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Materielle Grundsicherung
Popper-Lynkeus' Programm "Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage" ; ein auszugsweiser Reprint
Verfasserangabe: [Josef Popper-Lynkeus]. Hrsg. u. eingeleitet von Emmerich Tálos
Jahr: 1989
Verlag: Wien, Verl. d. Österr. Staatsdruckerei
Reihe: Edition S
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Popper-Lynkeus (eigentlich Popper) Josef, * 21. Februar 1838 Kolín, Böhmen, † 21. Dezember 1921 Wien 13, Woltergasse 2a (Zentralfriedhof, Israelitische Abteilung, 1. Tor, Gruppe 52A [Ehrengrab in der Zeremonienallee]), Sozialethiker, Philanthrop, sozialphilosophischer Schriftsteller, Techniker, Erfinder. Studierte an der Technischen Hochschule Wien und Technischen Hochschule Prag, wurde Techniker bei der Eisenbahn (ab 1863 in Wien). Er äußerte erstmals den Gedanken einer elektrischen Kraftübertragung (1862), erfand eine Dampfkesselreinigung (1867), einen Oberflächenkondensator (1889) und einen Luftkühlapparat (1891), wies erstmals die Möglichkeit der Fernleitung von Elektrizität nach, erarbeitete 1889 die Grundlagen für Sigmund Freuds spätere Traumdeutung und war Mitarbeiter von Ernst Mach. Als Schriftsteller stand er den Frühsozialisten nahe und dachte die Ideen von Saint-Simon weiter (Vertreter des utopischen Sozialismus; „Die technischen Fortschritte nach ihrer ästhetischen und kulturellen Bedeutung", 1886); er forderte ein Existenzminimum für jeden Bürger (Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben, 1878; Phantasien eines Realisten, 1898; Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage, 1912), war in der Friedensbewegung tätig, beschäftigte sich mit dem Strafrecht (Fundament eines neuen Strafrechts, 1905) und wandte sich gegen die Wehrpflicht. Er beschäftigte sich mit sozial-philosophischen und sozial-ethischen Forschungen, wandte sich gegen den Antisemitismus und trat für die Schaffung eines jüdischen Staats ein (ohne in der zionistischen Bewegung aktiv zu sein). Lynkeusgasse, Popper-Lynkeus-Denkmal. Bekannt wurde er für seine Arbeiten über sozialreformistische Fragen, die in seiner "allgemeinen Nährpflicht" mündeten. Diese Grundidee formulierte er in drei Etappen, 1887 zuerst in Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben, dann in Das Individuum und die Bewertung menschlicher Existenzen und schließlich 1912 in: Allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage. Not und Armut nicht bloß zu lindern, sondern überhaupt zu verhindern, ist das zentrale Anliegen dieses österreichischen Sozialreformers und Ethikers. In seinen Schriften über Staatswesen, Recht, Ethik, Religion und Sozialpolitik tritt er für die persönliche und politische Freiheit des Individuums ein, verurteilt Krieg und Wehrpflicht, kritisiert Intoleranz, sexuelle Heuchelei und jeden religiösen Glauben. Herausragend unter vielen anderen Reformideen jener Zeit ist sein, mathematisch als durchführbar behauptetes Modell einer „Allgemeinen Nährpflicht“, durch welches eine bedingungslose, materielle Grundsicherung Aller könnte möglich sein. Die Grundlage seines Programms bildet seine Vorstellung von Gerechtigkeit, Menschenwürde und Organisation der Gesellschaft, die in seinem Werk Allgemeine Nährpflicht an vielen Stellen zum Ausdruck kommt. Im Rahmen seiner „Allgemeinen Nährpflicht“ wird das Existenz-Minimum an jeden Staatsangehörigen in Naturalien ausgegeben, so z. B. Essen in öffentlichen Speisehäusern, Kleider und sonstige Gegenstände in Staats-Magazinen; Wohnungen werden zugewiesen. Jeder und jede muss einen mehrjährigen Pflicht-Arbeitsdienst in der „Nährpflicht-Armee“ leisten, erhält danach aber bis zum Lebensende ohne weitere Bedingungen seinen Grundbedarf und kann tun und lassen, was er will. Eine außerordentlich mächtige Behörde (Minimum-Institution, Behörde für Lebenshaltung) soll alles koordinieren und regeln. Parallel dazu existiert die freie Wirtschaft nach wie vor, doch aus den Grundbedarfsgütern (Wohnung, Nahrung, Kleidung, Medizinische Hilfe, Bildung), die zur Befriedigung einer "behaglichen Existenz" nötig sind, kann kein Profit mehr gezogen werden. Jede und jeder kann nach dem Dienst in der Nährpflicht-Institution (vergleichbar einem Sozialdienst, jedoch als eine Art Versicherung auf Lebenszeit) in der freien Wirtschaft tätig werden, Geld verdienen und sich die nicht unbedingt nötigen Güter ("Luxusgüter") kaufen. Eine Art "Taschengeld" ist allerdings jederzeit verfügbar.
Details
VerfasserInnenangabe: [Josef Popper-Lynkeus]. Hrsg. u. eingeleitet von Emmerich Tálos
Jahr: 1989
Verlag: Wien, Verl. d. Österr. Staatsdruckerei
Systematik: GS.S
ISBN: 3-7046-0130-6
Beschreibung: 171 S.
Reihe: Edition S
Beteiligte Personen: Tálos, Emmerich; Popper-Lynkeus, Josef
Originaltitel: Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage <Auszüge>
Fußnote: Literaturverz. S. 61 - 65
Mediengruppe: Buch