Will man die aktuelle Verfasstheit von Politik in den industrialisierten Staaten erfassen, bietet der Begriff der Hyperpolitik einen guten Ausgangspunkt: Bürger_innen haben durchaus ein politisches Bewusstsein. Dieses ist aber völlig losgelöst von hergebrachten persönlichen sozialen Bindungen und größeren gesellschaftlich-politischen Akteuren wie etwa Parteien und Gewerkschaften. Mangels ernsthafter kollektiv organisierter Gegenmacht gelingt es so nicht, die neoliberale Hegemonie zu brechen. Nötig wäre ein Neuentdecken der Relevanz kollektiver Organisation. - Wie Menschen politisches und gesellschaftliches Engagement leben und erleben, ist eine sehr relevante Frage politischer Analyse. Die gilt zunächst allgemein für eine politikwissenschaftliche Einordnung, unter welchen Bedingungen welche Art des politischen Engagements tatsächliche Wirksamkeit entfalten kann. Für die Politik der Sozialen Demokratie waren in ihrer Geschichte vor allem kollektive Organisationen wie Parteien und Gewerkschaften zentral. Wenn man davon ausgeht, dass wirtschaftliche Macht auch in einer Demokratie in aller Regel Wege findet, sich öffentlich zu artikulieren und politisch Einfluss zu nehmen, so ist die Feststellung, auf welchen Wegen und in welchen organisatorischen Zusammenhängen sich soziale Gegenmacht organisieren lässt, von großer Bedeutung.. - Dass die Politik wieder da ist, dass Debatten um Corona oder »Wokeness« längst über Twitter hinausgeschwappt sind, wird bestätigen, wer im Privaten heftige Streite erlebt. Nach einer Ära der Postpolitik, in der technokratisch verwaltet wurde, während die Bürger dies höchstens vom Sofa aus kommentierten, stehen wir vor einem allgegenwärtigen Zittern und Beben.
Anton Jäger hat dafür den Begriff »Hyperpolitik« geprägt. Zugleich stellt er fest, dass Aufregungswellen sich selten in kollektives Handeln übersetzen: Die Politisierung hat kaum politische Folgen. Dies, so Jäger in seinem Durchgang durch 150 Jahre Demokratiegeschichte, ist die Folge einer von digitaler Einsamkeit geprägten Situation, in der die Menschen nicht länger über Massenorganisationen am politischen Prozess beteiligt sind.
INHALT
1. Ein Grinsen ohne Katze............................................. 9
2. Putnam von links......................................................... 33
3. Das antipolitische Jahrzehnt ...................................... 73
4. Archimedische Orte.......................................................101
Anmerkungen.....................................................................121
Dank und Textnachweise..................................................135
Verfasser*innenangabe:
Anton Jäger ; aus dem Englischen von Daniela Janser, Thomas Zimmermann und Heinrich Geiselberger
Jahr:
2023
Verlag:
Berlin, Suhrkamp
Aufsätze:
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Systematik:
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ISBN:
978-3-518-12797-1
2. ISBN:
3-518-12797-7
Beschreibung:
Erste Auflage, Originalausgabe, 135 Seiten : Diagramm
Schlagwörter:
Demokratie, Politische Beteiligung, Politisierung, Individualisierung, Politische Theorie, Politische Willensbildung, Politischer Wandel, Democracy (eng), Demokratischer Staat, Politische Partizipation, Politische Teilnahme, Volksherrschaft, Politik / Theorie, Politik / Willensbildung, Politiktheorie, Politische Entwicklung <Politischer Wandel>, Politische Theorien, Systemtransformation <Politik>, Systemwandel <Politik>, Systemwechsel <Politik>
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Sprache:
Deutsch
Fußnote:
Enthält Literaturangaben
Mediengruppe:
Buch