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19 von 68
C. G. Jung, Bild und Wort
Verfasserangabe: hrsg. von Aniela Jaffé
Jahr: 1977
Verlag: Olten ; Freiburg im Breisgau, Walter
Mediengruppe: Buch
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Inhalt
Ernst Spengler, Neue Zürcher Zeitung Nr. 292, S. 33, vom 13. Dezember 1977Die zum 100. Geburtstag im Frühling 1975 gezeigte Gedächtnisausstellung über das Leben und das Werk des Psychotherapeuten und Psychiaters Carl Gustav Jung (1875 - 1961) im Zürcher Helmhaus ist von über 20'000 Menschen besucht worden. Auch in Basel und Bern fand sie grosses Interesse, und eine Bildschau über einen Teil der Ausstellung wurde in über 40 Ländern gezeigt. Solch weltweite Beachtung bewog den Verleger Dr. Josef Rast, die frühere Mitarbeiterin Jungs Aniela Jaffé, Zürich, um die Gestaltung eines Bildbandes „C.G. Jung“ zu bitten. Dieser liegt nun vor [1].Neues MaterialBrachte schon die Gedächtnisausstellung eine Fülle von Dokumenten, die zuvor der Öffentlichkeit nicht zugänglich gewesen waren, so findet man im neuen Bildband von 240 Seiten im Format 24 x 28 cm vieles davon wieder; einiges konnte nicht übernommen werden, doch sind anderseits nochmals neue, auch in der Ausstellung nicht gezeigte Bilder und Texte enthalten. Der Band vereinigt 205 Abbildungen, grösstenteils schwarz-weiss, jedoch auch zahlreiche farbige Wiedergaben von Zeichnungen und Gemälden, die mehrheitlich von Jung selbst stammen. Zum Instrumentarium gehören eine Zeittafel mit den wichtigsten Fakten aus Jungs Leben, ein Glossar, das einige Begriffe der Jungschen Psychologie erläutert, sowie ein Bild- und Quellenverzeichnis.„Bild und Wort“ vermittelt einen vortrefflichen Einblick in die äusseren und inneren Entwicklungen Jungs. Es erhebt keinen Anspruch darauf, eine Darstellung des wissenschaftlichen Gebäudes zu sein, das Jung geschaffen hat; diesen Verzicht teilt der Bildband mit der 1962 erschienenen Autobiografie „Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung“, aus welcher viele Aussagen Jungs zitiert werden. Der ganze Begleittext, auch in den weiteren Zitaten aus Jungs Briefen und den wissenschaftlichen Werken, lässt das Bemühen erkennen, allgemeinverständlich zu sein – und das ist, bis auf wenige Ausnahmen, auch gelungen (beispielweise wird der Ausdruck „Psychopompos“, der in einem Zitat erscheint, nicht erläutert, [gr., Seelenführer]). Der Aufbau des Bandes folgt im wesentlichen dem zeitlichen Ablauf der Ereignisse im Leben Jungs; einige Erkenntnisse der Analytischen Psychologie sind jedoch zu Sachkapiteln vereinigt, etwa unter den Titeln „Psychotherapie“, „Die Übertragung“, „Die Alchemie“ oder „Religion“.Der Urstoff für ein LebenswerkKennzeichnend für das Leben Jungs ist die Heimsuchung durch inhaltsschwere Träume und Fantasien schon im zarten Kindesalter und in seiner Jugend (Phallostraum, Gotteserlebnis beim Basler Münster), seelische Ereignisse, über die der Knabe mit niemandem reden mochte, die er als sein bedeutsames Geheimnis bewahrte. Die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung, einer Bewältigung dieses innerseelischen Materials ist nicht allein für die psychische Gesundheit Jungs ausschlaggebend gewesen, sondern ist auch als Triebfeder seiner ganzen geistigen Entwicklung zu sehen: „Mein Leben ist die Geschichte einer Selbstverwirklichung des Unbewussten. Alles, was im Unbewussten liegt, will Ereignis werden.“Dies gilt besonders für die ersten Jahre nach der Trennung Jungs von Freud (1912/13; die Periode der Freundschaft und ihres unrühmlichen Endes illustriert der Bildband sehr schön mit Porträts und faksimilierten handschriftlichen Briefen von Freud und Jung), in denen sich Jung intensiv mit den Inhalten seines Unbewussten beschäftigte. „Die Jahre, in denen ich den inneren Bildern nachging, waren die wichtigste Zeit meines Lebens, in denen sich alles Wesentliche entschied ... Meine gesamte spätere Tätigkeit bestand darin, das auszuarbeiten, was in jenen Jahren aus dem Unbewussten aufgebrochen war und mich zunächst überflutete. Es war der Urstoff für ein Lebenswerk.“Eine der seelischen Manifestationen war die Fantasiefigur eines alten Mannes, den Jung Philemon nannte und mit dem er lange Gespräche führte. „Philemon sprach Dinge aus, die ich nicht bewusst gedacht hatte ... Psychologisch stellt Philemon eine überlegene Einsicht dar. Zuzeiten kam er mir fast wie physisch real vor. Er war, was die Inder als Guru bezeichnen ... Philemon und andere Fantasiegestalten brachten mir die entscheidende Erkenntnis, dass es Dinge in der Seele gibt, die nicht ich mache, sondern die sich selber machen und ihr eigenes Leben haben.