesserungsvorschläge artikuliert. An erster Stelle stehen verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und Werbemaßnahmen, ein fundiertes Informationsangebot sowie der Ruf nach Informationsveranstaltungen. Besondere Bedeutung wird weiters Hilfestellungen bei der Wohnungssuche sowie finanziellen Unterstützungen für Studenten beigemessen. Der Ruf nach Fahrpreisermäßigungen wird besonders häufig laut.Nicht alle Studenten würden ihren Kollegen im Heimatland anraten, ein Studium an einer Wiener Universität aufzunehmen. Universitätsbezogen werden zahlreiche Kritikpunkte angeführt, aber Wien als Stadt wird ein durchwegs gutes Zeugnis ausgestellt.
Details
VerfasserInnenangabe: Josef Kohlbacher und Ursula Reeger. [Hrsg.: Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Stadt- und Regionalforschung]
Jahr: 2005
Verlag: Wien, Verl. der Österr. Akad. der Wiss.
Systematik: GS.BS
ISBN: 3-7001-3567-X
Beschreibung: 111 S. : graph. Darst., Kt.
Fußnote: Literaturverz. S. 105 - 110
Mediengruppe: Buch