“ Die relative Autonomie psychischer Faktoren ist von eminenter Bedeutung für die Entfaltung der Persönlichkeit; ihre Erkenntnis und Beachtung bewahrt vor Hybris und Kollaps des Bewusstseins.Ganzheit als ZielAus dieser Zeit zeigt der Bildband einige prächtige Farbdokumente, hierunter auch Seiten aus dem „Roten Buch“, in das Jung seine Fantasien malte und schrieb, so eine Darstellung Philemons (eine andere befindet sich an der Wand in Jungs „Turm“ zu Bollingen) sowie ein Konterfei jener Figur, die Jung (in Anlehnung an die „umbra“ des Kirchenvaters Irenäus) den „Schatten“ nannte; eine dunkle, katzenäugige, hundeschnäuzige Gestalt mit pelerinenartigem Umhang und Zylinder schleicht umher wie Mister Hyde aus R. L. Stevensons „The strange Case of Dr. Jeckyll and Mr. Hide“ (1886). Das Auftreten einer solchen finsteren Gestalt kann in fast jeder Psychotherapie beobachtet werden; sie ist meist angsterregend und bedeutet für den Betroffenen die Notwendigkeit, sich mit verdrängten Seiten seiner Persönlichkeit, mit den ethischen Massstäben, mit dem Problem von Gut und Böse auseinanderzusetzen, was immer ein schwieriges, oft peinvolles Unterfangen ist, dem man gern auswiche. Eine Abspaltung des „Schattens“ verhindert jedoch die Entwicklung zur Ganzheit. Diese ist in dem Bilde ebenfalls symbolisiert durch den mit helldunklen Flächen perspektivisch facettierten Raum, in dem das bedrohliche Ungeheuer steht, und den aus konzentrischen Kreisen gebildeten Mittelpunkt an der hinteren Wand. Solche Mandalas (Sanskrit für: Kreise) deuten Ganzheit an, seelische Abrundung, die zwar vielleicht nie erreicht wird, als immanente Zielvorstellung dem menschlichen Leben aber Dynamik und Sinn verleiht.Zahlreiche Abbildungen von Mandalas, wie sie sich in der Natur etwa im mikroskopischen Bereich der Materie, aber auch im Pflanzen- und Tierreich sowie seit Urzeiten in den Vorstellungen und Werken des Menschen finden, werden dem Leser vor Augen geführt und im Text erläutert, so etwa ein Vitamin-C-Kristall, das Ei des Eulenfalters, der sogenannte Leonardo-Knoten, ein Heerlager der Wikinger, eine Zeichnung von Emma Kunz, die russische Dornbusch-Ikone und anderes. Als Jung im Ersten Weltkrieg Kommandant eines Interniertenlagers für Engländer in Château-d’Œx war, skizzierte er jeden Tag eine kleine Kreiszeichnung, welche seiner inneren Situation zu entsprechen schien. „Meine Mandalabilder waren Kryptogramme über den Zustand meines Selbst ... Ich hatte das deutliche Gefühl von etwas Zentralem.“ „Nur allmählich kam ich darauf, was das Mandala eigentlich ist: ‚Gestaltung – Umgestaltung, des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung’. Und das ist das Selbst, die Ganzheit der Persönlichkeit.“AlchemieEindrücklich ist auch das Kapitel über die Alchemie. Jungs langjähriges Studium der alchemistischen Literatur, seine Interpretation der darin dargestellten chemischen Prozesse als Projektion parallel laufender psychischer Wandlungsvorgänge sind auch heute noch nicht über einen relativ engen Kreis hinaus aufgenommen worden. Um so nützlicher ist die hier gebotene kurze Einführung. Etwas gar knapp geraten ist jedoch der Abschnitt über die Religion. Jungs Leben ist in so hohem Masse von religiösen Erlebnissen und von der zuweilen qualvollen Auseinandersetzung mit der rätselhaften dynamischen Existenz oder Wirkung, die zu allen Zeiten „Gott“ genannt wurde, geprägt, dass sein religionspsychologischer Standpunkt – der allerdings zum richtigen Verständnis einiger erkenntnistheoretischer Grundlagen bedarf – eine ausführlichere Darstellung verdient hätte.Anderseits überrascht die Reichhaltigkeit des biografischen Materials, worunter einiges hier zum ersten Mal veröffentlicht ist. So findet man in den Kapiteln über die Vorfahren Jungs, seine Jugend, die Studienzeit, die Periode der Arbeit im „Burghölzli“, über Familie und Haus, über den „Turm“ in Bollingen (wo Jung auch einige seiner inneren Bilder in Stein gemeisselt hat) und über die Reisen in mehrere Kontinente manches, was die Schilderungen in den „Erinnerungen“ in wertvoller Weise ergänzt und illustriert. Alles in allem: ein Werk, das zum Besten gehört, was über Jung erhältlich ist.Vorwort 7 / Die Großeltern 9 / Die Jugend 13 / Der Student 21 / Okkultismus und Parapsychologie 28 / Das Burghölzli 36 / Sigmund Freud 44 / Alfred Adler 65 / Die Auseinandersetzung mit dem Unbewußten 66 / Das Mandala 77 / Die Alchemie / Paracelsus 110 / Psychotherapie 114 / Die Übertragung 125 / Familie und Haus 130 / Reisen 148 / Nordafrika 150 / Die Pueblo-Indianer 155 / Kenia und Uganda 160 / Indien 169 / Schweiz 178 / Die Eranos-Tagungen 180 / Der Turm in Bolüngen 188 / Religion 206 / Leben und Tod 212 / Anhang 221 / Carl Gustav Jung 221 / Zeittafel 226 / Glossar 231 / Bildverzeichnis 237
Details
VerfasserInnenangabe: hrsg. von Aniela Jaffé
Jahr: 1977
Verlag: Olten ; Freiburg im Breisgau, Walter
Systematik: PI.BP
ISBN: 3-530-39803-9
Beschreibung: 240 S. : zahlr. Ill.
Beteiligte Personen: Jaffé, Aniela; Jung, Carl G.
Sprache: Deutsch
Mediengruppe: Buch